Heftige Unwetter in Kärnten: Zwei Kinder gestorben

18. Aug. 2022 · Lesedauer 6 min

Am St. Andräer See kamen durch umstürzende Bäume zwei Kinder ums Leben, hieß es vom Roten Kreuz. Die Südautobahn (A2) in Richtung Italien ist blockiert. Außerdem wurde der Zugverkehr in Kärnten, der Steiermark und Osttirol eingestellt.

Gewitter mit heftigen Sturmböen sind am Donnerstagnachmittag über Kärnten gezogen. Besonders betroffen war der Bezirk Wolfsberg. Am St. Andräer See kamen durch umstürzende Bäume zwei Kinder ums Leben, bestätigte das Rote Kreuz.

Bei den beiden tote Kindern handelt es sich um ein vier und acht Jahre altes Kind aus dem Bezirk Wolfsberg, wie Georg Fejan, der Bezirkshautpmann von Wolfsberg in einer Pressekonferenz am Donnerstag Abend bekannt gab. "Binnen Sekunden ist es dazu gekommen, dass Bäume umgestürzt sind", so Fejan. Es handle sich um den schwersten Einsatz seit Jahrzehnten.

Insgesamt gibt es laut Fejan 11 verletzte Personen darunter fünf Kinder und zwei Schwerverletzte. Laut Angaben der Polizei waren mehrere Bäume am St. Andräer See umgestürzt. Rotes Kreuz und Feuerwehr standen im Großeinsatz, am frühen Abend war außerdem noch eine Suchaktion im Gange: Am See wurde Bekleidung gefunden, die niemandem zugeordnet werden konnte.

"Chaotische Zustände"

Das Rote Kreuz in Wolfsberg löste Bezirksalarm aus, Unterstützung kam auch aus den Bezirken Völkermarkt und aus Klagenfurt, das Rote Kreuz St. Veit an der Glan unterstützte am Abend im Regelrettungsdienst. Insgesamt waren zwei Notarzteinsatzfahrzeuge, neun Rettungstransportwagen, zwei Hubschrauber, das Kriseninterventionsteam mit zehn Personen sowie Polizei und Feuerwehr am St. Andräer See.

Das Unwetter hatte den gesamten Bezirk Wolfsberg getroffen: "Der Großraum Wolfsberg gleicht nach dem heftigen Sturm teilweise einem Schlachtfeld", teilte Wolfsbergs Bürgermeister Hannes Primus (SPÖ) auf Facebook mit.

Bundespräsident Alexander Van der Bellen zeigte sich via Twitter betroffen. "Dass bei den Unwettern zwei Kinder gestorben sind, ist eine unermessliche Tragödie", so der Bundespräsident. 

APA/GEORG BACHHIESL

Südautobahn blockiert

Auch auf den Verkehr hat das Unwetter Auswirkungen: Sturmböen warfen Bäume um, sie blockierten bei Griffen (Bezirk Völkermarkt) die Südautobahn (A2) in Richtung Italien. Der Verkehr wurde deshalb bei Wolfsberg Süd von der Autobahn abgeleitet und floss über die Packer Straße (B70). Wegen umgestürzter Bäume gesperrt war auch die Auf- und Abfahrt Bad St. Leonhard nördlich von Wolfsberg, teilten Polizei und Asfinag mit.

ÖBB stellen Fahrbetrieb ein

Auch die ÖBB stellten am Nachmittag den gesamten Bahnverkehr in Kärnten, Osttirol und der Steiermark ein. Ursache war ein großflächiger Ausfall der 110 kV-Bahnstromversorgung für den Bereich Kärnten und Steiermark, informierte die Bahn in einer Aussendung. Die Dauer der Unterbrechung war vorerst nicht absehbar.

Laut Bahn kommt es in der betroffenen Region zu einem Ausfall des gesamten Schienenverkehrs. Auf der Strecke befindliche Züge wurden in den nächsten Bahnhof geführt. Ersatzverkehr ist nur eingeschränkt möglich. Ein Notfahrplan ist seitens der ÖBB in Ausarbeitung.

Die Dauer der Sperre wird sich erst nach genauer Schadensbegutachtung im Laufe der nächsten Stunden prognostizieren lassen. Alle verfügbaren Mitarbeiter sind im Einsatz, versicherte die Bahn via Aussendung.

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Große Eigendynamik von solchen Unwettern

Die ZAMG berichtete von Windspitzen deutlich über 100 Stundenkilometern in den betroffenen Gebieten. Zur Warnung vor solchen Unwettern grundsätzlich verwies der Experte auf die große Eigendynamik der Wetterereignisse mit "enormen Beschleunigungen".

Dadurch und weil die bestehenden Prognosemodelle die Ausgangslage noch nicht exakt einschätzen könnten, könne es im Extremfall zu größeren Abweichungen kommen. Gewitterwarnungen hätten generell zwar für heute bestanden. "Die Gewitter sind aber ausgeschert", meinte der Meteorologe.

APA/ASFINAG

Stromausfall auf A2

Laut Asfinag kam es auf der Südautobahn zu einem Stromausfall, weshalb die Tunnelkette Pack auf der A2 in beiden Richtungen gesperrt wurde. Betroffen war auch die Pyhrnautobahn (A9) in der Steiermark - Klauser Tunnel und die Tunnelkette Lainberg mussten gesperrt werden, meldete der ÖAMTC.

Ein Baum stürzte bei der Mautstelle Gleinalm auf die Fahrbahn, die A9 war daher in Richtung Graz gesperrt. Der Verkehr wurde ab St. Michael über die Semmering Schnellstraße (S6) und die Brucker Schnellstraße (S35) umgeleitet. Auch zwischen Kalwang und Treglwang sorgen umgestürzte Bäume für eine Sperre in Richtung Norden/Voralpenkreuz.

Im obersteirischen Bezirk Liezen meldeten die Feuerwehren ebenfalls zahlreiche Einsätze wegen Unwetterschäden: Bäume waren auf Straßen gestürzt und hatten die Verkehrswege blockiert, hieß es seitens des Bereichsfeuerwehrkommandos Liezen. Betroffen waren unter anderen die Ennstal Bundesstraße (B320), die Schoberpassstraße (B113), die Gesäusestraße (B146) und die Pürggerstraße (L733).

Dach abgedeckt

Besonders heftig war das Unwetter im Gebiet zwischen Gröbming und Treglwang bzw. Admont, so die Feuerwehren. In Stainach sei ein Dach abgedeckt worden. Am Nachmittag standen vorerst rund 150 Männer und Frauen im Hilfseinsatz. Die Bereichswarnzentrale wurde aufgrund der hohen Anzahl an eingehenden Notrufen vorsorglich mit Disponenten nachbesetzt. Mit Stand 17.00 Uhr waren dann auch 21 Wehren des Bereiches Leoben im Unwettereinsatz.

Besonders heftig war das Unwetter im Gebiet zwischen Gröbming und Treglwang bzw. Admont, so die Feuerwehren. In Stainach sei ein Dach abgedeckt worden. Am Nachmittag standen vorerst rund 150 Männer und Frauen im Hilfseinsatz. Die Bereichswarnzentrale wurde aufgrund der hohen Anzahl an eingehenden Notrufen vorsorglich mit Disponenten nachbesetzt. Das Unwetter zog weiter Richtung Osten und kündigte sich in Graz zunächst mit Sturmböen an.

Stromausfall beim Motorrad-GP

Beim Auftakt zum Motorrad-GP von Österreich in Spielberg sorgten heftige Regenfälle für einen offenbar großräumigen Stromausfall. Betroffen davon war auch Serien-Weltmeister Marc Marquez, dessen Medientermin am Red Bull Ring in der Obersteiermark unterbrochen werden musste. "Sind wir eh noch sicher?", fragte der Spanier im ersten Stock angesichts des "wackelnden" Motorhomes an der Rennstrecke.

Tote auch in Italien

Schwere Unwetter haben am Donnerstag auch Italien heimgesucht und vor allem in der Toskana und in Ligurien erhebliche Schäden verursacht. Zwei Personen wurden in der Toskana von Bäumen erschlagen, die starker Wind zu Fall gebracht hatte. Die Opfer - ein Mann und eine Frau - starben nahe der Stadt Lucca und in einem Park in Carrara.

Weitere vier Personen, die sich auf einem Campingplatz in der toskanischen Badeortschaft Marina di Massa aufhielten, wurden ebenfalls durch umfallende Bäume verletzt.

Quelle: Agenturen / koa