IHS-Ökonom: Energierechnungen für Haushalte deckeln

12. Juli 2022 · Lesedauer 3 min

Der IHS-Ökonom Klaus Weyerstraß hält im PULS 24 Interview einen Preisdeckel für "kein probates Mittel". Die Politik müsse betroffene Haushalte vielmehr gezielt entlasten.

Man sollte "nicht generell in den Preismechanismus eingreifen", so der IHS-Ökonom Klaus Weyerstraß. Als mittelfristig sinnvollste Maßnahme sieht der Experte das Ende der fossilen Energieträger und den massiven Ausbau der erneuerbaren Energien.

Deckelung der Energierechnungen

Um die Teuerung zu mildern plädiert Weyerstraß dafür, Energierechnungen für Haushalte zu deckeln. Der Preis für den durchschnittlichen Verbrauch eines durchschnittlichen Haushalt würde damit garantiert. Für alles, was über diesen Verbrauch hinaus gehe, würden die Haushalte dann den Marktpreis bezahlen. Der Unterschied zum Strompreisdeckel bestehe darin, dass man den "Marktpreismechanismus wirken lässt", der Markt, im Gegensatz zum Staat, den Strompreis also weiter bestimmt. "Aber auch das wäre nur eine ganz vorübergehende Lösung, um die momentanen Spitzen abzudecken", so Weyerstraß.

Aufgrund der internationalen Vernetzung des Strommarkts rät der Experte zu einer "möglichst breitflächigen" Anwendung der Maßnahme, also in der ganzen EU.

Die "Spitze bei den Strompreisen" werde in nächster Zeit erwartet. Sie dürften aber wie Gaspreise wieder zurückgehen, sofern der Gasfluss nach der Wartung von Nord Stream 1 wieder "in vollem Umfang aufgenommen wird".

Was ist der Grund für die hohen Strompreise?

Grund für die derzeit hohen Preise sei die sogenannte Merit-Order, so der Experte. Kraftwerksbetreiber "möchten die Kosten für die letzte, gerade noch produzierte Megawattstunde abgedeckt haben". Die Merit-Order besage nun, dass das Kraftwerk mit dem niedrigsten Preis zuerst zum Zuge komme bis zum teuersten. "Alle Kraftwerke, die benötigt werden, um den momentanen Strombedarf zu decken bekommen die Kosten vergütet, die auch das letzte, das teuerste Kraftwerk vergütet bekommt." Der Strompreis wird also durch das jeweils teuerste Kraftwerk bestimmt, das noch benötigt wird, um die Nachfrage von Strom zu decken.

Die gestiegenen Kosten bei Gas würden dann auch an die Stromkunden weitergegeben werden. Wobei sich der Strompreis aus Stromkosten, Netzgebühren und Steuern zusammensetze.

An sich habe dieses Modell der Preisbestimmung "gut funktioniert "in den letzten Jahren seit der Strommarkt-Liberalisierung. Außerdem biete es Anreize für den Ausbau der erneuerbaren Energie.

Bei einem Spritpreisdeckel mahnt Weyerstraß zur Vorsicht: "Davon profitieren nun mal in allererster Linie diejenigen, die viel Sprit beispielsweise verbrauchen." Diese Maßnahme sei außerdem "absolut nicht zielgerichtet".

Maximilian SperaQuelle: Redaktion / msp