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Weltfrauentag betont die Relevanz psychischer Gesundheit

Heute, 09:55 · Lesedauer 2 min

Anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März weist der Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen (BÖP) auf die anhaltend ungleiche Verteilung psychischer Belastungen und Versorgungsmöglichkeiten zwischen den Geschlechtern hin. Auch die Krebshilfe verwies auf ein deutliches Geschlechter-Ungleichgewicht: Demnach sind 75 Prozent der Hilfesuchenden Frauen. 2025 suchten rund 25.000 Menschen Beratung und Hilfe, davon 18.000 Frauen und 6.000 Männer.

Auch bei der finanziellen Soforthilfe zeige sich dieses Bild: Von 530 dokumentierten Fällen entfielen 424 auf weibliche und 106 auf männliche Patienten. Besonders hoch ist der Bedarf bei Brustkrebspatientinnen. Hier verzeichnete die Krebshilfe 2025 rund 8.000 notwendige Beratungen sowie etwa 250 Fälle finanzieller Soforthilfe, hieß es in einer Aussendung am Donnerstag.

"Auch wenn Frauen eher bereit sind, über ihre Erkrankung zu sprechen und Hilfe anzunehmen als Männer, verschärfen auch soziale und ökonomische Belastungen, die Frauen im Krankheitsfall besonders häufig tragen, die Situation vieler Patientinnen zusätzlich", sagte Krebshilfe-Präsident Paul Sevelda. "Dazu gehören die immer noch bestehenden grundsätzlichen Einkommensdifferenzen zwischen Frauen und Männern, Einkommensverlust, Teilzeitbeschäftigung, Care-Arbeit und oftmals geringere finanzielle Rücklagen", so Sevelda.

Der BÖP informierte, dass Frauen überdurchschnittlich häufig von Depressionen, Angststörungen, psychosomatischen Erkrankungen und Gewalterfahrungen betroffen sind. Außerdem stoßen sie besonders oft auf finanzielle, strukturelle und diagnostische Hürden beim Zugang zu psychologischer Hilfe, und Leiden von Frauen würden deutlich häufiger bagatellisiert und nicht ernst genommen. "Psychische Gesundheit ist kein individuelles Luxusproblem, sondern unser aller gesellschaftliche Verantwortung", betonte Beate Wimmer-Puchinger, Präsidentin des BÖP. "Wenn Frauen trotz höherer Belastung länger auf Therapieplätze warten oder Behandlungen selbst finanzieren müssen, dann ist das keine private Schwierigkeit, sondern ein Gerechtigkeitsdefizit."

Ein zentraler Belastungsfaktor bleibe die ungleiche Verteilung unbezahlter, familiärer Care-Arbeit. Die Gleichzeitigkeit u.a. von Erwerbsarbeit, Kinderbetreuung und Pflege von Angehörigen führe bei vielen Frauen zu chronischer Überforderung. Diese strukturelle Mehrfachbelastung werde noch fälschlicherweise als selbstverständlich akzeptiert. Der BÖP fordert daher den Ausbau niederschwelliger, kassenfinanzierter Präventionsangebote, die frühzeitig entlasten und nicht erst im Stadium schwerer Erkrankungen ansetzen. Außerdem machte der BÖP auf Defizite in der geschlechtersensiblen Diagnostik aufmerksam. Der BÖP appellierte an die politischen Entscheidungsträgerinnen und Träger, psychische Gesundheit von Frauen als festen Bestandteil von Gleichstellungs- und Gesundheitspolitik zu verankern.

Zusammenfassung
  • Laut Krebshilfe waren 2025 rund 75 Prozent der 25.000 Hilfesuchenden Frauen, was sich auch bei der finanziellen Soforthilfe widerspiegelt: 424 von 530 Fällen betrafen weibliche Patientinnen.
  • Der BÖP fordert den Ausbau niederschwelliger, kassenfinanzierter Präventionsangebote und eine stärkere Berücksichtigung der psychischen Gesundheit von Frauen in Gleichstellungs- und Gesundheitspolitik.