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Mordpläne auf Telegram: Deutsches Netzwerk hat Österreich-Ableger

13. Jan. 2022 · Lesedauer 4 min

Im Dunstkreis der Corona-Maßnahmen-Gegner bildete sich in Deutschland ein Netzwerk, das auf Telegram Mordpläne gegen Sachsens Landeschef Michael Kretschmer (CDU) schmiedete. Einen kleinen Ableger hat das Netzwerk auch in Österreich - und zwar im Bezirk Gmunden (Oberösterreich).

Die Telegram-Gruppe aus Gmunden läuft unter dem selben Namen und verwendet das gleiche Logo wie die deutschen Telegram-Kanäle, in denen noch bis vor Kurzem Mordpläne gegen Politiker geschmiedet worden waren. Neben zahlreichen Unwahrheiten über die Impfung und die Corona-Maßnahmen, teilen Mitglieder des Kanals Videos, in welchen der Nationalsozialismus verherrlicht wird und die abstrusesten Verschwörungsideologien.

Die Gruppe trifft sich aber auch physisch, um zu Corona-Demos zu fahren oder, um "an konstruktiven Themen" zu arbeiten, "um uns auch im Krisenfall gegenseitig zu helfen" oder, um wie "beim letzten Treffen ein sehr spannendes Thema" aufzuwerfen, wie es in der Gruppe kryptisch heißt. Die Treffen finden meist in der Gemeinde Viechtwang im Traunviertel statt. Die Mitglieder organisieren aber auch selbst Corona-Demos - etwa in Scharnstein.

Im deutschen Pendant aus Dresden wurden Anleitungen für Terroranschläge, Überfälle und zur Sprengstoffbeschaffung geteilt und Mordpläne gegen den CDU-Politiker Michael Kretschmer geschmiedet, berichtete das "ZDF"-Magin "Frontal" im Dezember. Das Landeskriminalamt Sachsen führte daraufhin Razzien durch - es wurden Pistolen, illegale Waffen und Schwarzpulver sichergestellt. Gegen sieben Verdächtige wird noch ermittelt. Die österreichische Gruppe wurde in Deutschland auch beworben, wie Screenshots der Plattform "Stoppt die Rechten", darlegen. 

Screenshot / Stoppt die Rechten

Die entsprechende deutsche Telegram-Gruppe gibt es derzeit nicht mehr, es gibt aber noch Gruppen aus Berlin, NRW, Rheinland-Pfalz, Thüringen und eben Gmunden, die alle das selbe Logo - ein durchgestrichenes Internetsymbol - verwenden. 

Unterstützung von US-Neonazi

Wie nun neue Recherchen von "ZDF" und "der Zeit" zeigen, erhielten die radikalen Impfgegner in Deutschland Unterstützung aus den USA. Der amerikanische Neonazi und Holocaustleugner John de Nugent steckt hinter der Website "MZWNEWS" und dem dazugehörigen Telegramkanal, in welchem man nicht lange suchen muss, um NS-Verherrlichung und Antisemitismus zu finden. Verbreitet werden die Inhalte in zahlreichen rechtsextremen und maßnahmenkritischen Gruppen - auch in Österreich. 

Das Netzwerk um de Nugent forderte deutsche Telegram-Nutzer auf, diese militanten Widerstandszellen namens "Offlinevernetzung" zu gründen. In einem der Chats heißt es: "Bildet Kleingruppen von max. 15 Leuten und fangt an effektiv aufzuräumen", berichtet das "ZDF". Im Fall der Dresdner Gruppe ist das auch passiert. Nach der Razzia dürfte "MZWNEWS", was übrigens für "Mut zur Wahrheit" stehen dürfte, dazu aufgerufen haben, die Offlinenetzwerk-Gruppen zu verlassen, wie User in noch bestehenden Gruppen schildern. 

Hitler-Video in Gmundner Gruppe

De Nugent behauptet auf seiner Website, dass Konzentrationslager keine Todeslager gewesen seien und stellt sich auf seiner Website als "Aktivist für die weiße Rasse" dar - seine Websites sind übrigens alle auf deutsch, das lernte er nach eigenen Angaben unter anderem in Tirol, wo er in den 70er-Jahren lebte. Heute warnt er in seiner Telegramgruppe, dass einige seiner Inhalte in Deutschland und Österreich verboten seinen. 

Screenshot / PULS 24

In der Gmundner Gruppe werden NS-verherrlichende Videos geteilt.

Geteilt wird es trotzdem. So auch in der Gmundner Gruppe, die seit November existiert und derzeit rund 30 Mitglieder hat. Ein Video von "MZWNEWS" mit Bildern von Wehrmachts-Soldaten, heroischer Musik und Hitler-Reden wird in der Gruppe von einem der aktivsten Mitglieder, der auch die physischen Treffen ankündigt, geteilt - er tut das mit seinem Klarnamen. "Stoppt die Rechten" wird deswegen eine Anzeigen wegen Verdachts auf Wiederbetätigung einbringen.

Munter gepostet werden auch diverse QAnon-Verschwörungen, Inhalte aus der Gruppe des verurteilten Neonazis Gottfried Küssels und anderer Rädelsführer aus der Szene der Corona-Demos. "Die Fascho-Söldner toben sich noch einmal aus, bevor sie hingerichtet werden. Sie winseln wie schuldige Hunde, bevor sie erschossen werden", schreibt ein User unter ein Video, in dem sich ein AfD-Politiker über den Umgang der Polizei mit Corona-Demonstranten in Frankfurt beschwert.

Als ein Mann aus Schärding beitritt, wird dieser aufgefordert, auch dort eine Gruppe zu gründen. Das dürfte bis jetzt aber noch nicht passiert sein. 

Konstantin AuerQuelle: Redaktion / koa