Anneliese Rohrer über Kurz-Statement: "Das ist Game Over"

08. Okt 2021 · Lesedauer 3 min

Für Journalistin Anneliese Rohrer ist die Kanzlerschaft von Sebastian Kurz (ÖVP) endgültig vorbei. Sie diskutiert darüber mit Paul Ronzheimer von der "Bild"-Zeitung, der an Neuwahlen in einem halben Jahr glaubt.

In der überraschenden Stellungnahme von Kanzler Sebastian Kurz am Freitagabend vermochte Journalistin Anneliese Rohrer keine Gesprächsbereitschaft zu erkennen. "Ich finde es sehr bezeichnend, dass er das Ultimatum der Grünen völlig ignoriert hat, so als würde er sie gar nicht ernst nehmen", meint Rohrer.

Das Ultimatum der Grünen liege nach wie vor am Tisch: "Entweder am Dienstag ohne Kurz oder wir stimmen dem Misstrauensantrag zu."

Paul Ronzheimer, stellvertretender Chefredakteur bei "Bild" und Autor der Kurz-Biografie, hingegen bewertet den Auftritt des Kanzlers als Druck gegen die Grünen. Kurz wolle Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) zurück an den Verhandlungstisch bringen. "Die ÖVP geht nicht davon aus, dass es andere Mehrheiten gibt", sagt Ronzheimer.

"ÖVP wird weiter hinter Kurz stehen"

Und tatsächlich sieht Ronzheimer keine Einigung bei den anderen Parteien kommen, es fehle an Ordnung und an Führung, sagt er. Und die ÖVP werde weiterhin hinter Kurz stehen, so Ronzheimer – es sei denn, es tauchen noch weitere Vorwürfe auf.

Denn Ronzheimer hält es zwar für "wenig glaubhaft", dass Kurz nichts über die Machenschaften von Thomas Schmid und Co. gewusst hätte, ob es juristisch beweisbar sei, sei aber eine andere Frage.

"Was will er noch? Wieviel Glaubwürdigkeit will er noch einheimsen?"

Dass die ÖVP mit Kurz weitermachen könne, kann sich Rohrer nicht vorstellen. Die Ausführungen von "Bild"-Vize-Chefredakteur und Autor der Kurz-Biografie Paul Ronzheimer in diese Richtung hält sie für "Spiegelfechterei".

In Bezug auf die jüngsten veröffenltichten Chatprotokolle ist ihre Einschätzung: "Unterm Strich muss man doch sagen - strafrechtlich hin oder her - mit dem Sittenbild ist kein Staat mehr zu machen", so Rohrer klar. Auch der Bundespräsident habe das klar angesprochen.

Egal wie lange die Nachrichten zurückliegen, "Spitzenpolitiker - und er war damals immerhin Außenminister - die sich so äußern... was will er noch? Wieviel Glaubwürdigkeit will er noch einheimsen?" Ihr Urteil: "Das ist Game Over." Was für den ehemaligen FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache nach Ibiza gegolten habe, müsse nun auch für Kurz gelten.

"Ein knallharter Machtkampf"

Nun sei jedenfalls ein "knallharter Machtkampf" entbrannt, sagt Ronzheimer. Er rechnet mit einer Expertenregierung für ein halbes Jahr, dann mit Neuwahlen. Bei diesen könnte Kurz auf 30 Prozent kommen, vermutet Ronzheimer.

Auch Rohrer hält die Expertenregierung für wahrscheinlich, auch wenn sie anmerkt, dass Österreich politische Entscheidungen und keine Verwaltung brauche. Eine Koalition gegen Kurz sieht sie hingegen nicht: "Wir sind noch nicht so weit wie Israel".

Quelle: Redaktion / hos, koa