Zu wenig Daten: Dritte Impfdosis im Herbst vielleicht nicht für alle notwendig

21. Mai 2021 · Lesedauer 3 min

PULS 24 Anchorwoman Bianca Ambros spricht mit der Infektiologin Ursula Hollenstein über ein mögliches Ende der Maskenpflicht und die angekündigte dritte Impfdosis, die im Herbst verabreicht werden soll.

Kommenden Freitag, dem 28. Mai, soll über Lockerungen der Maskenpflicht diskutiert werden. Mehrere Experten ließen schon diese Woche mit ihrer Einschätzung aufhorchen, dass sie sich Lockerungen schon im Juni vorstellen zu könnten, sollte die Durchimpfungsrate 40 Prozent erreichen. 

Infektiologin Ursula Hollenstein ist im PULS 24 Interview vorsichtiger. Selbst bei einer Durchimpfungsrate von 40 Prozent würde das heißen, dass nicht in jeder Gruppe 40 Prozent geimpft wären. In einer Schulgruppe wäre die Rate zum Beispiel null, während sie bei einer Ärztekonferenz 100 betragen würde. Die Entscheidung "Maske ja oder Maske nein" solle man nicht unbedingt daran koppeln, argumentiert Hollenstein.

Maske auch bei Verkühlung

In engen Räumen, wie den Öffis, wo sich Menschen drängen, würde es weiterhin Sinn machen, eine Maske zu tragen. In der Wintersaison hätten viele gemerkt, dass die Maske zum Beispiel auch gegen Schnupfen oder die Influenza schützt, sagt die Infektiologin. Im asiatischen Raum, wo Menschen oft Masken in der Öffentlichkeit tragen, nehme man mehr Rücksicht auf andere. Man könne sich überlegen, auch bei Verkühlung eine Maske zu tragen, um Mitmenschen nicht anzustecken, regt Hollenstein an. Dass nur noch Ungeimpfte Masken tragen müssen, findet die Infektiologin nicht gut, denn ein gewisses Risiko gehe auch noch von bereits Immunisierten aus. 

Dritte Impfdosis im Herbst nicht für alle?

Die Ankündigung der Verabreichung einer dritten Impfdosis im Herbst empfindet Hollenstein als "vorpreschen". Man müsse sich darauf vorbereiten, damit es nicht zu Wartezeiten und Lieferproblemen komme, falls eine Verabreichung notwendig werden sollten. Die Zahlen dafür liegen allerdings laut der Infektiologin noch nicht vor. Diese würden erst im Laufe des Sommers kommen. "Vielleicht wird es so sein, dass alle einen weiteren Stich brauchen, vielleicht werden nur manche Altersgruppen oder Menschen mit Vorerkrankungen eine Auffrischung brauchen", sagt Hollenstein im Interview mit PULS 24 Anchorwoman Bianca Ambros. Es könne auch sein, dass nur bei manchen Impfstoffen eine Booster-Impfung notwendig wird. Man brauche mehr Informationen und noch keine Terminreservierungen, sagt die Wissenschaftlerin.

Bei jedem neuen Impfstoff gebe es anfangs eine Mindestschutzdauer. Im Laufe der Jahre verlängere sich diese dann normalerweise. "Im Wesentlichen macht es keinen Sinn, dass jeder alle paar Monate testen geht, ob er eine Auffrischung braucht", erklärte die Expertin. Man werde eine allgemeine Empfehlung brauchen, wie bei anderen Auffrischungen auch, blickt Hollenstein in die Zukunft. 

Pandemie-Verlauf "Blick in die Kristallkugel"

Impfdurchbrüche, also eine Erkrankung bei bereits Geimpften, gebe es, dass sei bekannt, doch der Krankheitsverlauf sei im Normalfall viel leichter, beruhigt Hollenstein. Über den weiteren Verlauf der Pandemie könnte man nichts Fixes sagen. Jede Vorhersage über zukünftige Mutationen des Virus sieht die Expertin als Blick in die Kristallkugel. Darüber könne man keine Vorhersagen tätigen. 

Quelle: Redaktion / lam