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Wifo-Chef Felbermayr: Strompreisdeckel hält Leute vom Energiesparen ab

11. Juli 2022 · Lesedauer 2 min

Wifo-Chef Gabriel Felbermayr spricht sich gegen einen Strompreisdeckel aus. Ein solcher würde die Notwendigkeit, Energie einzusparen, konterkarieren.

Immer mehr Landeshauptleute sprechen sich für eine Kostengrenze beim Strompreis aus, der Chef  des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung widerspricht dem im "Standard" und in der ZIB2. "Hohe Preise führen dazu, dass das Angebot steigt und die Nachfrage sinkt", so der Wirtschaftsforscher.

Gratis Strom-Kontingent statt billigeren Preis

Eingriffe in den Markt kann sich Felbermayr aber sehr wohl vorstellen, etwa durch progressive Stromtarife oder eine europaweite Subvention von Gasstrom.  Felbermayr kann sich beispielsweise vorstellen, "dass die Haushalte alle ein gewisses Ausmaß an Strom als Freistrom bekommen, als eine Gutschrift". Das würde die Preisexplosion abschwächen, ohne dass Sparanreize verloren gehen. "Die Idee wäre, die Stromrechnungen zu deckeln, aber die Preissignale bei den Haushalten ankommen zu lassen", erklärte Felbermayr.

Auch der in New York lehrende österreichische Klimaökonomen Gernot Wagner spricht sich dafür aus, die Energiepreise für Einkommensschwache vom Markt zu entkoppeln. "Das Instrument? Jeder Haushalt bekommt X kWh zum Preis vor dem Krieg", wie Wagner auf Twitter schrieb.

Europaweite Subventionen

Helfen gegen die Strompreisexplosion würde auch, Gas für die Stromerzeugung zu subventionieren, wie es in Spanien und Portugal passiert. Dies gehe jedoch nur europaweit, so Felbermayr. "Wenn wir das in Österreich alleine machen würden, dann sinkt zunächst einmal der Strompreis bei uns zwar, aber der würde dann auch die Verbraucher, Industrie und Haushalte, zum Beispiel in Bayern oder in Italien erfreuen. Und am Ende würde der österreichische Steuerzahler diese Subvention leisten für andere."

Der frühere SPÖ-Kanzler und Verbund-Vorstand Christian Kern wiederum brachte am Wochenende via Twitter die Marktkopplung am europäischen Strommarkt in die Diskussion ein. "Die Parameter, vor allem die grenzüberschreitenden Leitungskapazitäten im Modell so anzupassen, dass es zu möglichst keinen kommerziellen Abflüssen kommt, ist keine Raketenwissenschaft", meinte Kern.

Bei einem Strompreisdeckel müssten beispielsweise Betreiber von Gaskraftwerken Strom erzeugen ohne ihre hohen Kosten weitergeben zu können. In Frankreich belastet ein solcher staatlicher Preisdeckel den Energiekonzern EDF gerade enorm. In Österreich werden Gaskraftwerke unter anderem von der Wien Energie, der EVN, der Energie AG OÖ und vom Verbund betrieben.

Quelle: Agenturen / Redaktion / lam