APA - Austria Presse Agentur

Corona-Experten: Impftempo bereits "unter Worst-Case-Szenario"

02. Sept 2021 · Lesedauer 3 min

Das Covid-Prognose-Konsortium, das wöchentlich konsolidierte Kurzfristprognosen zum Verlauf der an Covid-19 erkrankten Personen in Österreich erstellt, nimmt das seit Wochen kontinuierlich nachlassende Impftempo mit Bedauern zur Kenntnis.

In einem aktualisierten, der APA vorliegenden Policy Brief wird festgehalten, "dass die Impfgeschwindigkeit im Zuge des Sommers 2021 rapide gesunken ist und deutlich unter dem angenommenen Worst-Case-Szenario (...) zu liegen kam".

Ähnlich sah dies auch Simulationsforscher Niki Popper am Donnerstag bei PULS 24: "Der Impfmotor stottert nicht, er ist zum Erliegen gekommen", sagte er im Gespräch mit PULS 24 Anchorwoman Bianca Ambros.

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In einer Risikobewertung für den kommenden Herbst stellen die Experten zum Status Quo fest: "Wurden im Juni 2021 noch durchschnittlich täglich rund 37.200 Erstdosen an Impfstoffen verabreicht, sank dieser Durchschnitt im August 2021 auf rund 6.100 (also ein Rückgang von etwa 84 Prozent)."

Politik muss aktiv werden

Sollte sich der Anteil der Bevölkerung, der sich bisher nicht gegen Covid-19 immunisieren hat lassen, nicht senken lassen, kann für das Prognose-Konsortium eine Reaktion der politischen Entscheidungsträger nicht ausbleiben. Fehlender Impffortschritt müsse "mit stringenteren Schutzmaßnahmen ausgeglichen werden, um ein Abflachen der vierten Welle bewerkstelligen zu können", ist in dem Paper zu lesen.

Durchimpfungsrate entscheidet über vierte Welle und Lockdown

Was die zukünftige Entwicklung betrifft, ist für das Konsortium mittelfristig ausschlaggebend, "ob die mitigierenden Faktoren (Durchimpfungsrate, Durchimpfungstempo und Schutzmaßnahmen) oder die verbreitungstreibenden Faktoren (erhöhte Transmissibilität der Delta-Variante, Effekt der Saisonalität) überwiegen". Bereits wenige Prozentpunkte mehr in der Durchimpfungsrate könnten "zu einem deutlich früheren Abflachen der vierten Welle führen".

Der Höhepunkt des Medians der täglichen Neuinfektionen lasse sich bei einem Impf-Plafond von 70 Prozent auf ein Drittel der Inzidenzwerte reduzieren, die bei einem Impf-Plafond von 62 Prozent zu erwarten wären. Das haben die Experten des Covid-Prognose-Konsortiums aus Vertretern der TU Wien, der Medizinischen Universität Wien/Complexity Science Hub Vienna (CSH) und der Gesundheit Österreich GmbH errechnet.

Ungeimpfte belasten Krankenhäuser

Aktuell gibt es neunmal soviel tägliche Neuinfektionen als noch vor einem Jahr. In den Spitälern landen vor allem Ungeimpfte.

Um die Durchimpfungsrate zu steigern, werden Sujets der Kampagne "Österreich impft" nun auch in den Dating-Apps Tinder, Zweisam und LoveScout24 angezeigt. "Wir rufen unsere Userinnen und User auf, sich impfen zu lassen, damit sie sich sicher treffen und bedeutsame Begegnungen erleben können", wurde Alexandre Lubot, CEO des Dating-App-Anbieters Match Group, in einer Aussendung zitiert. Der Werbeplatz wird für diese Kampagne kostenfrei zur Verfügung gestellt.

Impfung schützt vor Ansteckung und Hospitalisierung

Dabei betonen die Experten unter Verweis auf Daten aus Großbritannien die Schutzwirkung von Zwei-Dosen-Impfstoffen gegenüber einer symptomatischen Infektion mit der Delta-Variante, auf die gegenwärtig mehr als 99 Prozent aller indizierten Fälle zurückzuführen sind. Diese erhöhe sich im Schnitt auf 79 Prozent nach der zweiten Impfdosis.

Die Schutzwirkung von Impfstoffen gegenüber dem Risiko von Hospitalisierungen "liegt deutlich höher", unterstreicht das Konsortium: Gemäß Analysen aus dem Vereinigten Königreich liege die Effektivität der Impfungen bei 80 Prozent nach einer Impfdosis sowie 96 Prozent nach dem Zweitstich. Die Experten zeigen sich überzeugt, dass diese Ergebnisse auf Österreich umgelegt werden können: "Mittlerweile liegen vorläufige Daten zur Vakzineffektivität aus Österreich vor, die auf eine ähnlich hohe Vakzineffektivität wie in der internationalen Literatur berichtet schließen lassen."

Quelle: Agenturen / Redaktion / hos