US-Elite in Bedrängnis
Epstein-Files: Worum geht es und was steht darin?
Gleich zu Beginn: Die Epstein-Akten, auch Epstein files, sind eine Sammlung von rund sechs Millionen Dokumenten, Bildern und Videos rund um die Ermittlungen, Gerichtsverfahren und Zivilklagen gegen den Multimillionär, Pädophilen und verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Veröffentlicht wurden über 3,5 Millionen Seiten davon, sie sind öffentlich zugänglich.
Darin geht es um die Vorwürfe von sexuellem Missbrauch und Menschenhandel, vor allem mit minderjährigen Mädchen, sowie Epsteins Kontakten zu einflussreichen Personen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.
Kurz gesagt: Die Epstein-Files sollen zeigen, was Epstein getan hat, wer davon wusste und wer möglicherweise verwickelt war.
Wer ist Jeffrey Epstein?
Jeffrey Epstein war ein US-Finanzmanager und Multimillionär. Wie Epstein zu seinem Vermögen kam, ist nicht vollständig geklärt. Was bekannt ist, ist dass er als Vermögensverwalter für wohlhabende Kund:innen tätig war und einflussreiche Netzwerke zu Spitzenpolitiker:innen, Unternehmer:innen, Prominenten und Wissenschaftler:innen pflegte.
Zu Epsteins Besitz gehört unter anderem die Privatinsel "Little Saint James" auf den Amerikanischen Jungferninseln. Die Insel wurde als Wohnsitz Jeffrey Epsteins und soll laut Aussagen von Opfern ein zentraler Ort für die sexuellen Übergriffe gewesen sein.
Was wird Epstein vorgeworfen bzw. ist schon bewiesen?
Jeffrey Epstein hat über viele Jahre hinweg systematisch minderjährige Mädchen sexuell missbraucht. Bereits in den 90er-Jahren gab es erste strafrechtliche Beschwerden gegen Epstein. 2008 wurde er als Sexualstraftäter verurteilt: Epstein bekannte sich vor Gericht schuldig, eine Minderjährige zur Prostitution angestiftet zu haben und erhielt dafür eine 18-monatige Haftstrafe.
2019 wurde Epstein erneut wegen schwerer Vorwürfe verhaftet und wegen sexuellen Missbrauchs und des organisierten Menschenhandels mit Minderjährigen angeklagt. Kurz darauf wurde er erhängt in seiner Gefängniszelle in New York aufgefunden. Sein ehemalige Freundin Ghislaine Maxwell sitzt derzeit eine 20-jährige Haftstrafe ab: Sie soll dabei geholfen haben, Mädchen und junge Frauen zu rekrutieren, die dann von Epstein und seinem Umfeld missbraucht wurden.
Da es bis zu Epsteins Tod kein öffentliches Hauptverfahren mit Beweisnahme gegen ihn gab, soll die Veröffentlichung der Akten die Aufklärung strafbarer Handlungen ermöglichen.
Video: Weiter Epstein-Files veröffentlicht
Wer steht in den Epstein-Files?
Ein weiterer Grund, warum die Epstein-Dokumente so viel Aufmerksamkeit erregen, sind die berühmten Namen, die sich darin finden.
Unter anderem kommen darin der ehemalige Prinz Andrew und seine Ex-Frau Sarah Ferguson, Bill Clinton, Elon Musk, Bill Gates und Hollywood-Größen wie Naomi Campbell, Kevin Spacey, Leonardo DiCaprio, Cameron Diaz und Bruce Willis vor. US-Präsident Donald Trump wird darin laut einer Auswertung der "New York Times" zumindest 5.300 Mal erwähnt.
Hier muss dazu gesagt werden: Die bloße Erwähnung einer Person in den Epstein-Files bedeutet keine automatische Beschuldigung oder strafrechtliche Verwicklung. Politisch und für die Reputation der genannten Personen ist die Nähe zu einem verurteilten Sexualstraftäter aber brisant.
Die Akten enthalten außerdem detaillierte Opferaussagen über ein Netzwerk, das minderjährige Mädchen an einflussreiche Männer vermittelt haben soll. Würden sich solche Verbindungen bestätigen, hätte das strafrechtliche und politische Konsequenzen. Die Files bringen die Macht-Eliten also in Bedrängnis, weil sie eine mögliche Mitwisserschaft oder Beteiligung andeuten könnten. Das ist in den allermeisten Fällen bisher jedoch nicht bewiesen, es gilt die Unschuldsvermutung.
Was wusste Trump? Was wird ihm vorgeworfen?
Trump taucht in in den Akten inkludierten Medienberichten auf in wird in zahlreichen E-Mails erwähnt. Enthalten sind auch interne Mails von FBI-Ermittlern zu Vorwürfen gegen den amtierenden US-Präsidenten. Von mehreren Personen wird die Anschuldigung erhoben, Trump sei an sexuellen Übergriffen und Vergewaltigungen an Minderjährigen beteiligt gewesen. Bisher wurden diese Anschuldigungen nicht bestätigt. Einige Anklägerinnen wurden von den Ermittlern als nicht glaubwürdig eingestuft.
Kürzlich warf eine Aussage Trumps erneut Fragen darüber auf, was er über Epsteins Handeln wusste und was nicht. Der US-Präsident soll sich den Akten zufolge vor Jahren bei der Polizei über Epstein beschwert haben. Er erklärte demnach, dass "man in New York wisse, dass Epstein widerlich sei". "Jeder wusste schon lange, dass er so etwas macht", wird Trump zitiert. In der Vergangenheit hatte er jedoch öfters bestritten, über die Taten Epsteins Bescheid gewusst zu haben.
Werden österreichische Politiker erwähnt?
Ja, aber nicht in einem strafrechtlich relevanten Kontext. Vielmehr scheint Epstein die österreichische Politik verfolgt zu haben. So wird zum Beispiel der österreichische Ex-Kanzler Sebastian Kurz in Chats zwischen Epstein und dem früheren US-Berater Steve Bannon erwähnt. Es geht dabei um ein Gespräch über ein mögliches Treffen zwischen Kurz und Bannon. Laut Kurz kam es weder zu einem Treffen mit Bannon, noch hat er jemals Kontakt zu Epstein gehabt.
- Mehr lesen: Bill Gates bereut Treffen mit Epstein
Bannon und Epstein tauschten sich 2019 außerdem über den Ibiza-Skandal aus. Bannon hatte zu der Zeit europaweit rechte Parteien unterstützt und hat Kurz offenbar noch kritisch betrachtet. Den Rücktritt von Heinz-Christian Strache nennt Bannon ein "großes Problem". Nachdem Epstein über eine Involvierung der Russen in dem Skandal mutmaßt, antwortet Bannon: "Der Kerl war solide - das wird Kurz nur noch stärker machen."
Konsequenzen?
Die Veröffentlichung bzw. der Inhalt der Epstein-Files hatte international bisher einige Folgen. In London reichten mehrere hochrangige Mitarbeiter des Premierministers Keir Starmer ihre Rücktritte ein. Grund für die jüngste Regierungskrise war Starmers Berufung des ehemaligen Ministers und EU-Kommissars Peter Mandelson zum britischen Botschafter in Washington, dessen Verbindung zu Epstein teils bekannt war. Auch der slowakische Nationale Sicherheitsberater Miroslav Lajčák trat zurück.
Der ehemalige Prinzen Andrew hat wegen seiner mutmaßlichen Verbindung in dem Missbrauchsskandal alle Ehren, militärische Ränge und Titel verloren. Auch ihm wird mehrfacher Missbrauch vorgeworfen. Zuletzt wurde Andrew der durch Geburt erworbene Titel "Prinz" aberkannt, er musste aus dem luxuriösen Anwesen Royal Lodge auf dem Gelände von Schloss Windsor ausziehen.
Opfervertreter:innen, Aktivist:innen und einige Politiker:innen kritisieren indes, dass die Dokumente nicht genug redaktionell bearbeitet wurden. Das US-Justizministerium habe es verabsäumt, die Namen von Opfern zu schwärzen, während die Namen von Tätern und Komplizen unkenntlich gemacht worden seien, kritisierte der demokratische Kongressabgeordnete Jamie Raskin. Die US-Justizministerin Pam Bondi räumte den Fehler ein.
Unterdessen wird gefordert, dass auch die restlichen rund 2,5 Millionen Unterlagen der Epstein-Files frei zugänglich gemacht werden.
Video: Epstein-Files: Promis in Erklärungsnot
Zusammenfassung
- Mehrere Millionen Seiten, die die US-Elite in Bedrängnis bringen: Die Epstein-Files.
- Und während der Skandal immer größere Ausmaße annimmt, fragt sich der ein oder andere: Worum geht es eigentlich?
- Was steht drinnen? Und was wird einigen berühmten Namen vorgeworfen?
- Eine Übersicht.
