PULS 24 / UEFA

Johnny Ertls EM-Tagebuch: Marko verkörpert jenen Typen, den die Öffentlichkeit so dringend sucht

17. Juni 2021 · Lesedauer 4 min

PULS 24 Experte Johnny Ertl analysiert täglich während der EURO 2020 exklusiv aktuelle Themen rund um die Europameisterschaft. Dieses Mal spricht der Ex-Nationalspieler über die Causa Arnautovic und die Emotionen auf dem heiligen Rasen.

Dass die Gemüter der beiden Hauptprotagonisten Ezgjan Alioski und Marko Arnautovic beim Spiel gegen Nordmazedonien erhitzt waren, konnte man selbst durch den Fernseher und nicht zuletzt an Arnies wutentladenem Jubel zum 3:1 erkennen. Unser geschichtsträchtiger Sieg wurde bald eine Randnotiz, überschattete die Causa Arnautovic und seine verbale Entgleisung am Spielfeld den erfolgreichen Start unseres A-Teams. Der gestrige Mittwoch sollte Klarheit ans Licht bringen, die UEFA als moralische Institution (?) war gefordert. Nachgeblättert in der Rechtspflegeordnung der UEFA gibt es den Artikel 15 "Fehlverhalten von Spielern und Offiziellen". Marko Arnautovics Schimpftiraden fallen unter den Punkt vier "Beleidigung von Spielern und anderen beim Spiel anwesenden Personen" und so nahm das Ganze seinen Lauf. 

Ja, Marko hat einen Fehler gemacht. Aus der Emotion heraus Dinge von sich gegeben, die im Umgang mit Mitmenschen respektlos sind. Fußballer sind Vorbilder, Heros einer Gesellschaft und gleichzeitig Meinungsbildner. Die interne fußballerische Umgangssprache verdient sich keinen Nobelpreis, jedoch sollte sich jeder Spieler bewusst sein, welche Kraft dessen Worte in der Öffentlichkeit haben. Marko Arnautovic polarisiert, seine Sperre sollte als Anlass dienen, bei dieser Großveranstaltung ein Exempel in Sachen "Respekt" zu statuieren.

Hätte ich diesen Artikel 15 während meiner Laufzeit gekannt und ihn bei jedem Spiel aus dem Ärmel gezogen, es wären Sperren im vierstelligen Bereich vollzogen worden. Dass sich Marko nach dem Spiel öffentlich entschuldigt, Ezgjan Alioski nach dem Spiel in dessen Kabine aufsucht und beide die Sache freundschaftlich bereinigten, war eine schöne friedvolle Geste. Es könnte als Anhang zum Artikel 15 stehen: "Öffentliche Entschuldigung bei Spieler und Fans, Eingeständnis des Fehlverhaltens mit gleichzeitiger positiver Botschaft und Spende für integrative Arbeit und Menschen in Armut" könnte ja vielleicht das Urteilsmaß mildern. Aus Fußball-Österreich-Sicht hätte ich mir dazu eine mathematische Formel gewünscht: 1 minus 1 ist gleich 0.

Das Thema an sich ist aber viel tiefgründiger als die Sperre. Marko verkörpert jenen Typen, den die Öffentlichkeit so dringend sucht: Ein authentischer Kerl, der sich bei Pressekonferenzen und Interviews kein Blatt vor den Mund nimmt. Der Emotionalität lebt –  good and bad – der den Fußball und seine sozialen Brennpunkte in seiner ganzen Leidenschaft bis aufs Letzte widerspiegelt. Und der auch das eine oder andere Mal von der Tribüne aus zusehen muss.

Hold on a second! Schauen wir schnell auf das Datum. Da war ja noch was heute! Unser Team geht ins zweite Spiel dieser Europameisterschaftlive ab 21 Uhr im Ticker auf PULS 24. In Marko Arnautovics Wahlheimat, den Niederlanden, geht es heute um 21 Uhr gegen Frank de Boers Mannen und deren erfrischenden Fußball, welcher sich in drei Toren und schlussendlich 3 Punkten gegen die Ukraine nach 90 Minuten manifestierte. Eine interessante Mannschaft, die es gekonnt versteht, den Rhythmus während des Spieles zu verändern. Die im Normalfall ein 4-2-3-1 praktiziert und dann doch mit einem 5-3-2 gegen die Ukraine auflief. Das Systemrätsel beider Mannschaften wird erst knapp eine Stunde vor Spielbeginn preisgegeben. Der Puls schlägt deutlich schneller, wenn der Spielbericht des Gegners zum ersten Mal in die Kabine kommt und er in der fußballerischen Systemsprache auf dem Flipchart seine Ausformungen findet.

Für all jene, die nur die Österreicher und das Spiel gegen die Niederlande auf dem Radar haben, gibt es noch die Dänen die sich mit Belgien messen und natürlich die Ukrainer, welche sich den Nordmazedoniern annehmen.

Alles Gute heute Franco und dem ganzen Team!! Mein Österreich-Trikot ist bereit!

Johnny

Ertl zu Causa Arnautovic: UEFA hat "ein Exempel statuiert"

Johnny Ertl, Fußballexperte und Ex-Profispieler, spricht über die Sperre von Arnautovic und das Spiel gegen die Niederlande.

Johnny ErtlQuelle: Redaktion