APA - Austria Presse Agentur

Mediziner warnen: Situation auf Intensivstationen spitzt sich zu

01. Apr 2021 · Lesedauer 3 min

531 an Covid-19 erkrankte Patienten haben sich am Donnerstag österreichweit in intensivmedizinischer Betreuung befunden.

Die Intensivstationen in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland haben bereits ihre Belastungsgrenzen erreicht - dabei geht das Covid-19-Prognosekonsortium davon aus, dass bis 14. April sogar 670 Corona-Patienten auf den heimischen Intensivstationen behandelt werden müssen. Die Intensivmediziner verfolgen diese Entwicklung mit großer Sorge, wie viele von ihnen bereits im Gespräch mit PULS 24 sagten.

Die noch stärkere Belastung der Intensivkapazitäten komme "leider nicht überraschend, ist aber in höchstem Maße besorgniserregend", meinte Walter Hasibeder, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI), am Donnerstag gegenüber der APA. In der täglichen Praxis beobachte man "sehr viel schwerere Verläufe, als dies noch in der sogenannten ersten oder zweiten Welle der Fall war". Der Anteil der schwer kranken Covid-19-Patientinnen und -Patienten, die invasiv beatmet werden müssen, sei "noch höher", hielt Hasibeder fest. Bereits im PULS 24 Interview hatte er davor gewarnt.

"Im Normalbetrieb im besten Fall 70 Prozent Auslastung"

Walter Hasibeder kann die offiziellen Zahlen von nur 50 Prozent Auslastung nicht nachvollziehen.

Auslastung in der Regel ohne Corona schon bis zu 90 Prozent

Auch ohne Zusatzbelastungen, wie sie in der Corona-Pandemie gegeben sind, sind die Intensiv-Kapazitäten in der Regel zu etwa 85 bis 90 Prozent ausgelastet. "Solange sich die Zahl der Covid-19-bedingten Intensivaufnahmen im Rahmen dieser zehn bis 15 Prozent der Gesamtressourcen bewegt, ist ein weitgehender Normalbetrieb gewährleistet", erläuterte Hasibeder.

Geht das Ausmaß der Zusatzbelastung darüber hinaus, "bewegen wir uns schrittweise in einen Krisenmodus, der sich je nach Ausmaß zunehmend stärker in anderen Bereichen des Spitalsbetriebes bemerkbar macht".

Intensivmediziner: "Nähern uns im Stufenplan immer weiter nach oben"

Stephan Kettner, Intensivmediziner im Krankenhaus Hietzing, über die Lage auf der Intensivstation im Krankenhaus Hietzing.

Jede Belastung geht auch auf Kosten von Nicht-Corona-Patienten

Dabei liege der Schwerpunkt nicht mehr "bei den alten, vulnerablen Menschen, sondern bei Personen, die mitten im Berufsleben stehen", erläuterte Hasibeder, der als ärztlicher Leiter der Abteilung für Anästhesie und Operativen Intensivmedizin am Krankenhaus St. Vinzenz in Zams vorsteht.

Auch bei Jüngeren ohne Vorerkrankungen kommt es häufiger und vor allem schneller zu einem schweren Verlauf. Patienten müssen zum Teil innerhalb weniger Stunden nach der Erstaufnahme im Spital auf die Intensivstation, bestätigen mehrere Mediziner wie etwa Arschang Valiour, Leiter der Covid-Station in der Klinik Floridsdorf.

Patienten "teilweise innerhalb weniger Stunden" auf Intensivstation

Arschang Valipour, Leiter der Corona-Station in der Klinik Floridsdorf, über die Auslastung an den Intensivstationen.

Jede weitere zusätzliche Belastung der Intensivstationen durch Covid-19 gehe nun infolge der dadurch entstehenden Versorgungsengpässe "auf Kosten zahlreicher Nicht-Covid-Patientinnen und -Patienten, deren Operationen zum Beispiel verschoben werden müssen", befürchtet Hasibeder.

Der Intensivmediziner zeigte sich besorgt, dass auch andere Bereiche für chronisch kranke Menschen wie Schmerzambulanzen aus Personalmangel nicht offengehalten werden können. "Im schlimmsten Fall steht am Ende einer Überlastung der Kapazitäten die 'harte Triage'", warnte der Intensivmediziner.

Quelle: Agenturen / Redaktion / hos/APA