PULS 24 / UEFA

Johnny Ertls EM-Tagebuch: Italien is nun offiziell "back in business"!

12. Juni 2021 · Lesedauer 3 min

PULS 24 Experte Johnny Ertl analysiert täglich während der EURO 2020 exklusiv aktuelle Themen rund um die Europameisterschaft. Dieses Mal spricht der Ex-Nationalspieler über die Chancen Italiens auf den Titel und den zweiten Tag der EM.

Die Squadra Azzura stellte beim Eröffnungsmatch der Europameisterschaft ihre Form eindrucksvoll unter Beweis. Die Eleganz und Geschwindigkeit den Ball in den eigenen Reihen zu halten, das konsequente Pressing und unter Druck setzen des Gegners, die taktische Grundordnung und Organisation sowie der ständige Positionswechsel in der Offensive. Alles da, um tatsächlich Europameister zu werden? Roberto Mancinis Team hat das Momentum auf jeden Fall auf seiner Seite: Italien ist nun schon seit 28 Spielen ungeschlagen, die letzte Niederlage datiert vom September 2018. Chapeau! Oder liebevoll "Shampoo", wie unser X-Faktor im Nationalteam Marko Arnautovic im selben Jahr die Leistungen eines Mitspielers huldigte.

Wagen wir einen Ausblick auf Tag zwei dieser Europameisterschaft:

Wo wird gespielt? In Baku, Kopenhagen und Sankt Petersburg. Den Start macht eine stark aufspielende Schweizer Mannschaft, die im letzten Vorbereitungsspiel vor der EM unseren gemeinsamen Nachbarn Liechtenstein gleich 7 Stück einschenkte. "No merci" lautet also das Motto von Vladimir Petkovic, der bereits in sein drittes Großturnier als Schweizer Nationalcoach in Angriff nimmt. Auf der Gegenseite wartet das walisische Aushängeschild und der Darling der Nation, Gareth Bale. Nicht immer unumstritten für Klub und Land, zeigte er in den letzten Monaten wieder ein Aufflackern seiner Brillanz. Ihn gilt es zusammen mit Aaron Ramsey aus dem Spiel zu nehmen. Dann sollten die Schweizer keine großen Probleme mit den Walisern haben.

Dänemark darf die Eröffnung in der Gruppe B machen und gleich vor eigenem Publikum gegen Finnland ans Werk gehen - eine Mannschaft, die überhaupt zum ersten Mal an einem internationalen Turnier teilnimmt. Die Finnen bestechen durch ihren Teamzusammenhalt und ihrer Gabe aus dem doch etwas bescheidenem Potential des Kaders das absolute Maximum herauszuholen. Ein großes Lob geht hier an Coach Markku Kanerva, der sich als ehemaliger Schullehrer einen Platz in den Fußballgeschichtsbüchern Finnlands sicherte. Für die Dänen sollte das Auftaktspiel gegen Finnland kein Stolperstein werden. Das Team verfügt über eine sehr solide und erfahrene Verteidigung, bringt sehr viel Qualität im Mittelfeld auf den Rasen und ist mit einem frei aufspielenden Pierre Emile Højbjerg als Nummer 10 ein heißer Kandidat aufs Viertelfinale. Lediglich die Offensive rund um Yussuf Poulsen muss sich an den Kragen nehmen und endlich mehr Tore erzielen.

Den Schlusspunkt setzen heute um 21 Uhr Belgien und Russland. Was ist das Besondere? 30.500 Fans sind heute bei diesem Spiel erlaubt und damit das drittgrößte Maximalkontingent aller Euro-Gastgeberstätten. Nicht umsonst setzen die Russen heute voll auf ihren Heimvorteil. Aber da sind ja noch die Belgier, der WM-Dritte von 2018, mit einer eindrucksvollen EM-Qualifikationsbilanz: 10 Siege aus 10 Spielen, 40 Tore erzielt und nur 3 bekommen. Viele Buchmacher sehen die goldene Generation Belgiens wieder im Halbfinale der Europameisterschaft. Jedoch ist das Team von Erfolgscoach Robert Martinez stark ersatzgeschwächt. Kevin de Bruyne, Axel Witsel und Kapitän Eden Hazard drohen vor dem so wichtigen ersten Spiel auszufallen. In der Tiefe kann Belgien diese Spieler nicht ersetzen, jedoch sollte das über fünf Jahre eingespielte und erfolgreiche 3-4-3 System den restlichen Spielern Sicherheit geben. Die Spielabläufe und Automatismen sollten sitzen.

Aber nicht zu sehr rein ins Taktische, lieber immer wieder auf die Uhr schauen, wann es dann wirklich 15 Uhr ist und der zweite Tag dieser Europameisterschaft angepfiffen wird. Meine Frau Selma habe ich schon vorbereitet, dass sich der Fernsehkonsum in den kommenden Wochen um ein Vielfaches steigern wird. Aber wann, wenn nicht jetzt…

Johnny

Johnny ErtlQuelle: Redaktion