Saurugg: "Notwendig, den Markt auszusetzen"

29. Aug. 2022 · Lesedauer 2 min

Herbert Saurugg, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Krisenvorsorge, erklärt im PULS 24 Interview, welche Maßnahme derzeit noch die größte Wirkung zeigen könnte, um höhere Strompreise zu verhindern.

Der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Krisenvorsorge Herbert Saurugg meint im PULS 24 Interview, die einzige Maßnahme, die man jetzt noch treffen könne, um die explodierenden Energiepreise einzudämmen, wäre den Markt auszusetzen. 

Einige Experten würden meinen, dass man das System des Merit-Order-Prinzips, das seit 20 Jahren herrsche, nicht einfach aussetzen könne. Doch Saurugg denkt, den meisten Akteuren wäre nicht bewusst in welcher "absoluten Krise" wir uns befinden würden. Es gehe um die nahe Zukunft - "diese Woche bereits". Man müsse jetzt "sehr rasch und sehr akut eingreifen" und den Markt einfrieren. 

Ohne Markteingriff wird Situation verschlimmert

Netzbetreiber könnten direkt beim Kraftwerksbetreibern einkaufen und versuchen das Problem des Energieeinkaufs auf dieser Ebene zu lösen. Der Krisenvorsorgeexperte warnt, dass sich die derzeitige Situation sonst nur "verschlimmern" würde.

Es handle sich um ein komplexes Marktsystem. Es ist nicht klar, welche Nebeneffekte bei einem Eingriff auftreten würden, so Saurugg. Man müsse versuchen das Problem "rein auf physikalischer Ebene" zu lösen, um die "notwendigen Stabilitäten herzustellen", und damit größeren Schaden zu vermeiden. Er glaubt zudem, dass es für kurzfristige Maßnahmen für den Winter inzwischen "zu spät" sei.

Von der Leyen: Reform des Strommarktes

Angesichts der hohen Energiepreise hat EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen eine Reform des Strommarktes in der EU angekündigt. "Die in die Höhe schießenden Strompreise zeigen gerade aus verschiedenen Gründen die Grenzen unseres jetzigen Strommarktdesigns auf", sagte sie bei einer Konferenz in Slowenien am Montag. 

Das System sei für andere Umstände entwickelt worden und nicht mehr zweckmäßig. "Deshalb arbeiten wir jetzt an einer Notfallmaßnahme und an einer Strukturreform des Strommarktes", sagte von der Leyen.

Astrid PozarekQuelle: Redaktion / poz