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NFL Draft 2022: Was wurde aus den letzten zehn No.1-Picks?

26. Apr. 2022 · Lesedauer 10 min

Joe Burrow, Baker Mayfield oder Jarred Goff: Das sind nur drei der letzten zehn No.1-Picks im NFL Draft. Neben sieben Quarterbacks wurden auch drei Defensivspieler gepickt. PULS 24 analysiert, wie die Karrieren der einstigen Supertalente in der Folge verlaufen sind.

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag geht in Las Vegas der 87. NFL-Draft über die Bühne. PULS 24 wird ab 1:55 Uhr dabei sein, wenn mutmaßlich österreichische Sportgeschichte geschrieben wird und mit Bernhard Raimann zum ersten Mal ein Österreicher im Auswahlverfahren von einem NFL-Team ausgewählt wird.

Im Draft werden jährlich die besten Talente aus dem College von den 32 NFL-Teams ausgewählt. Im heurigen Auswahlverfahren wird Aidan Hutchinson (Defensive End, Michigan Wolverins) von vielen als potenzieller No.1-Pick gehandelt. Doch wie erging es eigentlich den letzten zehn No.1-Picks in ihrer späteren Karriere in der besten Football-Liga der Welt? PULS 24 wirft einen Blick zurück und verrät, welche Spieler durchgestartet ist und welche die in sie gesetzten Erwartungen nie erfüllen konnten.

2021: Trevor Lawrence (Jacksonville Jaguars, Quarterback)

Der No.1-Pick aus dem Vorjahr hat eine schwierige Rookie-Saison hinter sich. Seine Jacksonville Jaguars, die mit viel Euphorie gestartet waren, beendeten die Spielzeit erneut mit dem schlechtesten Winning Record (3-14) aller 32 NFL-Teams, was den Jaguars auch heuer den ersten Draftpick einbringt.

Lawrence ließ sein Potential zwar phasenweise aufblitzen, offenbarte jedoch auch einige Schwächen. Mit 17 Interceptions warf der 22-Jährige in der Regular Season die meisten Pässe aller Starting Quarterbacks zum Gegner. Mit nur zwölf Touchdowns und einem Quarterback-Rating von 33,5 ist er auch in diesen Statistiken im hinteren Drittel anzutreffen. Einzig in Sachen Yards (3.641) war der Quarterback zumindest Mittelmaß. Hinzu kamen Unstimmigkeiten mit dem umstrittenen Coach Urban Meyer.

Es bleibt abzuwarten, welche Verstärkungen Lawrence zur Seite gestellt werden wird und wie gut es Neo-Coach Doug Pederson, der 2018 mit den Philadelphia Eagles die Super Bowl gewann, gelingt das Beste aus dem hochgehandelten Quarterback herauszuholen.

2020: Joe Burrow (Cincinnati Bengals, Quarterback) 

AFP

Ganz anders fällt die Zwischenbilanz beim No.1-Pick von 2020, Joe Burrow, aus. Der Quarterback der Cincinnati Bengals blickt jedoch – wie Lawrence – auf eine schwierige Rookie-Saison zurück. Am 11. Spieltag zog sich Burrow einen Kreuz- und Innenbandriss zu und fiel für den Rest der Spielzeit aus.

Infolgedessen startete der Quarterback mit schwankenden Leistungen in die Pre-Season 2021. Die erste Saisonhälfte war ein ständiges Auf und Ab. Was dann folgte, ist jedoch - bereits wenige Monate später - Geschichte. Die Bengals qualifizierten sich dank eines starken Saisonfinish für die Playoffs und setzten dort zu einem historischen Run an.

Gemeinsam mit seinem kongenialen Partner Ja´Marr Chase, den Burrow bereits aus College-Zeiten kennt, bahnte man sich über die Las Vegas Raiders und die Tennessee Titans den Weg ins Conference-Final. Nach einer legendären Aufholjagd gegen die Kansas City Chiefs zog man in die Super Bowl ein, wo Cincinnati gegen die Los Angels Rams nur hauchdünn am größten Erfolg der Franchise-Geschichte vorbeischrammte. Zuvor hatten die Bengals seit 1991 kein einziges Playoff-Spiel gewinnen können.

Nicht wenige Experten sagen den "jungen Wilden" aus Cincinnati eine rosige Zukunft voraus. Joe "Cool", wie der 25-Jährige während der Postseason 2021 getauft wurde, ist definitiv angekommen in der besten Football-Liga der Welt.

Joe Burrow: Vom Jugendspieler zum NFL-Quarterback

2019: Kyler Murray (Arizona Cardinals, Quarterback)

Die fünf unwahrscheinlichsten Touchdowns von Kyler Murray

Ähnliche Erfolge wie jene von Burrow erhofften sich 2019 auch die Fans der Arizona Cardinals, als man Kyler Murray als No.1-Pick präsentierte. Der ganz große Durchbruch blieb dem athletischen Quarterback jedoch bisher verwehrt.

Murray absolvierte nur ein Jahr als Starting Quarterback auf dem College. Mit einer Körpergröße von 1,78m ist er der kleinste Quarterback, der jemals in der Super-Bowl-Ära als Nummer eins im Draft ausgewählt wurde. Zunächst strebte der gebürtige Texaner eine Baseball-Karriere an und wurde im MLB Draft 2018 von den Oakland Athletics an neunter Stelle gepickt, ehe er sich für eine Football-Karriere entschied.

Murray wurde auf Anhieb Starting Quarterback. Seine Cardinals verpassten jedoch in den ersten beiden Saisonen den Einzug in die Playoffs. 2021 schien zunächst alles anders zu werden. Nach sechs Siegen zu Saisonbeginn wurde Arizona bereits als Super Bowl Contender gesehen. Der Hype war groß. Nach der Verletzung von Star-Receiver DeAndre Hopkins gerieten die "Cards" jedoch gehörig ins Straucheln, dennoch reichte es für den Playoff-Einzug.

In seinem ersten Postseason-Spiel zeigte Murray seine wohl schwächste Leistung in der NFL. Dem 24-Jährigen unterliefen zwei Interceptions, darunter ein "Pick Six" bei der krachenden 34:11-Pleite gegen die Los Angeles Rams. Dennoch reichte es für Murray nach 2020 zu seiner zweiten Pro Bowl Nominierung.

2018: Baker Mayfield (Cleveland Browns, Quarterback)

Als Teamkollege von Kyler Murray brillierte 2017 an der University of Oklahoma Baker Mayfield. Der Quarterback wurde in jenem Jahr mit der "Heisman Trophy" für den besten Spieler im College Football ausgezeichnet und 2018 an erster Stelle von den Cleveland Browns im NFL Draft ausgewählt. Diese Wahl kam für viele Experten überraschend, hätte man doch mit Sam Darnold (Carolina Panthers) als No.1-Pick gerechnet.

Nach vier Jahren steht für Mayfield eine durchwachsene Bilanz zu Buche: Nur einmal (2020) führte er die Browns in die Playoffs, wo man in der Divisional Round an den Kansas City Chiefs scheiterte. Nach einer ordentlichen Rookie-Saison geriet Mayfield, der mit einer Körpergröße von 1,85m ebenfalls zu den kleinsten Quarterbacks der Liga zählt, vor allem für seine Leistungen in seinem zweiten NFL-Jahr in die Kritik. 2019 wies er mit die schlechtesten QB-Werte der Liga auf.

Nachdem 2020 der erste Playoff-Einzug seit 18 Jahren gelang, verpasste man im Vorjahr erneut die Postseason. Nach der Verpflichtung von Deshaun Watson steht der mittlerweile 27-jährige Mayfield in Cleveland vor dem Aus. Die Zukunft des einstigen No.1-Picks steht in den Sternen.

2017: Myles Garrett (Cleveland Browns, Defensive End)

Fünf Jahre ist es her, dass letztmals kein Quarterback als No.1 im Draft gepickt wurde. Myles Garrett, der auf der Position des Defensive End spielt, bewies in dieser Zeit jedoch, warum die Cleveland Browns damals im Jahr 2017 die richtige Entscheidung getroffen haben.

Der 1,90m große und knapp 120 Kilo schwere Garrett zählte in den letzten Jahren auf seiner Position konstant zu den Besten und ist das Aushängeschild der Browns-Defensive. Drei Pro Bowl Nominierungen (2018, 2020, 2021) stehen für den 25-Jährigen bereits zu Buche.

Überschattet wird Garretts Karriere nur von einem der größten Skandale der jüngeren NFL-Vergangenheit. 2019 riss er in einem Spiel gegen die Pittsburgh Steelers Mason Rudolph den Helm vom Kopf und schlug mit jenem auf den Steelers-Quarterback ein. Diese Aktion brachte Garrett, der später Reue zeigte, eine Sechs-Spiele-Sperre ein.

2016: Jared Goff (Los Angeles Rams, Quarterback)

Jared Goff und die Los Angeles Rams – es sollte eine Liebesgeschichte ohne Happy End bleiben. 2016 machten die Kalifornier den Quarterback der University of California, Berkeley zum No.1-Pick im Draft. Nachdem er sich zunächst hinter Chase Keenum anstellen musste, zeigte Goff 2017 und 2018 starke Leistungen, die ihm jeweils eine Pro Bowl Nominierung einbrachten.

Die Playoffs 2018 sollten jedoch zum Knackpunkt werden. Zwar gelang den Rams der Einzug in die Super Bowl, allerdings eher trotz und nicht wegen der Leistungen ihres Quarterbacks. Im größten Spiel seiner Karriere zeigte Goff ebenfalls eine schwache Darbietung und war mitverantwortlich für die 3:13-Niederlage gegen die New England Patriots in der punkteärmsten Super Bowl aller Zeiten. Es folgten noch zwei Saisonen, ehe Goff 2021 im Tausch mit Matthew Stafford zu den Detroit Lions getradet wurde. Während die Lions mit einem Winning Record von 3-13-1 die Saison als schlechtestes NFC-Team beendeten, musste der einstige Hoffnungsträger der Rams mitansehen, wie sein Ex-Team in der ersten Saison unter Stafford die Super Bowl gewinnt.

2015: Jameis Winston (Tampa Bay Buccaneers, Quarterback)

Als großes Missverständnis muss man den No.1-Pick der Tampa Bay Buccaneers im NFL Draft 2015 rückblickend bezeichnen. Jameis Winston, der am College zahlreiche Auszeichnugen erhielt, gelang es nie wirklich dem Spiel der Bucs seinen Stempel aufzudrücken.

Nach zwei ordentlichen Debüt-Saisonen wurde er 2018 kurzzeitig durch Ryan Fitzpatrick ersetzt. In seinen fünf Jahren bei den Bucs steht keine einzige Playoff-Teilnahme zu Buche. Nach seinem Wechsel zu den New Orleans Saints war Winston zunächst nur noch Ersatzquarterback. Die Saison 2021 begann er als Starter und zeigte gute Leistungen, ehe ihn in Woche acht ein Kreuzbandriss außer Gefecht setzte. Trotz der Verpflichtung von Andy Dalton wird Winston wohl auch kommende Saison der Franchise-Quarterback der Saints sein.

Winstons Karriere wurde zudem von Vergewaltigungsvorwürfen und zwei Fällen von Ladendiebstahl, wegen denen sich der Footballer vor Gericht verantworten musste, überschattet.

2014: Jadeveon Clowney (Houston Texans, Defensive End)

Jadeveon Clowney ist der zweite Spieler der letzten zehn Jahre, der als No.1-Pick im NFL Draft ausgewählt wurde und nicht auf der Position des Quarterbacks agiert. Im Gegensatz zu Myles Garrett ist er jedoch nicht zu den absoluten Defense-Topstars der Liga zu zählen, was auch an zahlreichen Verletzungen liegt, die er sich im Laufe seiner Karriere zuzog.

Gleich in seinem ersten NFL-Spiel für die Houston Texans verletzte sich Clowney am Knie. Nach einer verseuchten Rookie-Saison mit nur vier Einsätzen gelang Clowney in der Folge der Durchbruch in der NFL. Von 2015 bis 2018 zählte er zum Stammpersonal der Houston Texans und wurde dreimal in die Pro Bowl gewählt (2016-2018).

Nachdem Vertragsverhandlungen mit den Texans scheiterten, ging es für Clowney über die Seattle Seahawks und die Tennessee Titans schließlich zu den Cleveland Browns. Für die Browns absolvierte der Outside Linebacker vergangene Saison 14 Spiele und brachte es dabei auf neun Sacks.

2013: Eric Fisher (Kansas City Chiefs, Offensive Tackle)

Dritter Nicht-Quarterback, der zum No.1-Pick avancierte, dritter Defensivspieler. Eric Fisher wurde 2013 im Draft an erster Stelle von den Kansas City Chiefs gepickt.

Der mittlerweile 31 Jahre alte Tackle war sieben Jahre lang Teil der höchst erfolgreichen Chiefs-Dynastie unter Andy Reid. Fisher absolvierte 113 Spiele für Kansas als Starter und feierte mit der Mannschaft den Gewinn von Super Bowl LIV. 2020 folgte der Wechsel zu den Indianapolis Colts, für die Fisher in 15 Spielen auf dem Rasen stand. 

2012: Andrew Luck (Indianapolis Colts, Quarterback)

Andrew Luck ist der einzige No.1-Draftpick der vergangenen zehn Jahre der seine Profi-Karriere bereits beendet hat. Nachdem die Indianapolis Colts den Quarterback 2012 an erste Stelle als Ersatz für Peyton Manning auswählten, waren die Erwartungen hoch.

Für Luck war das allerdings kein Problem, wie es zu Beginn schien. In seiner Rookie-Saison führte er die Colts auf Anhieb in die Playoffs und stellte einen neuen Passing Yard-Rekord für Rookies auf. Die zweite Spielzeit verlief ebenfalls erfolgreich, weshalb Luck zum zweiten Mal in Folge in die Pro Bowl gewählt wurde.

Danach warfen den Sohn des ehemligen Houston Oilers-Quarterback, Oliver Luck, jedoch immer wieder Verletzungen zurück. Aufgrund eines Abdominaltraumas verpasste er fast die Hälfte der Saison 2015, 2017 musste er wegen einer Verletzung seiner rechten Wurfschulter gar das ganze Jahr passen. 2018 gelang dem einstigen Supertalent zwar noch ein Mega-Comeback (er führte die Colts, trotz sechs Niederlagen zu Saisonbeginn, noch in die Playoffs), doch 2019 beendete er seine Karriere schweren Herzens. Seit seinem Rücktritt vom Profi-Sport zeigt sich Luck nur selten in der Öffentlichkeit und widmet sich seinem Leben als Familienvater.

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Maximilian PatakQuelle: Redaktion