Brodnig zu Gewalt durch Impfgegner: "Wir müssen rote Linien in unserer Gesellschaft ziehen"

15. Dez. 2021 · Lesedauer 2 min

Journalistin und Autorin Ingrid Brodnig versucht zu erklären, wieso die Gewaltbereitschaft in der Impfgegner-Szene steigt. Besonders Radikalisierte mit Aufklärung zu erreichen sei inzwischen kaum noch möglich. Stattdessen müsse man "rote Linien" ziehen, meint sie.

Immer häufiger kommt es zu Aggressionen und gewalttätigen Übergriffen im Zuge von Impfgegner-Demos - zuletzt gegenüber einer Pflegerin in Braunau.

Journalistin und Autorin Ingrid Brodnig beobachtet die Radikalisierung der Impfgegner-Szene rund um die Corona-Demos seit langem. Sie befürchtet eine steigende Gewaltbereitschaft, weil Gewalt gegen Gesundheitspersonal und Sicherheitskräfte von einer radikalisierten Minderheit als "Notwehr" gesehen werde. "Die Impfung ist zu einem Angst- und Wutsymbol geworden", so Brodnig.

Die Impfpflicht heizt die Radikalisierung Einzelner an, sagt sie: "Je konkreter es wird, desto mehr muss man fürchten, dass dieser besonders radikale Teil der Anti-Impf-Szene über solche Widerstands-Fantasien nachdenkt", so Brodnig. In Gruppen könnten dann Hemmungen abgebaut werden. Die jüngsten Übergriffe würden zeigen, "dass Leute andere als Feind, als Gegner wahrnehmen - selbst Menschen, die in keinster Weise Gegner sind", beschreibt Brodnig.

Fehlende Impf-Aufklärung im Frühjahr und Sommer

Ein großer Fehler war, dass die Regierung im Frühjahr und vor allem Sommer die Impf-Aufklärung fast gänzlich vernachlässigt habe. Das habe Radikalisierern und Verschwörungstheoretikern das Feld überlassen. Viele, die sich seitdem sehr stark radikalisiert haben, könne man inzwischen mit Aufklärung kaum noch erreichen.

Was man jetzt machen könne, ist vor allem "rote Linien in unserer Gesellschaft zu ziehen", sagt Brodnig. "Wenn jemand gewalttätig wird, dann ist es wichtig, dass die Person polizeilich verfolgt wird, wenn jemand Droh-E-Mails schreibt, ist es wichtig, dass die Polizei strafrechtliche Konsequenzen ergreift", erklärt sie.

"In unserer Demokratie ist ziemlich viel erlaubt" und das sei auch gut so, sagt Brodnig. Geanu deshalb müsse man ersichtlich klare Grenzen setzen. "Wir haben das Strafrecht deshalb, um zu zeigen, was nicht toleriert wird", so die Autorin.

Stephan HoferQuelle: Redaktion / hos