APA - Austria Presse Agentur

Regierungs-Beratung: Welche Corona-Maßnahmen der Herbst bringen könnte

02. Sept 2021 · Lesedauer 4 min

Bei dem Treffen zwischen Bundesregierung und Bundesländern soll diskutiert werden, wie die Impfbereitschaft angehoben werden kann, die Lage auf den Intensivstationen und den "dritten Stich".

Angesichts steigender Infektionszahlen beraten Bund und Länder am 8. September über die Verschärfung der Corona-Maßnahmen. Während die Regierung den Termin bestätigte, zeigten sich Kanzleramt und Gesundheitsministerium bei inhaltlichen Details zurückhaltend. Als Themen genannt wurden u.a. die Erhöhung der Durchimpfung vor allem der jungen Bevölkerung, der "dritte Stich" sowie welche Maßnahmen gesetzt werden können, wenn die Auslastung der Intensivstationen weiter steigt.

Mögliche Maßnahmen

Diskutiert wurde zuletzt über die Rückkehr zur FFP2-Maskenpflicht, über eine kürzere Gültigkeit von Corona-Tests und über das von einigen Bundesländern befürwortete Ende der Gratistests.

Hintergrund der Debatte sind stark wachsende Infektionszahlen und parallel dazu der Anstieg der Hospitalisierungen. Mit Stand Donnerstag, 2. September, wurden 142 Covid-19-Kranke auf einer Intensivstation behandelt. Damit startet die mittlerweile vierte Infektionswelle deutlich früher als die zweite Welle im vorigen Herbst. Vor einem Jahr waren es - noch dazu ohne Impfung - erst 30 Intensivpatienten. Auch bei den Neuinfektionen liegt Österreich mit aktuell 1.510 Fällen deutlich über dem Vorjahr, als am 2. September 327 Neuinfektionen gezählt wurden.

Impftempo unter "Worst-Case-Szenario"

Bundeskanzleramt und Gesundheitsministerium verwiesen in einer gemeinsamen Aussendung am Donnerstag darauf, dass die Auslastung der Intensivstationen laut Corona-Prognosekonsortium weiter steigen wird. Im "Worst-Case-Szenario" sei auch nicht auszuschließen, dass in einzelnen Ländern auch die kritische Auslastungsgrenze von einem Drittel überschritten werden könnte. Damit könne das Gesundheitssystem wieder an seine Grenzen stoßen.

Das Konsortium nahm am Donnerstag das seit Wochen kontinuierlich nachlassende Impftempo mit Bedauern zur Kenntnis. Es wird festgehalten, "dass die Impfgeschwindigkeit im Zuge des Sommers 2021 rapide gesunken ist und deutlich unter dem angenommenen Worst-Case-Szenario (…) zu liegen kam".

Dunkelziffer: Bis zu 5.000 Fälle

Niki Popper, Simulationsforscher an der TU Wien, blickt im PULS 24 Interview ebenfalls besorgt auf das schleppenden Impftempo in Österreich. Am 7. Mai seien in Österreich halb so viele Menschen geimpft worden, wie im gesamten Monat August. "Der Impfmotor hat nicht nur gestottert, sondern er ist zum Erliegen gekommen", beschreibt Popper die derzeitige Situation.

Niki Popper, Simulationsforscher an der TU Wien, analysiert im PULS 24 Interview die derzeitige Corona-Situation in Österreich und gibt einen Ausblick auf den Herbst.

Aus diesem Grund sei es unabdinglich, dass in den nächsten Wochen eine Million Menschen geimpft werden, sagt Popper. Sollte dies gelingen, würden nur "relativ niedrige Maßnahmen" notwendig sein, um die Pandemie unter Kontrolle zu halten. Sollte dies jedoch nicht gelingen, müsse sich die Politik einen "Plan B" überlegen.

Die derzeitige Situation gebe Grund zur Sorge. Popper geht davon aus, dass die Corona-Zahlen, bedingt durch den Schulbeginn und die Rückkehr ins normale Leben, weiter steigen werden. In Modellen bei denen die Dunkelziffer miteinberechnet wird, gehe die Forschung derzeit von 4.000 bis 5.000 täglichen Neuinfektionen aus, sagt Popper im Interview mit PULS 24 Anchorwoman Bianca Ambros.

Debatte über Gratistests

Am Donnerstag berät jedenfalls die wöchentliche "Corona-Taskforce" der Regierung, kommenden Mittwoch ist dann der Termin mit den Landeshauptleuten vorgesehen. Mehrere ÖVP-Landeschefs hatten zuletzt ein Ende der Gratistests gefordert, um mehr Menschen zur Corona-Impfung zu motivieren. Mit einer Durchimpfung von knapp 62 Prozent Teilimmunisierten liegt Österreich mittlerweile deutlich unter dem EU-Schnitt von 65 Prozent. Mit Spitzenreitern wie Portugal (85), Malta (80) oder Spanien (78 Prozent) kann Österreich ohnehin nicht mithalten.

Abgelehnt wird das Ende der Gratistests allerdings von den SP-regierten Bundesländern. So will das Burgenland das Wiener Gratis-PCR-Testprogramm "Alles Gurgelt" übernehmen und die 3-G-Regel verstärkt kontrollieren. Wien hat angekündigt, die Gültigkeit der Tests zu reduzieren: von 48 auf 24 Stunden bei Antigentests und von 72 auf 48 Stunden bei den genaueren PCR-Tests. Nur für noch nicht impfbare Kinder unter zwölf Jahren soll die bisherige Dauer bleiben.

Quelle: Agenturen / Redaktion / apb