APA/ROLAND SCHLAGER

Österreichs Gewässer leiden unter der Trockenheit

17. Aug. 2022 · Lesedauer 11 min

Erste Probleme in der Schifffahrt in Salzburg. Im Seewinkel im Burgenland droht die letzte Lacke zu verlanden. In Vorarlberg schrammt die erste Gemeinde nur knapp an einem Wassernotstand vorbei. Quer durchs Land kämpft man momentan mit den folgen der extremen Trockenheit. Ein Überblick über die aktuelle Lage in den Bundesländern:

Burgenland

Die anhaltende Trockenheit setzt den Neusiedler See und den Seewinkel weiter unter Druck. In den nächsten Tagen droht die letzte noch wasserführende Lacke - die Darscho-Lacke bei Apetlon - komplett auszutrocknen, erklärte Christian Sailer, Leiter des Hauptreferats Wasserwirtschaft beim Land Burgenland, am Dienstag gegenüber der APA.

Der Neusiedler See hatte am Dienstag einen Pegel von 114,94 Meter über Adria. Das bedeutet weiterhin einen historischen Tiefststand, denn auch die geringen Niederschläge am Montag brachten keine Entspannung der Situation. Im Gegenteil, die für die kommenden Tage prognostizierte Hitze dürfte der Tierwelt im See weiter zusetzen. Vor allem die temperaturempfindlichen Fische Zander und Sichling könnten wieder darunter leiden, so Sailer.

Um die Tiere noch zu retten, wurde die künstlich dotierte Darscho-Lacke bereits abgefischt, erklärte er. Die letzte noch wasserführende Lacke war vor allem für die Vogelwelt wichtig. Schon verlandet ist der Zicksee, tonnenweise wurden Mitte Juli noch Fische rausgeholt, etliche waren aber bereits gestorben.

Den Neusiedler See will das Burgenland in den nächsten Jahren mit Wasser aus der ungarischen Moson-Donau füllen - trotz der Kritik von Naturschützern. Für September wurde dazu ein Runder Tisch angekündigt. Vergangene Woche wurde eine positive Bilanz über das Absaugen von Schlamm in der Ruster Bucht gezogen, damit wurde die Fahrrinne wieder freigelegt. Touristiker und Bürgermeister der Seegemeinden betonen, dass Wassersport am Neusiedler See weiterhin möglich ist.

Steiermark

Die anhaltende Trockenheit und die vielen Hitzetage haben sich 2022 noch nicht extrem auf steirische Gewässer ausgewirkt. Flüsse und Bäche führen zwar wenig Wasser, die Pegelstände sind niedrig, aber ähnliche Werte habe man auch schon 2012, 2013 oder auch 1993 gehabt, sagte Barbara Stromberger vom Hydrographie-Referat des Landes Steiermark zur APA. Die steirischen Seen, viele davon tiefe Gebirgsseen, seien kaum betroffen. Beim Grundwasser nähere man sich aber den Tiefständen.

Laut dem aktuellen Zustandsbericht Hydrographie Steiermark vom Dienstag sind die Pegelstände sowohl im Mur-, Raab- als auch im Ennsgebiet unterhalb des mittleren jährlichen Durchflusses. "Aber das haben wir alles schon einmal gehabt und halte ich nicht für extrem", so Stromberger. So schlimm wie etwa in Teilen Niederösterreichs sei es jedenfalls in der Steiermark nicht.

Rückläufiges Grundwasser 

Ungewöhnlich sei aber laut Stromberger, dass die Grundwasserstände etwa im Grazer Becken seit dem August des Vorjahres durchgehend rückläufig sind. "Es gab keine nennenswerte Grundwasserneubildung", ist aus dem Zustandsbericht zu entnehmen. "Die Grundwasserspiegellagen sind derzeit in allen Landesteilen sehr niedrig. Sie liegen deutlich unter den langjährigen Mittelwerten und sind nur mehr wenige Zentimeter von den absolut niedrigsten Grundwasserständen seit Beobachtungsbeginn entfernt. Bei anhaltend fehlender Grundwasserneubildung aus Niederschlägen kann damit gerechnet werden, dass Anfang oder Mitte September die absolut niedrigsten Grundwasserstände erreicht werden."

Im Grazer Becken sei man etwa nur mehr zehn Zentimeter vom Grundwasser-Tiefstand entfernt, so Stromberger. Dieser könnte in drei bis vier Wochen erreicht sein. Auch bei den beobachteten Quellen seien die Schüttungen stark zurückgegangen. Teilweise führen die Quellen weniger als ein Viertel ihres üblichen Abflusses.

Niederösterreich

Die Donau in Niederösterreich führt nach Angaben aus der Abteilung Wasserwirtschaft beim Amt der NÖ Landesregierung aktuell "deutlich weniger Wasser" als vor einem Jahr. Nach Mittelwasser im Sommer 2021 liege man jetzt unterhalb von Regulierungsniederwasser, sagte der stellvertretende Abteilungsleiter Günther Konheisner zur APA. Das gelte für die Messstation in Kienstock in der Wachau ebenso wie für jene in Wildungsmauer im Bezirk Bruck a.d. Leitha.

Flüsse im Bundesland wie Ybbs, Kamp oder Schmida wiederum lägen nach Mittelwasser vor einem Jahr nun ein wenig darunter, so Konheisner. Sie würden demnach "ein sehr ähnliches Bild" abgeben.

Der Lunzer See sei um etwa zehn Zentimeter niedriger als im Sommer 2021. Nach fünf Zentimeter über seien es nun fünf Zentimeter unter Mittelwasser.

Oberösterreich

In Oberösterreich hat sich die lange Trockenperiode in den Wasserständen von Flüssen und Seen bemerkbar gemacht. Im Mattiggebiet im westlichen Innviertel gebe es Austrocknungen, Wolfgangsee, Attersee und Mondsee gingen zurück. Die Lage sei noch nicht dramatisch, müsse aber genau beobachtet werden, sagte der Leiter des Sachgebiets Oberflächenwasser des hydrografischen Dienstes des Landes, Reinhard Enzenebner, der APA am Dienstag.

Bei der Mattig und ihren Zubringerbächen gebe es Austrocknungen "aufgrund des ausbleibenden Niederschlags und des sickerfähigen Bodens", erklärte Enzenebner. Auch in Oberläufen da und dort könne es zu Austrocknungen kommen, vor allem im karstigen Gebiet des südlichen Berglands. Generell lägen die Stände zwischen Mittel- und Niedrigwasser, mit Tendenz Richtung Niedrigwasser. Die Wasserstände von Inn und Salzach seien normal.

Oberösterreichs Seen seien bis vorige Woche noch in einem guten Zustand gewesen, nun schlage sich die lange Trockenheit mit mehr Rückgängen in Attersee, Wolfgangsee und Mondsee nieder, vor allem der Wolfgangsee gehe in Richtung Niedrigwasser, so der Experte. Traunsee und Hallstättersee profitieren von der Schnee- und Gletscherschmelze, sie leiten das Gletscherwasser weiter.

Salzburg

Die geringen Niederschläge machen sich auch in Salzburg bemerkbar. Die Situation an den Flüssen und Seen sei zwar noch nicht dramatisch, doch auch im Bundesland würden die Pegelstände sinken, hieß es am Dienstag vom Hydrografischen Dienst des Landes. Bemerkbar ist dabei ein Nord-Süd-Gefälle. Der Flachgau mit seinen großen Seen ist stärker betroffen als die Gebirgsregion. Am Wolfgangsee etwa klagen Bootsbesitzer und Betreiber von Fährschiffen über erste Probleme.

"Auch die Pegel aller Flüsse im Flachgau liegen zum Teil deutlich unter dem langjährigen Mittel. Aber das ist nicht außergewöhnlich", sagte Hans Wiesenegger vom Hydrografischen Dienst zur APA. Wie sich die Lage weiter entwickelt, könne er nur schwer sagen. Er gehe aber davon aus, dass sich die Situation nicht schlagartig verbessen werde. Von extremen Werten sei man im Bundesland allerdings noch entfernt.

Als einer der Referenz-Flüsse gilt die Lammer, ein gut 41 Kilometer langer Nebenfluss der Salzach. "Das ist ein natürlicher Fluss ohne Kraftwerke. Sie führt derzeit rund sieben Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Das ist unter dem langjährigen mittleren Niedrigwasser von 10 Kubikmetern pro Sekunde, aber noch deutlich mehr als bei in der Vergangenheit verzeichneten Tiefständen mit 3,5 Kubikmeter pro Sekunde." Im Gebirge im Süden des Landes würden die abendlichen Gewitter immer wieder zu einer Verbesserung der Lage beitragen. Das zeige sich auch an den größeren Flüssen Enns, Saalach und Salzach.

Allerdings klagen am Wolfgangsee Bootsverleiher und Betreiber von kleineren Fährschiffen Medienberichten zufolge bereits über das Niedrigwasser. In flachen Bereichen fehle beim Manövrieren nicht nur das Wasser unter dem Rumpf, auch der Niveauunterschied zwischen Steg und Boot betrage beim Einsteigen mittlerweile 50 Zentimeter und sei schwierig zu überwinden. 

PULS 24

Ohne Beschränkungen läuft auch die Salzach-Schifffahrt in der Stadt Salzburg. "Die Gewitter im Gebirge sorgen immer wieder für ausreichend Nachschub", sagte Erich Berer, der das Ausflugsschiff Amadeus und einen Amphibienbus betreibt. "Wir haben bis dato alle Touren wie geplant durchgeführt. Probleme bereitet uns sonst eher das Hochwasser." Zumal habe sein Schiff lediglich einen Tiefgang von 40 bis 45 Zentimeter. Beim Bus seien es mit 80 Zentimetern zwar doppelt so viel, das Schwimmfahrzeug bewege sich aber im Rückstau des Kraftwerks Lehen.

Eine Rolle spielt der Wasserstand auch für die Kraftwerksbetreiber. Die Salzburg AG verzeichnet an den Laufkraftwerken an der Salzach für Juli und August einen Rückgang von zwölf Prozent an Stromerzeugung. Wie eine Sprecherin des Unternehmens zur APA sagte, könne man dies durch Pumpspeicherkraftwerke aber gut kompensieren. Ist der Strom billig, wird Wasser vom Tal in die Speicher gepumpt, um es bei Spitzen - wenn Strom gebraucht wird - abfahren zu können. Weil im heurigen Winter zudem wenig Schnee in der Bergen lag und die Zeit der Schneeschmelze kurz war, sei die Stromproduktion seit Jahresbeginn um 7,5 Prozent zurückgegangen.

Tirol

In Tirol führen die meisten Gewässer im heurigen Sommer weniger Wasser als gewöhnlich. Dies ist laut Klaus Niedertscheider, Leiter des Sachgebietes Hydrografie und Hydrologie beim Land Tirol, auf geringere Niederschläge zurückzuführen. Die Lage sei aber "nicht dramatisch", versicherte dieser dem ORF Tirol am Dienstag und verwies auf Wasserrücklagen in Quelleinzugsgebieten im Gebirge. Der Inn liege mit einem Pegel von knapp 300 Zentimetern unter der mittleren Wasserführung.

Man sei hiermit aber noch immer im natürlichen Schwankungsbereich, führte der Experte aus. Der Pegel habe sich allerdings im Juli zum Teil im untersten Bereich der Schwankungen der vergangenen 30 Jahre bewegt. Dass viele Fließgewässer im Bundesland heuer geringere Pegelstände aufweisen, zeigt auch ein Blick in die Daten des Hydrografischen Dienstes Tirol. So lag mit 85 Zentimetern der Wasserstand des Lech bei Vorderhornbach (Bezirk Reutte) und mit 157 Zentimetern der Stand der Großache bei Kirchdorf (Bezirk Kitzbühel) im August unter dem Mittelwert. Die Isel führte bei Lienz zuletzt 252 Zentimeter Wasser. Über dem Mittelwert lagen im August indes die Wasserstände der Ötztaler und Gurgler Ache im Bezirk Imst.

Laut dem landeseigenen Energieversorger Tiwag rangieren "die für die Stromproduktion nutzbaren Zuflüsse bei den Kraftwerken der Tiwag insgesamt im heurigen Jahr (vorerst bis Ende Juli) rund fünf Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt". Das Unternehmen argumentierte gegenüber der APA wie Niedertscheider mit geringeren Niederschlägen.

Kärnten

Die Pegelstände von Seen und Flüssen in Kärnten sind bereits seit längerer Zeit niedrig. "Wir haben ein beträchtliches Niederschlagsdefizit", sagte Johannes Moser, Leiter des Hydrographischen Dienstes Kärnten, auf APA-Anfrage. Bereits im Winter habe es wenig Schnee gegeben, es folgten ein regenarmer Frühling und ein trockener Sommer. Was die Pegelstände in Kärnten angeht, sei Lage aber noch nicht kritisch.

"Wir sind schon sehr lange im Niederwasserbereich, die Pegel sind auf niedrigem Niveau", führte Moser aus. Dass Kärnten nicht mit einer extremen Dürre zu kämpfen hat, sei auf immer wieder auftretende Gewitter zurückzuführen, die teilweise auch kräftig ausgefallen sind: "Das hat für leichte Aufbesserungen gesorgt." Das Markante heuer sei, dass sich die Trockenheit so lange hinziehe, in den Jahren zuvor hatte es ansonsten immer wieder Phasen gegeben, in denen es überdurchschnittlich viel regnete.

Viele Flüsse in Kärnten halten also zwar auf niedrigem Pegelniveau, "aber trotzdem noch immer über den niedersten je gemessenen Werten. Da gibt es schon noch einen Abstand", erklärte Moser. Lediglich in Unterkärnten gebe es kleinere Karawankenbäche, die besonders wenig Wasser führen. Bei größeren Flüssen, wie etwa Drau oder Gail, sei die Lage entspannter. Massive Probleme und Austrocknungen gebe es in Kärnten jedenfalls nicht.

Ebenfalls weniger Wasser führen die Kärntner Seen - auch das größte stehende Gewässer des Landes, der Wörthersee, ist von der Trockenheit betroffen: "Momentan liegt der Pegel bei 102 Zentimetern, das ist 23 Zentimeter unter dem Mittelwasserstand", informierte Moser. Sinkt der Pegel "deutlich unter 100 Zentimeter", dann könnte das Probleme für die Schifffahrt bei so mancher Anlegestelle bedeuten. Davon sei man aber noch entfernt. Ökologisch gesehen seien die niedrigen Wasserstände in den Seen jedenfalls nicht tragisch, so Moser: "Es ist ja noch ein riesiges Volumen da."

Vorarlberg

Große Trockenheit und anhaltend hohe Temperaturen halten Bodensee und die Vorarlberger Flüsse weiter auf sehr niedrigem Stand. Regen am Montagabend sorgte kurzfristig für Stabilisierung, nicht aber für nachhaltige Entspannung. Mit 308 Zentimeter lag der Bodensee-Pegel am Dienstag noch elf Zentimeter höher als beim bisherigen Tiefststand an einem 16. August. Die Flüsse führen durchwegs Niederwasser, und auch die Grundwasserpegel bleiben unter dem Mittelwert zurück.

Der aktuelle Pegelstand des Bodensees entspricht normalerweise dem Niveau, das Ende Oktober erreicht wird. Im langjährigen Durchschnitt steht der Bodensee-Pegel am 16. August bei 402 Zentimeter - also um 95 Zentimeter höher als aktuell.

Vorarlbergs Flüsse - die üblicherweise den Bodensee speisen - leiden aktuell selbst unter Wassermangel. Der Rhein, die Bregenzerach sowie die Dornbirnerach führen seit Wochen Niederwasser, abschnittweise auch extremes Niederwasser, was als selten gilt. Der Fischereiverein Bregenzerwald rettete in den vergangenen Wochen mehr als 2.500 Bachforellen aus ausgetrockneten Zuflüssen der Bregenzerach, wie Vorarlberger Medien am Dienstag berichteten. Auch die Grundwasserpegel erreichen nicht den Mittelwert, in Feldkirch wurden am Montag bei mehreren Messstationen Tiefststände für einen 15. August verzeichnet.

Große Trockenheit herrscht auch auf Vorarlbergs rund 500 Almen. Weil in den vergangenen Jahren allerdings in die Wasserversorgung investiert wurde, kann die Saison zu Ende gebracht werden. Allerdings leidet die Futterqualität unter den Bedingungen der vergangenen Wochen.

Quelle: Agenturen / Redaktion / foj