APA - Austria Presse Agentur

Reggae-Sänger Gentleman singt erstmals Deutsch

17. Nov 2020 · Lesedauer 2 min

Deutschlands Reggae-Star Gentleman bringt am Freitag sein neues Album "Blaue Stunde" heraus - auf dem er erstmals in deutscher Sprache singt. Der Gedanke, das einmal auszuprobieren, habe ihn seit langem nicht losgelassen, sagte der Musiker im APA-Interview. "Nun war die Zeit reif. Ich konnte meinem inneren Drang nicht mehr standhalten", schmunzelte der Künstler mit dem bürgerlichen Namen Tilmann Otto.

"Dass in den Breitengraden, in denen ich am meisten spiele und die meisten Platten verkaufe, meine Texte nicht immer verstanden werden, hat mich stets ein bisschen gewurmt", erzählte Gentleman. Bis zur Umsetzung seines "Herzenswunsches", sich "einmal der Muttersprache zu bedienen", hat es allerdings gedauert. "In der Fernsehshow 'Sing my Song' habe ich dann das erste Mal auf Deutsch performt. Das hat sich überhaupt nicht wie ein Fremdkörper angefühlt. Ich musste mich entgegen meiner Erwartung nicht erst reinfinden. Ich hatte das Gefühl, den Leuten direkt ins Herz zu singen, weil es keine Sprachbarriere gibt. Das war der Moment, wo ich mir gedacht habe, ich probiere das jetzt aus."

Allerdings habe er sich die Umsetzung "ein bisschen einfacher" vorgestellt. Denn erst mussten die richtigen Wörter gefunden werden, um dem typischen Gentleman-Flow auf Deutsch gerecht zu werden. "Es ging also darum, eine eigene Sprache zu entwickeln und keine Worte zu gebrauchen, die ich auch sonst im Alltag nicht verwende. Alle Worte, die ich singe, würde ich auch in einer Unterhaltung benutzen. Das habe ich überprüft."

Über die Vorgehensweise sagte Gentleman: "Meistens habe ich über die Lieder zuerst jibberisch phonetisch gesungen, dann galt es, die deutschen Texte draufzupacken. Im Englischen geht das viel einfacher. Aber die Erfahrung war schön, nach so vielen Jahren, etwas total Frisches zu machen. Ich hatte so um die hundert Demos zur Verfügung, die in den vergangenen drei, vier Jahren entstanden sind. 16 Songs schafften es auf das Album. Früher war das immer so: Oh, im August ist Album-Release, ich brauch noch zwei Songs!"

"Blaue Stunde" bewege sich auf einer "sehr persönlichen Ebene": "Wenn du dieses Album hörst, lernst du mich kennen", sagte Gentleman. "Was früher ein bisschen schwieriger war. Weil da ging es immer um diesen zentralen Vibe von Reggae, also auch um sozialkritische, politische Musik, gegen Ungerechtigkeit und darum, Leuten eine Stimme zu geben, die keine haben. Das hat so beim deutschsprachigen Projekt nicht funktioniert. Ich habe aber schon bei den letzten englischen Alben versucht, weniger von 'denen' zu singen und mehr von 'mir' oder 'dir'."

Quelle: Agenturen