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Felbermayr: Kein Energiepreisdeckel aber Kompensationen für Haushalte

13. Juli 2022 · Lesedauer 3 min

Wifo-Direktor Gabriel Felbermayr hat seinen Standpunkt gegen Energiepreisdeckel bekräftigt.

"Wir müssen alles was wir können, mobilisieren um Energie einzusparen - und da gehört natürlich der Privatsektor dazu." Damit dort Energie gespart werde, "müssen die Preissignale dort ankommen; dass Energie teuer ist, dass Heizen teuer ist. Aber die Rechnungen dürfen nicht explodieren, es braucht Kompensationen, um Haushalte nicht in Existenznot zu bringen.

Verpflichtung zum Energiesparen ist nicht angebracht

"Energiesparen hat kurzfristig den größten Hebel", sagte der Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts Wifo am Rande eines Pressegesprächs bezogen auf ein Verhindern von womöglich notwendig werdenden Gasrationierungen, sollte der Gasfluss aus Russland gedrosselt bleiben oder gar ganz versiegen.

Eine Verpflichtung zum Energiesparen sei aber nicht angebracht: "Ein Raumtemperaturkommissar wird nicht durch die Wohnungen gehen. Die Raumtemperatur liegt sicher in der Autonomie des Einzelnen. Aber was wichtig ist, ist dass die Potenziale genutzt werden, und die haben mit finanziellen Anreizen zu tun", so der Ökonom.

"Daher sollten die Preissignale tatsächlich an die Haushalte durchgereicht und nicht gefiltert werden", sagte Felbermayr auf Nachfragen von Journalistinnen und Journalisten. "Einen Deckel halte ich nicht für gut. Wichtig ist, dass allen klar ist, wie wahnsinnig knapp und teuer Gas ist - und daher teuer."

Sozialpolitische Abfederungen notwendig

Einhergehend brauche es aber sozialpolitische Abfederungen. "Man könnte Haushalten gewissen Mengen am Normverbrauch gemessen gutschreiben, ähnlich ginge es beim Strompreis", so Felbermayr. Das würde dazu führen, dass Haushalte voll zahlen, wenn sie über gewissen Normverbrauchsgrößen liegen würden, blieben sie darunter würden sie profitieren.

Aus Sicht Felbermayrs würden damit zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: "Die Preissignale würden ankommen, die Sparanreize wären hoch. Es würde dafür Sorge getragen, dass die Menschen mit der Last umgehen können - wer spart, der spart viel, weil die Preise so hoch sind. Die Basisausstattung (mit Energie, Anm.) würde zum Normalpreis oder sogar zum Nullpreis gewährleistet."

Wifo-Umweltökonomin Claudia Kettner sprach sich ebenso dafür aus, "einen gewissen Grundbedarf zu einem geringeren Preis" zur Verfügung zu stellen. Grundsätzlich würden reichere Haushalte auch verhältnismäßig mehr Energie verbrauchen als einkommensschwächere. "So würden Ärmere mehr profitieren", sagte die Expertin.

Der Vorschlag des WIFO-Chefs, einen Deckel auf die Stromrechnung einzuführen, gewinnt immer mehr an Aufmerksamkeit. Energieministerin Leonore Gewessler lässt bereits Details dazu erarbeiten.

IHS-Ökonom: Preisdeckel ist "kein probates Mittel"

Auch der IHS-Ökonom Klaus Weyerstraß erklärt im PULS 24 Interview, dass ein Preisdeckel "kein probates Mittel" ist. Man sollte "nicht generell in den Preismechanismus eingreifen" - als mittelfristig sinnvollste Maßnahme sieht er das Ende der fossilen Energieträger und den Ausbau der erneuerbaren Energien.

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Quelle: Agenturen / ddj