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Jüdisches Museum Wien erzählt 2026 von Vergessen und Exil

09. Jan. 2026 · Lesedauer 3 min

Mit vier großen neuen Ausstellungen an den Standorten Judenplatz und Dorotheergasse setzt das Jüdische Museum Wien 2026 programmatische Schwerpunkte auf Erinnern und Vergessen, Exil und Heimatverlust sowie auf interreligiösen Dialog, Forschung und kulturelle Verflechtungen. Die Schauen spannen einen Bogen von der Auseinandersetzung mit historischen Verantwortungen bis hin zu jüdischen Exilerfahrungen, hieß es in einer Aussendung.

"Alles vergessen" (Museum Judenplatz) lädt ab 28. Jänner dazu ein, Vergessen nicht nur als Gegensatz zum Erinnern zu begreifen, sondern als Teil einer komplexen Auseinandersetzung mit Geschichte und Gegenwart. Ziel der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik war es, die jüdische Bevölkerung nicht nur zu ermorden, sondern auch die Beweise dafür zu tilgen. Nach 1945 wollten viele in Österreich vergessen, was geschehen war und woran sie sich beteiligt hatten. In Zeiten, in denen historische Verantwortung und Erinnerung zunehmend infrage gestellt werden, sei es wichtig, über die Mechanismen des Vergessens zu sprechen und zu fragen, was verdrängt und überschrieben, was übersehen und was bewusst ausgelöscht wird, so die Ankündigung. "Alles vergessen" entstand in Kooperation mit dem Jüdischen Museum Hohenems und wird dort ab 8. November gezeigt.

Der israelische Künstler Eran Shakine betitelt jedes seiner Bilder mit "Ein Muslim, ein Christ und ein Jude ..." - fast so, als wolle er einen Witz erzählen. In seinen großformatigen Arbeiten setzt er sich humorvoll mit der Frage nach den Gemeinsamkeiten und Unterschieden der drei monotheistischen Weltreligionen auseinander. Ab 20. Mai sind seine Ölkreidebilder im Museum Dorotheergasse zu sehen. Seine "Anti-Karikaturen" brechen mit Stereotypen und lenken den Blick auf das Gemeinsame.

Die Ausstellung "Heimatlos" widmet sich ab 23. September den Wiener Juden im Exil (Museum Judenplatz). Nach dem "Anschluss" wurde Wien zur Modellstadt für die systematische Vertreibung der Jüdinnen und Juden. In kürzester Zeit wurde die drittgrößte jüdische Gemeinde Europas durch Emigration, Deportation und Ermordung nahezu ausgelöscht. Für jene, die ins Ausland fliehen konnten, bedeutete dies den Verlust ihrer bürgerlichen Existenz, ihres Hab und Guts sowie ihrer Heimat. Die Ausstellung erzählt ihre Lebensgeschichten.

Die Schau "Die Morgenländer" des Jüdischen Museums Hohenems wurde für das Museum Dorotheergasse erweitert und erzählt ab 25. November von der Entstehung der Orientwissenschaften im 19. Jahrhundert und bringt eine überraschende Erkenntnis: Die Entwicklung der Islamwissenschaften, der Arabistik und der Orientalistik sei eng mit der Wissenschaft des Judentums, mit Emanzipation und Reform verbunden gewesen. Viele ihrer Protagonisten waren Wiener Juden.

(S E R V I C E - www.jmw.at)

Zusammenfassung
  • Das Jüdische Museum Wien zeigt 2026 an den Standorten Judenplatz und Dorotheergasse vier neue Ausstellungen zu Themen wie Erinnern, Vergessen, Exil und interreligiösem Dialog.
  • Die Ausstellung "Alles vergessen" startet am 28. Jänner am Judenplatz und thematisiert, in Kooperation mit dem Jüdischen Museum Hohenems, die Mechanismen des Vergessens nach der NS-Zeit.
  • "Heimatlos" widmet sich ab 23. September im Museum Judenplatz den Lebensgeschichten der Wiener Juden im Exil, nachdem Wien als drittgrößte jüdische Gemeinde Europas durch Emigration, Deportation und Ermordung nahezu ausgelöscht wurde.