Politik-Insider zu Wien Energie: "Spekulation war das sicher nicht"

31. Aug. 2022 · Lesedauer 2 min

Ungewohnte Einigkeit herrschte bei den Politik-Insidern zu Beginn: Wien Energie habe keine Spekulationen an der Strombörse betrieben, sind sich die Ökonomen Stephan Schulmeister und Jan Kluge einig. Bei der Frage, ob der Energiemarkt so funktioniert, gehen die Ansichten aber wieder auseinander.

Ob Wien Energie durch Spekulationen in finanzielle Schieflage geraten sei, wie dies unter anderem von ÖVP-Finanzminister Magnus Brunner behauptet wurde, fragte Moderatorin Gundula Geiginger am Mittwoch bei den "Politik-Insidern". Die Antwort der beiden Gäste, die Ökonomen Stephan Schulmeister und Jan Kluge (Agenda Austria), fiel ungewohnt einstimmig aus: "Spekulation war das sicher nicht", meint Kluge.

Schulmeister hatte zuvor erklärend ausgeführt, dass am "schwarzen Freitag", der Wien Energie in die Bredouille brachte, der Strompreis stark anstieg, der Gaspreis aber viel weniger. Das sei äußerst ungewöhnlich, da vor allem seit dem Ukraine-Krieg beides üblicherweise im Tandem stark steige. Deshalb seien die Gewinne bei Gas-Geschäften viel kleiner als bei Strom-Geschäften gewesen, wodurch die benötigten Sicherheitsleistungen horrend anstiegen und für finanzielle Probleme beim Wiener Energieversorger sorgten.

Agenda-Ökonom Kluge ist sich sogar sicher, dass die inzwischen mit einem Zwei-Milliarden-Kredit vom Bund abgesicherten Sicherheitsleistungen von Wien Energie wieder problemlos zurückgezahlt werden können bzw. gar nicht schlagend werden. Schulmeister ist da skeptischer, die Termingeschäfte seien ja für nächstes Jahr abgeschlossen. Bleiben die Energiepreise so hoch, dann könnten die Sicherheitsleistungen durchaus benötigt werden. Kluge hingegen meint, die Wien Energie sei ja ein Energieversorger und könne die zugesagten Strommengen sicherlich liefern.

"USA käme nie darauf, Strompreis per Merit Order zu fixieren"

Auseinander gehen auch die Meinungen über die aktuelle Beschaffenheit des Energiemarktes. Schulmeister kritisiert, dass dieser in der EU vor rund 20 Jahren viel zu stark liberalisiert wurde. "In den USA käme kein Mensch darauf, den Strompreis nach Merit Order zu fixieren, weil die einen Hausverstand haben", meint der Ökonom.

Kluge gesteht zwar zu, dass die Preisbildung in der aktuellen Situation (mit dem Ukraine-Krieg und Gas-Erpressung durch Russland) nicht funktioniere. Die Liberalisierung des Strommarktes sei aber grundsätzlich gut und sorge für ein funktionierendes Versorgungssystem. Schulmeister widerspricht: Angebot und Nachfrage würden beim europäischen Stromnetz nicht an der Börse ausgehandelt, sondern über technische Systeme geregelt.

Stephan HoferQuelle: Redaktion / hos