APA - Austria Presse Agentur

Kinderarzt zur Impfung ab fünf Jahren: "Nutzen überwiegt"

25. Nov 2021 · Lesedauer 2 min

Der Grazer Immunologe und Kinderarzt Volker Strenger bescheinigt der Kinderimpfung gute Wirksamkeit, wenige Nebenwirkungen.

Am Donnerstag wird erwartet, dass die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA die Corona-Impfung für 5- bis 12-Jährige zulässt. In Wien wird bereits offlabel geimpft, tausende Eltern haben das Angebot bisher angenommen.

Volker Strenger, Immunologe und Kinderarzt an der MedUni Graz und Mitglied der Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde, erklärt im "Ö1 Morgenjournal", dass die Impfung für Kinder anders bewertet werden müsse als jene für Erwachsene. Todesfälle durch Corona seien bei Kleinen seltener. Bei einer Corona-Erkrankung sei es meist das eigene überschießende Immunsystem, das Probleme verursacht. Vereinzelt kämen junge Patienten jedoch ins Spital und auch auf Intensivstationen. 

Impfreaktionen sehr selten

Die Studie zur Kinderimpfung zeige, dass Impfreaktionen bei 5- bis 12-Jährigen seltener auftreten als zum Beispiel bei Jugendlichen. In den USA seien bereits 3,5 Millionen Kinder mindestens einmal geimpft. Dort würde sich zeigen, dass der Stich sogar noch besser vertragen wird, als in der Studie angegeben. Bei Jugendlichen trat in seltenen Fällen - bei 70 von einer Million Geimpften - eine leichte Herzmuskelentzündung auf. Das wurde bei Kindern noch nicht beobachtet. 

Kinderimpfung in Israel

In Israel gelten nur noch Menschen mit einer Booster-Impfung als voll immunisiert. Seit Dienstag werden auch Kinder ab fünf Jahren geimpft. Sie bekommen ein Drittel des Impfstoffs.

Kinder-Intensivstationen "gut gefüllt"

Bei den momentan hohen Infektionszahlen erwartet Strenger, dass auch bald Fälle von überschießenden Immunreaktionen bei Kindern und Long-Covid-Fälle in Österreich zunehmen. Wird die Kinderimpfung angenommen, rechnet er jedoch einige Wochen nach der Impfung damit, dass bei den Kleinen die Infektionszahlen zurückgehen werden. 

Zurzeit seien die Kinder-Intensivstationen "gut gefüllt". Allerdings nicht mit Covid-Fällen, sondern mit RSV-Erkrankten (respiratory syncytial virus). Dieses Virus löst Atemwegserkrankungen aus. Betroffen sind vor allem Kleinkinder.

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam