APA/MARKUS ANGERER

Weiterhin Stromausfälle und Streckenunterbrechungen nach Unwetter

19. Aug. 2022 · Lesedauer 7 min

Nach dem großflächigen Ausfall des Zugverkehrs wegen des heftigen Unwetters gibt es weiter Streckenunterbrechungen in Teilen der Steiermark und Kärntens. In der Steiermark sind am Freitagnachtmittag noch rund 2.500 steirische Haushalte ohne Strom.

Die Behinderungen im Bahnnetz werden sich auf der Südbahn laut ÖBB bis Montag ziehen. In der Nacht wurden nach den heftigen Unwettern Aufräum- und Reparaturarbeiten durchgeführt, zahlreiche Streckensperren konnten bereits behoben werden. Doch zwischen Leoben und Friesach bzw. St. Michael bis Wald am Schoberpass fährt derzeit kein Zug, Fernzüge von Wien nach Italien werden über Salzburg umgeleitet, Fernzüge von Wien nach Villach bzw. von Graz bis Selzthal entfallen am Freitag.

Für Fahrgäste von Graz nach Selzthal steht der Nahverkehr zur Verfügung. Schienenersatzverkehr wurde zwischen Leoben und Friesach und zwischen St. Michael und Wald am Schoberpass eingerichtet. Ab voraussichtlich Betriebsbeginn am Samstag sind diese Strecken wieder eingleisig befahrbar (zweigleisig voraussichtlich ab Montag mit Betriebsbeginn). Auch im Güterverkehr kommt es derzeit zu Behinderungen und möglicherweise längeren Transportzeiten, so die ÖBB in einer Aussendung.

Entfall der Fernverkehrszüge 

Die Fernverkehrszüge von Wien nach Villach bzw. von Graz bis Selzthal entfallen am Freitag. Passagiere werden gebeten, Alternativverbindungen über Salzburg bzw. den Nahverkehr zu benutzen. Schienenersatzverkehr wurde zwischen Leoben und Friesach und zwischen St. Michael und Wald am Schoberpass eingerichtet. Auch im Güterverkehr kommt es derzeit zu Behinderungen und möglicherweise längeren Transportzeiten, so die ÖBB in einer Aussendung.

Hinweis: Alle aktuellen Störungen sowie Alternativrouten und Umleitungen finden Sie HIER. Die ÖBB bieten Informationen außerdem über ihre Telefon-Hotline unter 05 1717 an. 

Chaotische Zustände an den Bahnhöfen

An Bahnhöfen gab es chaotische Zustände, nachdem der Zugverkehr gestoppt wurde. "Alle Züge konnten in Stationen halten, keiner blieb auf offener Strecke", sagte Rieder. Es wurde versucht, die Passagiere mit Bussen weiter zu transportieren, teilweise mit stundenlangen Wartezeiten. Zahlreiche Fahrgäste mussten an Ort und Stelle übernachten. Sie bekommen die Übernachtung und Ausgaben ersetzt.

Bernhard Rieder, Sprecher der ÖBB, spricht mit PULS 24 Anchorman René Ach über die Auswirkungen des Unwetters auf den Zug- und Schienenverkehr.

Das sieht die EU-weit einheitliche Fahrgastrechte-Verordnung vor. Zudem bestätigte der Europäische Gerichtshof 2013 mit einem Urteil, dass Bahnreisende auch bei Verspätung aufgrund höherer Gewalt - wie etwa Schneefall oder Unwetter - Anspruch auf Fahrpreisentschädigung haben.

Schäden an der Infrastruktur 

Heftige Unwetter hatten am Donnerstagnachmittag die Stromversorgung und Bahninfrastruktur im Süden Österreichs schwer beschädigt. Die ÖBB stellten am Nachmittag den gesamten Bahnverkehr in Kärnten, Osttirol und der Steiermark ein. Ursache war ein großflächiger Ausfall der 110 kV-Bahnstromversorgung für den Bereich Kärnten und Steiermark ab 16.15 Uhr. Vielerorts kamen darüber hinaus Oberleitungen durch umstürzende Bäume zu Schaden.

Reparaturen laufen 

Nach dem Unwetter von Donnerstagnachmittag waren Freitagnachmittag noch rund 2.500 Haushalte ohne Strom, bei Einbruch der Nacht waren es noch 40.000 gewesen. "Da ging einiges weiter", sagte Urs Harnik-Lauris, Sprecher der Energie Steiermark, zur APA. Die Schwerpunkte der noch betroffenen Gebiete liege nun in der Weststeiermark und im Murtal. Gut 280 Trafostationen waren am Morgen noch außer Betrieb. Die weiteren Reparaturarbeiten am Freitag werden vom Regen erschwert.

Indessen dankte LH Christopher Drexler (ÖVP) am Rande einer Pressekonferenz in Graz den Einsatzkräften und hielt fest: "Es ist der größte Schaden am steirischen Stromnetz seit 15 Jahren." Harald Eitner, Leiter des Katastrophenschutzes des Landes Steiermark, berichtete von zwei Verletzten in Bruck an der Mur, die in einem Auto von einem Baum getroffen wurden.

In Kärnten waren vor allem in den Bezirken Wolfsberg, St. Veit, Feldkirchen und Völkermarkt für Verwüstungen gesorgt. Wie die Landesalarm- und Warnzentrale am Freitag mitteilte, waren 158 Feuerwehren mit 1.400 Feuerwehrleuten im Dienst, 590 Einsätze wurden bewältigt. Am Freitag waren noch 20 Feuerwehren mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Rund 5.000 Haushalten waren noch ohne Strom.

Bis zu 20.000 Haushalte in Unterkärnten waren am Donnerstag zeitweise ohne Strom. Diese Zahl wurde sukzessive gesenkt, sagte Robert Schmaranz von der Kärnten Netz GmbH am Freitag auf APA-Anfrage: "Aktueller Stand ist, dass noch 5.000 Haushalte, vor allem in den Bezirken St. Veit an der Glan und Wolfsberg, ohne Strom sind." 140 Monteure stehen im Großeinsatz, haben allerdings mit erschwerten Bedingungen zu kämpfen um überhaupt zu den Schadstellen zu kommen.

PULS 24 Anchorman René Ach spricht mit dem Sprecher von Energie Steiermark, Urs Harnik-Lauris, über die Unwetter in der Steiermark.

Straßen "freischneiden" 

"Gerade im Görtschitztal (Bezirk St. Veit, Anm.) gibt es schwere Schäden. Da sind Wege gesperrt und müssen erst geräumt werden, man muss sich förmlich den Weg freischneiden", so Schmaranz. Bis wann die Stromversorgung wieder flächendeckend hergestellt ist, könne man nicht sagen, die Situation ändere sich von Stunde zu Stunde.

Nach teils massiven Problemen auf den Kärntner Hauptverkehrsverbindungen am Donnerstag war die Lage am Freitag jedoch bereits um einiges besser: Lediglich die Knappenberger Straße (L90) zwischen Vierlinden und Knappenberg war nach einem Felssturz in beiden Richtungen gesperrt. Die Sperre bleibt voraussichtlich bis zur Beurteilung durch einen Geologen aufrecht.

Rettung von Wanderern

Wie die steirische Bergrettung noch in der Nacht auf Freitag mitteilte, wurden am Nachmittag wegen des plötzlich aufgezogenen Unwetters mehrere Wanderer von steirischen Bergen gerettet: Am Gipfel des Kreiskogels mit 2.306 Meter Seehöhe in den Seetaler Alpen wurden sieben Personen, darunter zwei Kinder, von dem Unwetter überrascht. "Ich habe nach der Alarmierung mit dem Notrufer telefoniert und ihnen gesagt, sie sollen das Gewitter in einem Bunker des Bundesheeres unmittelbar im Bereich des Gipfels abwarten", so Julian Wurm, Einsatzleiter der Bergrettung Judenburg. Die Bergrettung brachte anschließend die Wanderer in Begleitung des Bundesheeres zu einer Diensthütte. "Die sieben Personen waren stark durchnässt und leicht unterkühlt, aber wir haben unsere Diensthütte eingeheizt und zum Aufwärmen vorbereitet", schilderte Wurm. Von dort traten die Wanderer dann gegen 21.00 Uhr selbstständig die Heimreise an.

Drei Alpinisten sind auch in den Rottenmanner Tauern vom Sturm überrascht worden. Sie waren gegen 16.30 Uhr im Bereich des Dreisteckengrats in unwegsames Gelände geraten. Sie waren erschöpft, unterkühlt und eine Wanderin verletzt. Sie setzten daraufhin einen Notruf ab. Die Bergrettung Hohentauern und die Bergrettung Trieben übernahmen den Einsatz. Eine Rettung per Hubschrauber war wegen der Sturmböen unmöglich, daher stiegen 24 Bergretterinnen und Bergretter mit ihren Hunden sowie ein Alpinpolizist mehr als drei Stunden zu den drei Alpinisten zu Fuß auf. Die Wanderer wurden medizinisch versorgt und ins Tal gebracht. "Wir mussten die Personen mit Seil gesichert in sehr steilem, nassen und rutschigen Gelände bei widrigsten Wetterbedingungen ins Tal begleiten. Dazu kam dann noch die Dunkelheit, starker Wind, Nebel und Regen", schilderte Christoph Kandler, Einsatzleiter der Bergrettung Hohentauern.

Über tausend Einsätze 

Die Landesleitzentrale "Florian Steiermark" verzeichnete in den vergangenen 24 Stunden mehr als 1.000 Einsätze - Graz ausgenommen. Knapp 400 Feuerwehren waren im Unwettereinsatz. Die Hotspots waren die Bereiche Bruck an der Mur, Graz-Umgebung, Leoben, Voitsberg, Knittelfeld, Mürzzuschlag, Deutschlandsberg und Judenburg. In Bruck waren auch Freitagfrüh noch einige Straßenzüge gesperrt, das Freibad bleibe vorerst geschlossen, hieß es in einer Aussendung. Zahlreiche Bäume und Äste waren in die Becken gestürzt. Die durch den Sturm beschädigte Turmspitze am Brucker Schlossberg wurde mittels Hubschraubereinsatz bereits wieder gerade gerichtet. Die Bevölkerung wurde aufgerufen, die abgesperrten Bereiche nicht zu betreten, vor allem sollten sie die Parks umgehen.

Gutachten in Arbeit

Einen Tag nach dem schweren Unwetter in St. Andrä im Lavanttal, bei dem zwei Mädchen von umstürzenden Bäumen erschlagen worden sind, hat ein Sachverständiger die Arbeit aufgenommen. Das Gelände des Badesees wurde auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Klagenfurt gesperrt. Wie Tina Frimmel-Hesse, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Klagenfurt, der APA sagte, werden die Bäume untersucht. "Konkret wird untersucht, ob die Bäume sachgemäß geschnitten und betreut wurden. Die Untersuchungen drehen sich um die Frage, ob die Unwetterschäden verhindert werden hätten können", so Frimmel-Hesse. Bis das schriftliche Gutachten vorliegt, wird es wohl einige Wochen dauern. Laut Polizei werden am Freitag Zeugen und Opfer befragt.

Als Folge des heftigen Unwetters wurde Großalarm ausgelöst, insgesamt waren 250 Helferinnen und Helfer im Einsatz, teilte die Polizei in einer Aussendung mit: Rettungssanitäter aus mehreren Bezirken ebenso, wie fünf Feuerwehren, Wasserretter, das Kriseninterventionsteam, Polizeibeamte, Behördenmitarbeiter und drei Hubschrauber.

In Niederösterreich wurde nach dem Tod dreier Wanderinnen festgestellt, dass die Bäume, die auch dort ein Unwetter umgeworfen hatte, zumindest augenscheinlich keine Vorschäden hatten.

Quelle: Agenturen