APA - Austria Presse Agentur

Schulbeginn: Kritik an Maßnahmen, Forderung nach Garantie für offenene Schulen

05. Sept 2021 · Lesedauer 4 min

Die NEOS verlangen vor dem Schulstart in Ostösterreich eine Garantie für offene Schulen im Herbst. Die SPÖ will ein Unterstützungspaket. Der Innsbrucker Kinderklinikchef fordert einheitliche Quarantäneregeln.

Außerdem brauche es laut den NEOS Mut, an den "großen Schrauben" wie dem Ausbau verschränkter Ganztagsschulen oder der finanziellen Autonomie von Schulen zu drehen. Die SPÖ wiederum fordert ein "Unterstützungspaket für Eltern". So sollen etwa digitale Endgeräte wie Laptops für Schüler gratis sein.

Neben offenen Schulen wollen die NEOS diese auch "aus einem rein epidemiologischen Krisenmanagement herausholen". Unter anderem brauche es einen bundesweiten Chancenindex, mit dem ein Teil der Mittel anhand der sozialen Zusammensetzung der Schülerschaft verteilt wird. Außerdem nötig seien flächendeckende und niederschwellige Gesprächs- und Beratungsangebote sowie der dauerhafte Einsatz multiprofessioneller Teams zur psychischen Entlastung der Kinder nach monatelangen Distance-Learning-Phasen", so Bildungssprecherin Martina Künsberg Sarre und Jugendsprecher Yannick Shetty in einem Offenen Brief.

SPÖ: Laptops sollten gratis sein

Die SPÖ sieht nicht ein, warum Laptops nicht wie Schulbücher gratis für die Kinder sind: So müssten etwa Eltern von Kindern in der fünften und sechsten Schulstufe auch dann 100 Euro Selbstbehalt für ein im Rahmen der Geräteinitiative der Regierung ausgegebenes digitales Endgerät bezahlen, wenn kurz davor ein anderes angeschafft wurde. Wie auch die NEOS will SPÖ-Bildungssprecherin Petra Vorderwinkler offene Schulen im Herbst. Dafür müsse fix zumindest im Wintersemester flächendeckend dreimal wöchentlich mit PCR-Tests getestet werden, wenn nötig auch das ganze Schuljahr. Außerdem brauche es Luftfilter in allen Klassen sowie einen Sonderurlaubstag zu Schulbeginn und die Wiedereinführung der Sonderbetreuungszeit.

Für die Kindergärten verlangt die SPÖ eine Kindergartenmilliarde des Bundes sowie einheitliche Standards und Regeln in Österreich. Derzeit gebe es den "sprichwörtlichen Fleckerlteppich"mit unterschiedlichen Regelungen zu Gruppengrößen, Pädagoginnen-Kind-Schlüssel, Öffnungszeiten, Schließtagen, Kosten etc. in jedem Bundesland, monierte Kommunalsprecher Andreas Kollross.

FPÖ gegen Maßnahmen an Schulen

Die FPÖ sprach sich vor dem Schulstart erneut gegen die geplanten Maßnahmen im Schulbereich aus. "Schüler sind die am wenigsten gefährdete Gruppe. In der Schule braucht es weder einen Testzwang noch eine Maskenpflicht und schon gar keinen Impfzwang", so Obmann Herbert Kickl und der niederösterreichische Landesparteiobmann Udo Landbauer in einer Aussendung. Der Regierung gehe es nur mehr um Masken, Testen, Impfen und Strafen. "Das Ziel ist klar: Den Druck auf Eltern, Kinder und Lehrer auf allen Ebenen so zu erhöhen, dass sie sich schließlich doch impfen lassen", meinte Kickl.

Kinderklinikchef für Quarantäneregeln

Was bei einem Corona-Fall im Klassenzimmer zu tun ist - also wer und wie viele Kinder und Jugendliche dann wie lange zu Hause bleiben müssen - entscheidet im anlaufenden neuen Schuljahr die lokale Gesundheitsbehörde. Der Direktor der Innsbrucker Kinderklinik Thomas Müller sowie der Epidemiologe Peter Willeit von der Medizinischen Universität Innsbruck pochen aber im APA-Interview auf einheitliche Regeln und plädieren dafür, dass nicht die gesamte Klasse in Quarantäne muss.

Vielmehr sehen sie die Lösung in regelmäßigen PCR-Tests und dem Tragen von FFP2-Masken von nicht geimpften K1-Schülern, während gesunde Geimpfte ohne PCR-Tests weiter den Unterricht besuchen. Die beiden Forscher waren auch an der Durchführung der Schul-Antigenstudie beteiligt. Hier wurde beobachtet, dass häufige Cluster in Klassen eher die Ausnahme bildeten. Inwieweit die ansteckendere Delta-Variante diese Erkenntnis revidieren wird, sei aber noch offen, gaben sie zu bedenken.

Bei einem positiven Fall in einer Klasse sollen alle Kinder eine Maske aufsetzen und bis Unterrichtsende dort bleiben, schlägt Müller vor. Immerhin müssen die Kinder ja betreut werden und Eltern können nicht immer sofort den Arbeitsplatz verlassen.

Quelle: Agenturen