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Bekannter Fahrradhändler ist pleite

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Die Corona-Pandemie brachte einen Boom für die Fahrrad-Industrie, aber auch massive Lieferprobleme. Es folgten ein Umsatzrückgang und "Rabattschlachten" bei den Händlern. Ein bekannter Wiener Fahrradhändler ist deshalb in die Pleite gerutscht.

"Denn mit unseren Fahrrädern, werden Sie das Radfahren bei jedem Wetter lieben - und nicht mehr damit aufhören können", ist auf der Webseite des Wiener Fahrradhändlers "Bike + More" zu lesen. Die Rede ist von mehr als 30 Jahren Erfahrung und 1.000 Rädern auf der Verkaufsfläche im 22. Wiener Bezirk. 

"Kompetente Beratung - mit BIKE+MORE haben Sie einen kompetenten Partner für Ihren Fahrradkauf gefunden", heißt es weiter. Die Bike + More Handelsgesellschaft m.b.H. ist allerdings in die Pleite gerutscht. Laut Creditreform wurde ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung am Handelsgericht Wien eröffnet. Davon sind 12 Mitarbeiter:innen betroffen. 

Jähes Ende des Corona-Booms

Während der Corona-Pandemie boomte die Rad-Industrie, besonders in den Jahren 2020 und 2021. Die Nachfrage nach einer Freizeitbeschäftigung im Einklang mit vielen Beschränkungen im Alltag war enorm, die Händler hatten begehrte Fahrräder oft gar nicht lagernd, Lieferengpässe sorgten teils für lange Wartezeiten. 

Doch der Aufschwung nahm ein jähes Ende, der Absatz ging in den Folgejahren wieder deutlich zurück. "Zuvor wurde zu Zeiten der Pandemie panikartig und auf Anraten der Hersteller Räder übermäßig vorbestellt, die anschließend erst gegen Ende des Jahres 2022 – bis 2023 ausgeliefert werden konnten", so das Unternehmen in einer Mitteilung an das Gericht. 

Rabattschlachten und Umsatzeinbruch

"Ein gleichzeitig starker Kaufrückgang und volle Lager sorgen aktuell für 'Rabattschlachten' von bis zu minus 80 Prozent in der Fahrradbranche, was auch bei der Antragstellerin zu einem Umsatzrückgang von mehr als 20 % im ersten Halbjahr 2023 führte", hieß es weiter. 

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Der Umsatzeinbruch und eine nicht verlängerte Kreditlinie der Hausbank hätten nun die "drohende Zahlungsunfähigkeit" zur Folge. Von der Pleite sind 27 Gläubiger:innen in einem Ausmaß von 1,35 Millionen Euro betroffen.

Unternehmen soll fortgeführt werden

Die Pleite soll aber nicht das Ende des Unternehmens sein. "Der Sanierungsplan zeigt, dass bei geringeren Umsätzen eine positive Fortführung möglich ist", heißt es. Man erwarte auch, dass der Umsatz durch den "Wegfall von bedeutenden Konkurrenten" wieder steigen werde. 

So wolle man die langjährigen Beziehungen zu den Lieferanten nutzen und habe auch auf an der Kostenschraube gedreht. "Der Personalstand wurde den aktuellen Umständen angepasst und die Fixkosten deutlich reduziert. Auch können 2 von 4 Leasingfahrzeugen zurückgestellt werden", so das Unternehmen. 

ribbon Zusammenfassung
  • Die Corona-Pandemie brachte einen Boom für die Fahrrad-Industrie, aber auch massive Lieferprobleme. Es folgte ein Umsatzrückgang und Rabattschlachten bei den Händlern.
  • Ein bekannter Wiener Fahrradhändler ist deshalb in die Pleite gerutscht.
  • Die Bike + More Handelsgesellschaft m.b.H. mit Sitz in Wien hat ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beantragt.
  • Von der Pleite sind 12 Mitarbeiter:innen und 27 Gläubiger:innen in einem Ausmaß von 1,35 Millionen Euro betroffen.

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