Kickl: "Brauchen gedeihliche Zukunft mit Russland"

28. Juli 2022 · Lesedauer 4 min

FPÖ-Chef Herbert Kickl sieht eine Notwendigkeit für Österreich, mit Russland zu verhandeln. Sowohl was die Gas-Versorgung betrifft, als auch im Ukraine-Krieg. Denn seiner Meinung nach würden die EU-Sanktionen nicht den Krieg beenden, sondern nur die Österreicher:innen belasten.

"Wir brauchen eine gedeihliche Zukunft im Verbund mit Russland", meint FPÖ-Chef Herbert Kickl zu Österreichs Stellung in der EU-Sanktionspolitik gegen Russland. Man könne einen Frieden nicht mit Sanktionen erreichen. Dadurch, sowie mit Waffenlieferungen, würde sich seiner Meinung nach der Krieg nur verlängern.

"Die Russen sind es gewohnt in der breiten Masse in Armut zu leben. Die kennen das. (…) Wir kennen das seit dem Zweiten Weltkrieg und der Aufbauphase nicht mehr", erklärt er im PULS 24 Sommergespräch. Daher sei die Sanktionsstrategie der EU laut Kickl nicht zielführend und führe nur zu einem "enormen Schaden in der eigenen Bevölkerung". In diesem Bereich sei man "ähnlich verbohrt, wie bei Corona", betont Kickl welcher sich auch sich klare Worte von Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) wünscht.

In Klimapolitik auf Eigenverantwortung setzen

Auch im Bereich der Gas-Abhängigkeit sieht Kickl die Notwendigkeit mit Russland zu verhandeln. Die Umstellung auf Gas-Alternativen brauche Zeit und könne nicht in kürzester Zeit vorgenommen werden. Ansonsten sei Österreich mit einer Verschiebung der Abhängigkeit von anderen Ressourcen und Ländern konfrontiert.

Die CO2- Abgabe sei für den FPÖ-Chef dennoch "sinnlos". "Ich kann ja nicht auf der einen Seite hergehen und jeden Tag irgendwelche Ideen entwickeln, wie ich die Menschen entlaste und dann gib ich ihnen ein paar Euro in den linken Hosensack und aus dem rechten ziehe ich es ihnen wieder raus. Das ist doch absurd", kritisiert er im Sommergespräch. Generell brauche es für ihn kein "Gouvernantentum und Schulmeisterliches", um erfolgreich gegen die Energiekrise vorzugehen. Stattdessen setzte er hier auf Eigenverantwortung.

Keine Koalitionsverhandlungen - "Affront" 

"Wir sind am richtigen Weg", analysiert Kickl die aktuellen Umfragewerte, auch wenn diese nicht wirklich an die besten Zeiten unter seinem Vorgänger Heinz-Christian Strache heranreichten. "Es geht nicht darum, dass man die Umfragen gewinnt, sondern die Wahlen", meinte er zu den Erfolgschancen der Freiheitlichen. Sollte die FPÖ tatsächlich gewinnen, "dann glaube ich, wäre es der größte Affront gegenüber den Wählern zu sagen, wir verschließen uns jetzt einer Aufnahme von Gesprächen über eine Koalition".

Entlässt Rosenkranz die Regierung? 

Seinem Kandidaten für die Bundespräsidentenwahl, der aktuelle Volksanwalt Walter Rosenkranz, traut Kickl zudem zu, dass er die Regierung sofort entlässt, sollte dieser tatsächlich in die Hofburg einziehen. Formell wird einem neuen Staatsoberhaupt nach Amtsantritt dieser Schritt ja angeboten - und traditionell abgelehnt. "Wer sagt denn, dass man das nicht diesmal anders machen kann", so Kickl, denn: "Es ist sehr, sehr viel passiert in diesen letzten zwei Jahren." Die Situation sei "sehr dramatisch, sie spitzt sich zu".

Eine Opferrolle in der Politik "unnötig"

Anfeindungen gegen seine Person hänge Kickl hingegen "nicht an die große Glocke". "Wer eine bestimmte Funktion einnimmt, der weiß, dass das dazugehört", meint er im Sommergespräch. Eine bestimmte Opferrolle einzunehmen, wie es laut Kickl manche Politiker machen, sei "unnötig".

Angesprochen auf die Rücktritten der Landeshauptmänner Günther Platter und Hermann Schützenhöfer – die u.a. als Grund für diesen Morddrohungen gegen ihre Person nannten – vertritt Kickl allerdings eine andere Meinung. Diese zeugen laut ihm nicht von "einem gestandenen Mannsbild", denn man entziehe sich der politischen Verantwortung. "In Wahrheit ist es eine politische Talfahrt, auf der die ÖVP unterwegs ist. Die Menschen haben das Vertrauen verloren", so der FPÖ-Chef.

Das PULS 24 Sommergespräch 2022 mit FPÖ-Chef Herbert Kickl, um 20:15 Uhr auf PULS 4 und auf der ZAPPN App.

Angela PerkonigQuelle: Redaktion / pea