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Left Tackle: Was ist auf der Position von Bernhard Raimann gefordert?

22. Apr. 2022 · Lesedauer 3 min

Der Left Tackle, also der linke Tackle, ist eine der wichtigsten und bestbezahlten Positionen im American Football. Für all jene, die sich nicht oder nur oberflächlich mit dem Sport auskennen, ist es aber zugleich auch eine Rolle, deren Funktion und Anforderungen nicht gleich zu durchschauen sind.

Die wichtigste Aufgabe des Left Tackles ist es, den eigenen Quarterback vor den heranstürmenden Verteidigern zu schützen. Er ist eine Art Lebensversicherung für Tom Brady und Co.

Der Left Tackle ist Teil der sogenannten Offensive Line, kurz O-Line. Diese Angriffslinie besteht aus fünf Spielern, die an vorderster Front agieren und sich aus zwei Tackles, zwei Guards und dem Center zusammensetzt. Der Center übergibt den Football auf Kommando an den Quarterback und startet somit einen Spielzug. In der Folge sind alle fünf O-Liner damit beschäftigt, dem Quarterback die attackierenden Verteidiger durch Blocken vom Hals zu halten, damit dieser genügend Zeit zum Werfen hat.

Der linke Tackle ist jene Person, die in der O-Line am weitesten links steht. Das ist die Seite, auf der ein Quarterback, so er Rechtshänder ist, am verwundbarsten ist. Warum? Will ein Rechtshänder-Quarterback werfen, steht er mit dem linken Fuß und der linken Schulter nach vorn und hat einen ausgezeichneten Überblick über die rechte Seite und das Feld vor ihm. Er sieht aber nicht, ob ihn ein Verteidiger von der linken Seite angreift, da er ihr den Rücken zuwendet. Daher spricht man von der "blind side". 

Gardemaß: Zwei Meter, 130 Kilo 

Genau diese blinde Seite soll der Left Tackle verteidigen, damit der Quarterback nicht plötzlich über den Haufen gerannt wird. Denn die Verletzungsgefahr bei Niederschlägen, die man nicht kommen sieht, ist groß. Nur die größten und stärksten Athleten kommen auf dieser Position zum Einsatz. Das Gardemaß für die Position sind 2 Meter Körpergröße bei zumindest 130 Kilo Gewicht - diese Voraussetzungen erfüllt Bernhard Raimann, der dafür in den vergangenen zwei Jahren viel Gewicht zulegen musste.

Ein linker Tackle soll aber nicht nur groß und schwer sein, er braucht auch lange Arme und große Hände für eine bessere Reichweite, um gegenüber den Verteidigern im Vorteil zu sein. Außerdem benötigt er Schnellkraft, flinke Füße und eine gute Blocktechnik, um rasch und effektiv auf die Defensivattacken reagieren zu können. "Kraft und Schnelligkeit ist natürlich die Basis", betont Raimann. Wichtig sei aber auch Reaktionstraining, Koordinationstraining und Balancetraining, "um die ganzen Verletzungen zu verhindern".

Versagt der Tackle und verliert das Duell gegen die Defensivspezialisten, dann wird der Quarterback sehr schnell "gesackt", also zu Boden gerissen. Das bedeutet den Verlust von Raum, Zeit, Angriffsversuch und der guten Laune des Quarterbacks.

Wichtige Funktion auch im Laufspiel 

Allerdings kommt den Tackles nicht nur im Pass-, sondern auch im Laufspiel eine wichtige Funktion zu. Sie sollen durch gezielte Blocks Löcher in der Verteidigung aufmachen, durch welche die schnellen Runningbacks schlüpfen und ordentlich Raumgewinn erzielen können.

Weil diese Kombination an Aufgaben aus Quarterback-Beschützer und Beitrag zum effektiven Pass- wie Laufspiel sehr hoch in der National Football League (NFL) bewertet wird, bekommen die Left Tackles sehr viel Geld. Die lukrativsten Verträge besitzen Trent Williams von den San Francisco 49ers und David Bakhtiari von den Green Bay Packers, die beide durchschnittlich 23 Mio. Dollar im Jahr einstreichen. Raimanns Vorbild als Tackle ist übrigens der ehemalige deutsche NFL-Profi Sebastian Vollmer, der als Schutzschild von Brady bei den New England Patriots zwei Super-Bowl-Ringe gewann.

Quelle: Agenturen / mpa