PULS 24 / UEFA

Johnny Ertls EM-Tagebuch: Judgment Day für Arnautovic, Alaba & Co.

21. Juni 2021 · Lesedauer 3 min

PULS 24 Experte Johnny Ertl analysiert täglich während der EURO 2020 exklusiv aktuelle Themen rund um die Europameisterschaft. Dieses Mal spricht der Ex-Nationalspieler über das Entscheidungsmatch der Österreicher.

Judgment Day für unser österreichisches Team. Top oder Flop? War es schön, dass wir dabei waren und ein paar Meilen für unser Vielfliegerprogramm gesammelt haben oder schaffen wir den erstmaligen Aufstieg in einem Großturnier seit mehr als 65 Jahren? Um 18:00 Uhr wartet Andrij Schewtschenko Ukraine auf uns, dessen Bonus das derzeit bessere Torverhältnis um Platz zwei in der Gruppe C ist. Dort liebäugelt Fußball-Österreich mit dem direkten Aufstieg ins Achtelfinale. Auch die vier bestplatzierten Gruppendritten dürfen rauf in die nächste Runde, auf ein Unentschieden zu spielen wäre jedoch weder ratsam noch intelligent. Deshalb ließ Franco Foda gleich mal die Hosen runter und bestätigte schon einen Tag vor dem Match, dass Arnie in der Startelf stehen wird. Keine Überraschung für Fußballkenner, jedoch etwas Neues von unserem Teamchef, der sich nicht gerne vor Spielen in die Karten blicken lässt.

Ein Blick auf das Team von "Sheva", Ballon d’Or Gewinner von 2004 und mit mehr als 100 Länderspielen für die Ukraine viele Jahre international das Fußball-Aushängeschild der Blau-Gelben, zeigt uns eine junge, dynamische Mannschaft mit einem starken Stamm an durchschlagskräftigen Typen. Die Abwehr besteht aus Spielern, die in ihrem eigenen Land zu den Stützen von Dynamo Kiew und von Schachtar Donezk gehören. Der erst 18-jährige Innenverteidiger Illja Sabarnyj sollte noch eine große Karriere vor sich haben. Schnörkellos und ohne Kompromiss lautet das Motto der defensiven Reihe, weiß man um die Stärke des international bestückten Mittelfeldes und des Angriffes der Ukrainer Bescheid: Ruslan Malinowskyj spielt in herausragender Form bei Atalanta Bergamo, Oleksandr Sintschenko gewann mit Manchester City den Premier League Titel und Andrij Jarmolenko von West Ham United hat wie sein Sturmpartner Roman Jaremtschuk schon zwei Tore bei der Europameisterschaft auf dem Konto. Da wartet also auf Hinti & Co einiges an Selbstvertrauen und vor allem körperliche Präsenz.

Präsentieren müssen wir uns heute mit viel Elan, Handlungsschnelligkeit und Kontrolle. Das letzte Drittel vor dem Tor mutiert in letzter Zeit schon als Zone, in der wir nicht die nötige Qualität haben. Mit der unüberraschenden Startnominierung von Marko Arnautovic sollte Kreativität ins Leben der Offensive einfließen, kann er doch wie kein anderer im Team locker zwei Mann in jeder Offensivaktion binden. Viel hängt von seinen unmittelbaren Mitspielern ab, ob diese die freien Räume früh erkennen und bewusst anlaufen, um die ukrainische Hintermannschaft unter Druck zu setzen.

Für unsere Verteidigung wünsche ich mir ein fehlerfreies Spiel ohne Geschenke für den Gegner. Leichtfertig kassierte Elfmeter wie gegen die Niederlande oder unglückliche Ausputzer wie gegen Nordmazedonien müssen in einem geschichtsträchtigen Spiel wie diesem abgestellt werden. Voller Fokus auf 90 und ein paar mehr Minuten, in denen die Arbeit unseres Teamchefs auf dem Prüfstand steht.

All the best Franco und dem gesamten Team!

Johnny

Ertl zum Match gegen Ukraine: Arnautovic "unglaublich wichtig"

Johnny Ertl, Fußballexperte und Ex-Profispieler, spricht über das heutige Entscheidungsspiel gegen die Ukraine und Österreichs Aufstiegschancen.

Johnny ErtlQuelle: Redaktion