Haselmayer: "Die Oberen schauen schon lange nicht mehr auf die Unteren"

29. Juli 2022 · Lesedauer 3 min

Christoph Haselmayer, Meinungsforscher und Geschäftsführer des Instituts für Demoskopie und Datenanalyse (IFDD), analysiert im Newsroom LIVE die PULS 24 Sommergespräche von Nehammer, Kogler und Kickl.

Bei dem Gespräch mit Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) war eines der Themen die CO2-Steuer. Kogler meinte, es ging bei dieser um eine "Umverteilung von oben nach unten" und würde einen Anreiz zum Energiesparen geben. Für Haselmayer war die Antwort des Vizekanzlers rein für die Kernwähler der Grünen. Die Partei hänge bei den Umfragewerten derzeit bei acht bis zehn Prozent und würde nicht weiterkommen.

CO2-Steuer nicht sozial

Dass die Grünen versuchen, die CO2-Steuer als Sozialpolitik darzustellen, lehnt Haselmayer ab. Für ihn ist die Einführung der Steuer nicht sozial, denn die Umverteilung würde lediglich die Mittelschicht treffen. Diese müsste an der Zapfsäule mehr zahlen und es würde zu einem Schrumpfen der Mittelschicht führen. Der Oberschicht sei es "komplett egal", ob sie monatlich mehr zahle, meint Haselmayer.

Kickls Wählerpotenzial

Herbert Kickl (FPÖ) hat bei seinem Sommergespräch besonders die Sanktionen gegen Russland kritisiert, denn diese würden der Bevölkerung nur schaden. Mit dem Thema der Sanktionen könne Kickl ein Wählerpotenzial von 30 Prozent erreichen, so Haselmayer. Eine repräsentative Umfrage konnte zeigen, dass 82 Prozent der Meinung sind, dass Österreich unter den Sanktionen leide. Auch die "Frage der Woche" von Café Puls habe gezeigt, dass fast die Hälfte der Befragten der Meinung sind, dass die Sanktionen schaden und daher abgeschafft gehören. Genau diese Wählergruppe könne Kickl in Zukunft mit der FPÖ erreichen.

Wohnung sind bereits kalt

Nehammers Versprechen, dass keine Wohnung in diesem Winter kalt sein werde, kann Haselmayer nur mit einem tendenziellen "Nein" beantworten. Es gäbe nämlich bereits viele Wohnungen, die in der Vergangenheit kalt waren. Nehammer habe laut Haselmayer einen elitären Blick, denn "die Oberen schauen schon lange nicht mehr auf die Unteren".

Die junge Generation, aber auch die Baby-Boomer-Generation seien es nicht gewöhnt, sich einzuschränken: "Wenn ich etwas gewohnt bin, dann gebe ich das ja ungern her". Die Generation kurz vor oder nach dem Zweiten Weltkrieg wäre die einzige, der es zuzutrauen sei.

Außerdem stelle sich die Frage, welchem Industriebetrieb man das Gas zuerst abdrehe. Dies hätte die Folge, dass immer mehr in Kurzarbeit gehen müssten und mehr arbeitslos werden würden. Eine Steigerung der Inflationen könne ebenfalls eintreten bis hin zu einer Rezession. Menschen hätten dadurch nur noch weniger Geld für Grundnahrungsmittel oder gar ein warmes Zimmer.

Die PULS 24 Sommergespräche von Beate Meinl-Reisinger (NEOS) und Pamela Reni-Wagner (SPÖ): 

Astrid PozarekQuelle: Redaktion / poz