Dürre: "Letzte Generation, die produzierende Landwirtschaft erlebt"

12. Aug. 2022 · Lesedauer 3 min

Die Österreichische Hagelversicherung und die Universität für Bodenkultur (BOKU) warnten vor großen Schäden durch anhaltende Dürre in Österreich.

Angesichts der anhaltenden Dürre prognostizierte der Vorstandsvorsitzende der Österreichischen Hagelversicherung, Kurt Weinberger, "massive Ernteausfälle im Osten und Südosten". Grund dafür seien die "extremen Niederschlagsdefizite in den letzten zwei Monaten", so Weinberger.

Hitzetage verdreifacht

Als zweiten Grund für die Schäden nannte Weinberger "die Zunahme der Hitzetage", mittlerweile haben sich diese im Vergleich zu den 1980er und 1990er Jahren auf 10 bis 30 fast verdreifacht. Mit Stichtag 11. August 2022 zähle man bereits 32 Hitzetage. Sollten die Klimaziele nicht erreicht werden, müsse man von 60 bis 80 Hitzetagen ausgehen.

Das Phänomen der Dürreereignisse "nimmt in der Landwirtschaft leider zu" und würde jedes zweite Jahr wiederkehren - "die Landwirtschaft ist das maximale Klimaopfer". Für dieses Jahr erwarte man einen Schaden von 100 Millionen Euro. In den letzten 10 Jahren summierten sich die Schäden auf eine Milliarden Euro. "Unsere Kinder werden die letzte Generation sein, die noch eine produzierende Landwirtschaft erleben können", warnte Wechselberger vor den Auswirkungen der Dürre.

Bodenversiegelung zerstört Umwelt

In Zukunft werde die Gesellschaft "sehr verletzbar" sein, "wenn wir die Umwelt so fahrlässig zerstören". Die Zerstörung hänge auch mit der großen Bodenversieglung, also dem Verbau von Grünflächen, zusammen. Damit würden den Flüssen bei Hochwasser - das ebenfalls zunehmen werde - die Überschwemmungsgebiete genommen. Aber "von Beton können wir nicht abbeißen", meint Weinberger.

Was die Regierung hier an Maßnahmen unternehme sei "hier viel zu gering". Die Regierung rief Weinberger dazu auf, die "grob fahrlässige Verbauung Österreichs stoppen" - ein Baustopp müsse verhängt werden.

Donau um einen Meter tiefer

Auch Helmut Habersack, Leiter des Instituts für Wasserbau an der BOKU Wien, warnte vor den Folgen der Dürre für Flüsse und Seen. "Die Schere zwischen zu viel Wasser und zu wenig Wasser geht auseinander." Bei einem Ausfall der Gletscher könnte der Rhein um 25 Prozent weniger Wasser führen.

Die Donau sei bereits jetzt "um einen Meter tiefer als vor 60 Jahren". Sinkt der Flusspegel, dann sinkt auch der Grundwasserspiegel. Zusätzlich zur Trockenheit würden sich aber auch Hochwasser verschärfen, da Überflutungsflächen abgetrennt wurden.

Zuleitung von Neusiedler See kritisch

Die vom Burgenland geplante Zuleitung der Moson-Donau in den Neusiedler See sieht der kritisch. Durch die Zuleitung könnte die Verlandung des Neusiedler Sees sogar beschleunigt werden. Man müsse zuerst intensive Untersuchungen anstellen, "dann kann man als Politik faktenbasiert entscheiden".

Eine Wasserzuleitung der Moson-Donau zum Neusiedler bringe auch Risiken mit sich. Beispielsweise die einhergehende Einfuhr von Mikroplastik und Schwebstoffen, die mit dem Wasser kommen.

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Maximilian SperaQuelle: Redaktion / msp