Erster Stich für alle impfwilligen Österreicher bis Ende Juni

27. Apr 2021 · Lesedauer 4 min

Pfizer schickt mehr vorgezogene Corona-Impfdosen nach Österreich, AstraZeneca liefert seine versprochenen Dosen nach. Bis Mitte Juni könnte jeder impfwillige Österreicher seinen ersten Stich haben.

In Österreich werden diese Woche insgesamt 679.410 Dosen an Covid-Impfstoff erwartet, in etwa doppelt so viele wie in der Woche davor. Die Verimpfung in Österreich nimmt damit an Fahrt auf. Neben der ersten vorgezogenen Teillieferung von Biontech/Pfizer dürften vom AstraZeneca-Vakzin nach einer Lieferverzögerung in der Vorwoche nun mehr als 300.000 Einheiten eintreffen. Pfizer versprach bis Ende Juni wöchentlich 100.000 zusätzliche Impfstoffdosen, wie Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) am Montag nach einem Gespräch mit dem Pharmaunternehmen bekanntgab. 

Bis Ende Mai können so 50 Prozent, bis Ende Juni 75 Prozent der Österreicher geimpft werden und damit alle Impfwilligen. Mückstein wiederholte mehrmals, wie auch schon am Montag auf PULS 24, die Bitte, Impfen zu gehen. Dem stimmt in der PULS 24 Analyse auch Virologe Norbert Nowotny zu. 

Spätestens Mitte Mai soll ganz Österreich in die dritte Phase des Impfplans starten, in einigen Bundesländern ist das schon jetzt der Fall. 

Phase 2 sollte seit März laufen. Geimpft werden: 

  • 65- bis 79-Jährige 
  • Personal im Gesundheitsbereich mit moderatem oder geringem Ansteckungsrisiko inklusive 24-Stunden-Betreuern
  • Enge Kontaktpersonen von Schwangeren
  • Personal in Schulen, Kindergärten und Kinderbetreuungseinrichtungen
  • Ausgewählte Beschäftigte im Strafvollzug, der Polizei sowie des Bundesheers

Phase 3 soll spätestens Mitte Mai umgesetzt werden:

  • Gesamtbevölkerung unter 65 Jahren, priorisiert nach Alter und gesundheitlichen Risiken
  • Weitere Reihung aufgrund von Lebens- und Arbeitsverhältnissen. Das Nationale Impfgremium empfiehlt mit 60- bis 64-Jährigen zu beginnen und gleichzeitig Handelsangestellte, Mitarbeiter aus Gastronomie und Tourismus, körpernahe Dienstleister, Künstler, Spitzensportler und Schlüsselarbeitskräfte, die viel reisen müssen, zu impfen. 
  • Betriebliches Impfen

Supermärkte ab Mitte Mai: "derzeit noch nicht fix"

Mit Anfang Mai, also ab kommender Woche, kann auch in Betrieben geimpft werden. Supermarktketten planen, ihre Mitarbeiter ab Mitte bis Ende Mai zu impfen. "Wir hoffen, Mitte Mai starten zu können. Aber das ist derzeit noch nicht fix, weil es noch keine fixe Zusage und noch keine fixe Zuteilung des nötigen Impfstoffes gibt", hieß es von Spar auf APA-Anfrage. 

Polizei könnte bis Mitte Mai "durchgeimpft" sein

Voll angelaufen sind die Schutzimpfungen bei der Polizei. Bundesweit wird an 21 Impforten mit über 60 Impflinien geimpft. Der Impfkoordinator des Innenministeriums, Karl Hutter, rechnet damit, dass bis Mitte Mai alle Polizisten, die an einer Schutzimpfung interessiert sind, eine solche erhalten haben werden. "Grundsätzlich wollen wir allen 38.256 Bediensteten des Innenministeriums eine Impfung ermöglichen. Und zwar freiwillig und anonym", meinte Hutter. Impfzwang gebe es keinen, erste Zahlen aus den Bundesländern deuten aber darauf hin, dass es bei der Polizei eine hohe Impfbereitschaft gibt.

Vier Polizisten an Covid gestorben

Seit Beginn der Pandemie haben sich 4.400 Exekutivbedienstete mit SARS-CoV-2 infiziert. In etlichen Fällen blieb es nicht bei einer bloßen Infektion, eine Reihe von Polizisten erkrankte an Covid-19. Wie Hutter darlegte, sind vier Kollegen an bzw. mit der Krankheit gestorben: "Keiner von ihnen war älter als 60. Der Jüngste war Anfang 40." Aktuell gibt es bei der Polizei 159 aktiv positive Fälle, der Rekordwert lag laut Hutter bei 700.
 

Die genauen Gesamtliefermengen der für Österreich erwarteten Impfdosen für Mai und Juni sind aufgrund fehlender Wochenlieferpläne mancher Hersteller derzeit nicht verfügbar. Insgesamt geht das Gesundheitsministerium jedoch von Größenordnungen von rund 400.000 bis 500.000 Dosen pro Woche im Mai und etwa 700.000 bis 800.000 Einheiten im Juni aus.

Das Zurechtfinden im Verimpfungs-Dschungel wird Herr und Frau Österreicher jedoch schwer gemacht. Denn jedes Bundesland legt den nationalen Impfplan anders aus. In Wien bekommen die Risikogruppen bereits ihren "Stich", andernorts wird streng nach Alter absteigend gepikst.

2.076.888 Österreicher haben mit Stand Dienstag bereits die erste Impfung erhalten. Am 19. Mai, wenn Österreich die Corona-Restriktionen lockert und die Geschäfte aufsperren, sollen es drei Millionen sein. 

Jeder impfwillige Österrreicher sollte bis Ende Juni 1. Stich bekommen

Im Gespräch mit PULS 24 Anchor Werner Sejka analysiert Virologe Norbert Nowotny die Ergebnisse des Gesprächs zwischen Vertretern von Pfizer, Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne). Jeder Österreicher, der wolle, könne bis Ende Juni seinen "ersten Stich" haben. AstraZeneca bescheinigt Nowotny "schlechte PR", so schlecht wie sein Ruf sei der Impfstoff nicht. Auch der Öffnung Österreichs am 19. Mai steht Nowotny weiterhin sehr kritisch gegenüber: Das Verhältnis zwischen Geimpften und angekündigten Lockerungen sei "kein Gutes".

Quelle: Agenturen / Redaktion / lam