Unwetter in Österreich: Fünf Todesfälle, zahlreiche Verletzte

19. Aug. 2022 · Lesedauer 5 min

Das orkanartige Unwetter, welches am Donnerstagnachmittag über Österreich hinweggezogen ist, hat fünf Menschenleben gefordert. In St. Andrä im Lavanttal in Kärnten wurden auf einem Freizeitareal am See zwei Kinder von umstürzenden Bäumen erschlagen. Ein weiterer umgestürzter Baum führte in Gaming (NÖ) zu drei Todesfällen. Schwere Schäden entstanden an der Infrastruktur, die ÖBB stellten den Verkehr in Kärnten, Osttirol und der Steiermark ein.

Am St. Andräer See im Lavanttal (Bezirk Wolfsberg) sind am Donnerstagnachmittag durch umstürzende Bäume zwei Mädchen getötet worden. Die beiden Kinder im Alter von vier und acht Jahren stammen aus dem Bezirk Wolfsberg. 13 weitere Personen wurden verletzt, zwei davon schwer. Unter den Verletzten sind fünf Minderjährige, teilte Bezirkshauptmann Georg Fejan bei einem Pressegespräch am Donnerstagabend mit. Das Kriseninterventionsteam war im Einsatz.

Bäume "binnen Sekunden" umgestürzt

Das Unwetter, das im Lavanttal gewütet hatte, hatte sich am Abend bereits völlig verzogen, der Pressetermin fand sogar bei unbedecktem Himmel statt. Von dem, was wenige Stunden zuvor gegen 15.30 Uhr passiert war, zeugten aber noch abgerissene Blätter, geknickte Zweige - und umgestürzte Bäume. Vielleicht zehn Minuten hatte das Unwetter gedauert, "binnen Sekunden" seien die Bäume umgestürzt, so Fejan.

Tiefes Mitgefühl bei der St. Andräer Bürgermeisterin Maria Knauder

Keine Chance gegen Wind

Wie es von der Wasserrettung hieß, habe man ein solches Elementarereignis in der Gegend noch nie erlebt: Rettungsschwimmer, die Badegäste vor dem urplötzlich aufziehenden Sturm warnen wollten, wurden regelrecht umgeweht, 50 Zentimeter hohe Wellen wurden verzeichnet. Und Bäume stürzten auf die Badbesucher. "Wir waren von Sekunde eins eigentlich beschäftigt mit Reanimationen, mit Verletzenversorgung. Also kein guter Tag für den See", zeigt sich Christian Hafner von der Wasserrettung im Gespräch mit PULS 24 ziemlich betroffen.

Gegen den Wind anzukommen sei nicht möglich gewesen - "uns hat es die Leute buchstäblich wieder zurück ins Gebäude geblasen."

Christian Hafner von der St. Andräer Wasserrettung im Gespräch mit PULS 24 Chronik-Chefreporterin Magdalena Punz

Großeinsatz von Rettungskräften

Die Folgen waren fatal: Für zwei einheimische Mädchen kam jede Hilfe zu spät. Feuerwehr und Rettung standen im Großeinsatz, das Rote Kreuz löste Bezirksalarm aus und bekam auch aus den umliegenden Bezirken sowie aus Klagenfurt Unterstützung. 13 Verletzte wurden in die Krankenhäuser gebracht, unter ihnen waren zwei Schwerverletzte. Das Gelände wurde von der Staatsanwaltschaft gesperrt und soll von einem Sachverständigen untersucht werden.

Der Einsatzleiter des Roten Kreuzes, Florian Trebuch, schildert den Einsatzhergang.

45 Sanitäterinnen und Sanitäter waren ebenso im Einsatz, wie 71 Mitglieder der Wasserrettung, Polizei und fünf Feuerwehren, die zwei Personen befreiten, die unter Bäumen eingeklemmt waren. Eine prophylaktische Suchaktion im See - am Ufer war Kleidung gefunden worden, die zuerst niemandem zugeordnet werden konnte - wurde ohne Ergebnis beendet.

Wetterexperte zu Kärnten: "Eine der heftigsten Unwetterfronten der letzten Jahrzehnte"

Ermittlungen in Gaming 

In Gaming (Bezirk Scheibbs) sind am späten Donnerstagnachmittag während eines Unwetters drei Wanderinnen durch einen umgestürzten Baum getötet worden. Die Opfer waren nach Polizeiangaben 52, 57 und 58 Jahre alt. Sie stammten aus den Bezirken Melk in Niederösterreich und Kirchdorf in Oberösterreich. Zwei weitere Frauen blieben unverletzt.

Nach Angaben der Landespolizeidirektion Niederösterreich war die fünfköpfige Gruppe auf dem NÖ Landesrundwanderweg "Alpinweg" im Abstieg von der Herrenalm in Richtung Parkplatz Taglsbach in der Gemeinde Gaming gegen 17.00 Uhr von einem heftigen Unwetter samt Hagelschauer und extremen Windspitzen überrascht worden. In der Folge stürzten zahlreiche Buchen und Fichten um, einer der Bäume traf die beiden Niederösterreicherinnen und die 57-jährige Oberösterreicherin.

Die unverletzt gebliebenen Wanderinnen wollten der Polizei zufolge einen Notruf absetzen, was jedoch nicht möglich war, weil kein Mobiltelefonnetz vorhanden war. Die Frauen liefen deshalb zum Parkplatz Taglsbach, wo sie auf einen Unbeteiligten trafen und darum baten, einen Notruf abzusetzen. Das geschah um 17.45 Uhr.

Hubschrauber und Bergrettung im Einsatz 

Mit dem Roten Kreuz wurden auch die Bergrettung, "Christophorus 15", die Feuerwehr und die Polizei alarmiert. Der Notarzt des Hubschraubers konnte nur mehr den Tod der drei Frauen feststellen. Die Opfer wurden von der Bergrettung bis zu einer Forststraße gebracht.

Alpinpolizei ermittelt 

Die Alpinpolizei begann noch am Donnerstagabend mit Ersterhebungen. Dabei wurde festgestellt, dass die umgestürzten Bäume augenscheinlich keine Vorschäden aufgewiesen hatten und offensichtlich durch den Sturm umgestürzt waren. Aufgrund der anhaltenden Gefährdung wurden der "Alpinweg" und die Forststraße/Wanderweg von Seehof in Richtung Mittersee, Obersee, Herrenalm von der Bezirkshauptmannschaft Scheibbs behördlich bis kommenden Montag gesperrt.

Politik zeigt sich betroffen

Bundespräsident Alexander Van der Bellen brachte auf Twitter sein Mitgefühl zum Ausdruck: "Teile Kärntens und der Steiermark sind von schweren Unwettern getroffen und mehrere Menschen dabei schwer verletzt worden. Eine unermessliche Tragödie ist, dass bei den Unwettern zwei Kinder gestorben sind. Das macht mich zutiefst betroffen. Meine Gedanken sind bei ihren Familien", schrieb der Präsident. Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) sprach von einem fürchterlichen Schicksalsschlag für die Familien.

Betroffen war auch der Kärntner Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ). "Auch wenn es in diesen schweren Stunden keine Worte für diese Tragödie gibt, möchte ich den Angehörigen mein tief empfundenes Beileid ausdrücken. Vielen Dank an alle Einsatzkräfte, die in solch einer herausfordernden Situation immer zur Stelle sind", twitterte er am Abend.

Verkehrsprobleme

Nach dem großflächigen Ausfall des Zugverkehrs wegen des heftigen Unwetters gibt es weiter Streckenunterbrechungen in Teilen der Steiermark und Kärntens.

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Maximilian SperaQuelle: Agenturen / Redaktion / msp