Frauentag

Unbezahlte Care-Arbeit: Massive finanzielle Nachteile für Frauen

Heute, 14:43 · Lesedauer 4 min

Durch unbezahlte Care-Arbeit entstehen massive finanzielle Nachteile für Frauen. Das hat auch Auswirkungen auf die Altersarmut: Immer noch bekommen Frauen in Österreich knapp 40 Prozent weniger Pension als Männer. Ursache für die Problematik sind unter anderem traditionelle Rollenbilder.

Wenn man unbezahlte Tätigkeiten wie waschen, kochen, putzen, einkaufen, Kinder betreuen und Angehörige pflegen mit einem durchschnittlichen Bruttostundenlohn "bewertet", dann entspreche das einem Wert von ungefähr 100 Milliarden Euro im Jahr, zeigt eine aktuelle Studie des Momentum Instituts

Wie die Studie auch zeigt, gibt es nach wie vor ein sehr großes Ungleichgewicht, was die Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit zwischen Männern und Frauen in Österreich betrifft, betont Ökonomin Sophie Achleitner vom Momentum Institut im PULS 24-Interview.

Care-Arbeit: Zwei Drittel übernehmen Frauen

In Österreich übernehmen zwei Drittel dieser Tätigkeiten nämlich Frauen. Schaue man sich die bezahlten und unbezahlten Arbeitsstunden an, dann "arbeiten Frauen auf die Woche betrachtet sogar 1,5 Stunden mehr, obwohl sie eine niedrigere Erwerbsbeteiligung haben", so Achleitner.

Der Gender Pay Gap - also die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen - berücksichtigt diese unbezahlte Arbeit nicht. Würde man diese aber mitrechnen, dann würde der Gender Pay Gap in Österreich laut dem Momentum Institut von derzeit 11,6 Prozent auf satte 45 Prozent hochfahren. Das heißt: Wenn man die unbezahlte Arbeit einbezieht, "dann bekommen Frauen in Österreich im Schnitt 45 Prozent weniger gezahlt als Männer". 

"Massive Lebenseinkommensverluste"

Rechnet man das auf das gesamte Leben hoch, wirkt sich die unbezahlte Arbeit auch auf die Altersarmut aus. "Frauen bekommen weniger Einkommen, sie arbeiten häufiger in Teilzeit und sie haben auch häufiger Karriereunterbrechungen", meint Achleitner dazu. Jede zweite erwerbstätige Frau in Österreich sei in einem Teilzeitjob beschäftigt ist. Hier müsse man aber dazu sagen: "Sehr viele Frauen arbeiten nicht freiwillig in Teilzeit, sondern dass das eben die gesellschaftlichen Strukturen sind, die sie dazu zwingen."

So seien zum Beispiel die Kinderbetreuung und Pflegeheime nicht mit einer Vollzeitbeschäftigung vereinbar. "Wenn der Kindergarten um 14 Uhr schließt, dann sind es meistens die Frauen oder die Mütter, die die Betreuung für den Rest des Tages übernehmen - auf Kosten ihrer Vollzeitgehälter".

Die jahrelangen Teilzeitphasen und die Karriereunterbrechungen führen schließlich zu "massiven Lebenseinkommensverlusten", betont Achleitner und verweist dabei auf den Gender Pension Gap, also die Pensionslücke zwischen Männern und Frauen. Diese liegt bei knapp 40 Prozent. Gerade deshalb sei Altersarmut ein "überwiegend weibliches Problem". "Wenn wir uns anschauen, wer Mindestpension bezieht, dann sind das auch zu zwei Drittel Frauen."

Video: Frauen: Viel geleistet, wenig Pension

Care-Arbeit und traditionelle Rollenbilder

Dass Frauen häufiger Care-Arbeit übernehmen, fange laut Achleitner bereits bei den Jüngsten an: So würden weibliche Teenager häufiger im Haushalt helfen oder Geschwister betreuen. Grund dafür seien auch traditionelle Rollenbilder: "Wenn es für Kinder normal ist, dass die Mutter sich fast ausschließlich um sie kümmert und der Vater das Geld nachhause bringt, dann wird es umso schwieriger diese Rollenbilder aufzubrechen."

"Was man zuhause vorgelebt bekommt, das macht man dann wahrscheinlich auch im eigenen Erwachsenen- und Familienleben weiter so nach", so die Ökonomin. Ein gutes Beispiel hierfür sei die niedrige Väterkarenzbeteiligung in Österreich: Nur 16 Prozent der Väter nehmen überhaupt eine Elternkarenz in Anspruch.

Maßnahmen: "Immer noch zu wenig"

Politisch seien "erste Fortschritte sicherlich schon bemerkbar". "Allerdings ist das immer noch zu wenig", betont Achleitner. Es brauche einen "flächendeckenden Ausbau der sozialen Infrastruktur", also vom Kindergarten bis zum Pflegeheim. Das müsse "ausreichend verfügbar und möglichst kostengünstig sein und mit einer Vollzeitbeschäftigung überhaupt vereinbar".

Gleichzeitig brauche es auch Maßnahmen, die dafür sorgen, dass die traditionellen Rollenbilder und die Ungleichverteilung von unbezahlter Arbeit aufgebrochen wird. Als Beispiel nennt Achleitner  eine verpflichtende Väterkarenz. Studien würden zeigen: Wenn Väter in Karenz gehen und vor allem wenn sie lange gehen, dann "übernehmen sie auch später mehr Hausarbeiten, beteiligen sich mehr bei der Kindererziehung und -betreuung".

Video: Warum viele Frauen in die Altersarmut rutschen

Zusammenfassung
  • Durch unbezahlte Care-Arbeit entstehen massive finanzielle Nachteile für Frauen.
  • Das hat auch Auswirkungen auf die Altersarmut: Immer noch bekommen Frauen in Österreich knapp 40 Prozent weniger Pension als Männer.
  • Ursache für die Problematik sind unter anderem traditionelle Rollenbilder.