"Keine Kriege"
Friedensmotto bröckelt: Wie Trumps Iran-Krieg die USA spaltet
Die USA und Israel haben am Samstag massive Luftangriffe auf den Iran begonnen. Als Reaktion darauf greift der Iran seit Samstag Israel sowie US-Militärstützpunkte und US-Einrichtungen, aber auch zivile Ziele wie Hotels, Flughäfen, Wohn-und Industriegebiete in der Golfregion an.
"Keine Kriege": Friedensmotto bröckelt
Die USA wollen ihre Attacken im Iran nach den Worten von US-Präsident Trump deutlich verstärken. "Wir haben noch nicht einmal angefangen, hart zuzuschlagen", sagte er dem Sender CNN Anfang der Woche. "Die große Welle kommt bald." Er gehe von etwa vier bis fünf Wochen Krieg aus. Notfalls könne es aber auch länger dauern.
Trump verteidigte den Angriff als notwendig, da er das "Gefühl" gehabt habe, Teheran würde nach dem Scheitern der Atomgespräche angreifen.
Dieser Schritt Trumps sorgt jedoch für viel Kritik - auch in seinen eigenen politischen Reihen. Nicht zuletzt auch, weil der US-Präsident bereits Anfang Jänner Venezuela angriff. Der Angriff, der eine Eskalation des seit Sommer 2025 andauernden Konflikts darstellte, wurde von vielen politischen Beobachter:innen als völkerrechswidrig bewertet.
Dabei hat der US-Präsident noch während seines Wahlkampfes 2024 gesagt, er sei der "erste Präsident der Neuzeit", der "keine neuen Kriege begonnen hat". Mehrfach forderte er den Friedensnobelpreis für sich ein, da er "acht Kriege" beendet haben will. Sein Friedensmotto scheint nun jedoch zu bröckeln.
Umfrage: Nur 27 Prozent der Amerikaner befürworten Iran-Angriff
Den Angriff der Vereinten Staaten auf den Iran befürwortet nur jede:r vierte Amerikaner:in, wie eine aktuelle Umfrage von Reuerts/Ipsos zeigt. 43 Prozent der Befragten lehnen die Attacke ab, gerade einmal 27 Prozent befürworten sie. 29 Prozent sind unschlüssig.
56 Prozent sind der Meinung, Trump sei zu bereit, militärische Gewalt einzusetzen, um US-Interessen durchzusetzen.
Auch die generelle Zustimmung zu Trump ist leicht gesunken - sie liegt nun bei 39 Prozent. Diese lag bei einer Umfrage vom 18. bis 23. Februar bei 40 Prozent, im November fiel die Zustimmung der US-Bevölkerung mit 38 Prozent auf den niedrigsten Stand seiner zweiten Amtszeit.
Video: Iran ohne Plan: Experte sieht "unkoordinierte Gegenschläge“
"Was macht ihr Verrückten?": Kritik von MAGA-Bewegung
Die oppositionellen Demokraten werfen Trump vor, das Vorgehen decke sich nicht mit den amerikanischen Interessen und kritisierten außerdem das Fehlen eines klaren Plans für ein Ende des Krieges.
Am Mittwoch scheiterte der Senat jedoch mit einem Beschluss für ein Ende des Iran-Krieges. Fast alle Republikaner stimmten gegen den Verfahrensantrag und unterstützten damit die Militäraktion von US-Präsident Donald Trump, fast alle Demokraten unterstützten die Resolution dagegen.
Nichtsdestotrotz kommt auch Kritik aus Trumps eigenen republikanischen Reihen, der "Make America Great Again"-Bewegung.
Die republikanische Ex-Abgeordnete Marjorie Taylor Greene schrieb auf "X": "Wir haben für 'America First' und NULL Kriege gestimmt." Das was gerade passiert, sei nicht "was wir uns unter MAGA vorgestellt haben". "Was zum Teufel macht ihr Verrückten da?", so Greene.
Der Republikaner Warren Davidson aus Ohio schrieb auf X, "America First" müsse eine Ablehnung der Kriegsmaschinerie sein. Blackwater-Gründer und Influencer Erik Prince sagte in einem Podcast mit Ex-Trump-Berater Steve Bannon: "Ich glaube nicht, dass das im Interesse Amerikas war." Prince warnte vor einer "ganzen Reihe von Problemen, Chaos und Zerstörung im Iran", die das Vorgehen auslösen könne.
Der Minderheitsführer der Demokraten im Repräsentantenhaus, Hakeem Jeffries sagte, das amerikanische Volk wolle, dass sich die amerikanische Politik darauf konzentriere, ihr Leben besser und erschwinglicher zu machen, "anstatt uns in einen weiteren endlosen Krieg im Nahen Osten zu verwickeln, der mit einem Scheitern enden wird".
Iran und USA lehnen Verhandlungen ab
Unterdessen lehnen sowohl der Iran als auch die USA Verhandlungen miteinander ab. Trump erklärte am Dienstag: Für Gespräche sei es zu spät. Sowohl die USA als auch Teheran haben ihre Angriffe massiv ausgeweitet. Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben eine neue Angriffswelle im Iran gestartet. Auch in Israel dauerten unterdessen iranische Raketenangriffe an.
Video: Trotz Krieg und Angst: "Die Hoffnung auf ein Ende des Regimes bleibt“
Zusammenfassung
- "Keine Kriege" war bereits 2024 ein zentrales Motto von Donald Trumps Wahlkampf.
- Nun sieht die Situation aber anders aus: Trump greift zuerst im Jänner Venezuela an, vor wenigen Tagen greifen die Vereinigten Staaten zusammen mit Israel den Iran an.
- Das sorgt für Kritik in den USA, auch innerhalb Trumps eigener politischer Reihen.
