Terror in Wien: Ein Jahr danach

02. Nov 2021 · Lesedauer 3 min

Vor einem Jahr tötete der Wiener Terrorist vier Menschen und verletzte über 20 teils schwer. Der Anschlag und seine Folgen.

Vier Tote, über zwanzig teils schwer Verletzte, eine Stadt in Angst. Am 2. November 2020 schoss der Attentäter in der Wiener Innenstadt wahllos auf Menschen. Nach neun Minuten war der Terrorist "neutralisiert", von Wiener Polizeibeamten nahe der Ruprechtskirche erschossen.

Einzeltäter

Etwa sieben Kilometer ging der Terrorist laut aktuellem Ermittlugnsstand zu Fuß von seiner Wohnung in die Innenstadt - teils dokumentiert von Überwachungskameras.

Laut Behörden handelte er als Einzeltäter - allerdings hätten ihn gewissen Leute im Vorfeld untertützt. Derzeit sitzen sieben Beitragstäter in Untersuchungshaft.

Mutmaßlich hatte der Terrorist ein französisches Lokal im Visier. Darauf deuten Suchprotokolle in seinem Browserveralauf hin, ebenfalls rief er dort an und ging am Terrorabend dort vorbei. Es hatte geschlossen.

 

Protokoll des Versagens

Während am Abend der Exekutive kaum Vorwürfe gemacht werden kann, zeigten die Ermittlungen, dass vor dem Anschlag eklatante Fehler von Behördenseite gemacht wurden - besonders vom Verfassungsschutz. Der Terrorist war amtsbekannt und saß in Haft, da er mit einem weiteren Islamisten nach Syrien ausreisen wollte. Im Juli 2020 fand in Wien ein internationales Dschihadistentreffen statt - es wurde auf Wunsch der deutschen Behörden überwacht. Nach diesem Treffen fuhr er in die Slowakei und versuchte Munition explizit für eine AK-47 zu kaufen. Die heimischen Behörden wurden informiert.

Mängel aufseiten des Verfassungsschutzes wurden auch von einer Untersuchungskommission unter der Leitung der Wiener Strafrechtlerin Ingeborg Zerbes aufgezeigt. Explizit sprach sich die Kommission dafür aus, dass die Zuständigkeitsverteilung zwischen dem Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) und den entsprechenden Behörden in den Ländern "überdacht und klarer gestaltet" wird. "Die stets angekündigte Neustrukturierung des BVT sollte nun ohne weitere Verzögerungen und transparent durchgeführt werden." Die Reform wurde mit der Schaffung der Direktion für Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) im Juli angestoßen.

Entschädigungsfonds

Die Entschädigungen fielen bisher gering aus. Es wurden 79 Anträge gestellt, ausgezahlt wurden laut orf.at bisher 170.000 Euro. Im September 2021 richtete die Regierung einen entsprechenden Fonds ein. Vorerst ist dieser mit 2,2 Mio. Euro ausgestattet, könne bei Bedarf aber erhöht werden. Die Mittel werden zusätzlich zu den Hilfeleistungen nach dem Verbrechensopfergesetz gewährt.

Hinweis: Der Terroranschlag von Wien jährt sich am 2. November 2021 zum 1. Mal. PULS 24 hat in den letzten zwölf Monaten regelmäßig zu den Ermittlungsschritte, Pannen und Versäumnisse recherchiert - Sie finden alles gesammelt hier unter puls24.at/terror.

Quelle: Agenturen / Redaktion / moe