Staatsschutz ermittelt nach Coronaleugner-Gelage mit Küssel

02. Jan 2022 · Lesedauer 3 min

Mehrere Verschwörungstheoretiker und Rechtsextreme aus dem Umfeld der Corona-Demos redeten am 30. Dezember bei einer Privatfeier alkoholisiert über kommende Aktionen, fabulierten über einen Militärputsch und Sprengstoffgürtel. Staatsschutz und Nachrichtendienst ermitteln.

Am 30. Dezember trafen sich offenbar mehrere Organisatoren von Anti-Corona-Demos, bekannte Gesichter der Verschwörungstheoretiker-Szene sowie Rechtsextreme in Wien. Mit dabei war auch der verurteilte Neonazi Gottfried Küssel. Anlass des abendlichen Gelages, das offenbar in einer Privatwohnung stattfand, war eine Geburtstagsfeier. PULS 24 liegt ein auf der Party gedrehtes Video vor.

Beim Konsum von reichlich Alkohol planten viele der Gäste offenbar Kundgebungen und politische Aktionen für das Jahr 2022, wie das knapp zwölfminütige Video nahelegt. Als Gastgeber fungierte Manuel Mittas, ein selbsternannter freier Journalist, der tief in der Szene der rechten Verschwörungstheoretiker verwurzelt und regelmäßig auf Corona-Demos in Wien anzutreffen ist.

Staatsschutz, Nachrichtendienst und Abwehramt ermitteln

Der Hinweis wurde bereits "zur Überprüfung weitergeleitet", wie die Polizei Wien am Sonntag auf Twitter nach Sichtung des Videos bekanntgab. Ermittlungen durch die Direktion Staatsschutz und den Nachrichtendienst in enger Zusammenarbeit mit dem Abwehramt des Österreichischen Bundesheeres wurden eingeleitet.

"Das nächste Jahr wird nicht lustig werden"

Die Wortmeldungen von Mittas und seinen Gästen lassen erahnen, in welche Richtung sich der Aktionismus der Szene entwickelt. "Das nächste Jahr wird nicht lustig werden, liebe Freunde", sagt Mittas in die Kamera.

Das kommende Jahr 2022 werde nicht "easy-cheesy" mit "zweimal um den Ring spazieren und so Blödheiten", sagt er in die Kamera. Ein weiterer Anwesender brüllt daraufhin: "Der einzige Weg ist das Militär". Mittas kommentiert das sarkastisch in Richtung Küssels mit "Jetzt haben wir die Hardliner auch schon bei uns, Gottfried."

Zusammen mit Küssel kündigt Mittas in die Kamera an, dass man "etwas gemeinsam machen" werde. "Wir wissen noch nicht genau, was wir machen, aber wir ziehen es durch", stimmt Küssel ihm zu. Im weiteren Verlauf fabuliert Mittas akustisch unverständlich über das Tragen von Sprengstoffgürteln.

Laut Videobeschreibung soll auch Monika Donner, eine vom Verteidigungsministerium im vergangenen Herbst gekündigte Beamtin und Autorin von rechten Verschwörungsbüchern, mit dabei gewesen sein, im Video kommt sie allerdings nicht vor. Donner trat unter anderem bei einer Corona-Maßnahmen-Demo am Wagen der FPÖ auf. Parteichef Herbert Kickl rechtfertigte den Auftritt in einem Interview mit PULS 24 Infochefin Corinna Milborn als "Ausdruck von Meinungsfreiheit". Er habe "nichts gehört, was in Richtung Corona-Leugnung geht".

Aggressionen auch zu Silvester und Neujahr

Gesteigertes Aggressionspotential bewies Mittas selbst am Silvesterabend. Auf dem Stephansplatz attackierte er einen Fotografen und riss diesem die FFP2-Maske vom Gesicht, wie ein Video auf Twitter zeigt. Auch über diesen Vorfall ist die Polizei bereits informiert. 

Am Neujahrstag wurde eine Gruppe von mehreren Dutzend Corona-Leugnern daran gehindert, das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker im Musikverein zu stören. Laut Polizei wurden mehreren Personen im Umkreis des Musikvereins vor Beginn und während des Konzerts vorübergehend "Trommeln und Lautsprecher" abgenommen.  

Dieser Artikel wurde am Sonntag, 2.1., mit der Reaktion der Polizei Wien aktualisiert. 

Stephan HoferQuelle: Redaktion / hos/lam