APA/EVA MANHART

Nach Messerattacke in Linz: Tochter könnte Mutter gerettet haben

10. Jan. 2023 · Lesedauer 4 min

Bei der Messerattacke eines 41-jährigen Irakers auf seine Ehefrau am Montag in Linz dürfte die elfjährige Tochter der Rumänin ihre Mutter gerettet haben.

Das ergab sich laut Polizei aus der Einvernahme des Opfers am Dienstag. Die Exekutive berichtete zudem, dass sich der Fahrer eines Kastenwagens, der vom mutmaßlichen Täter auf seiner blutigen Flucht bedroht worden war, und dann davongefahren ist, gemeldet hat. Er soll am Mittwoch einvernommen werden.

Tochter versuchte Stiefvater zu stoppen

Wie die attackierte Frau den Beamten im Spital schilderte, habe sie Montagfrüh mit ihrer Tochter das Haus verlassen wollen. Plötzlich sei ihr Ehemann, gegen den ein gerichtliches Betretungs- und Annäherungsverbot besteht, in der Tür gestanden und habe die beiden in die Wohnung zurückgedrängt. Er habe die Frau gewürgt, woraufhin die Tochter ihren Stiefvater angesprungen sei und versucht habe, ihn zu stoppen.

Danach habe er noch dreimal mit einem Messer auf seine Frau eingestochen und sie am Bauch, im Brustbereich und am Oberarm verletzt. Ihr gelang es aber ihr Handy zu fassen und die Polizei zu rufen. Als der Mann das merkte, flüchtete er. Laut Polizei könnte die Tochter die Mutter durch ihr Eingreifen gerettet haben. Betont wird seitens der Exekutive auch, dass die Rumänin den Mann nicht selbst in die Wohnung gelassen habe.

Nach der Attacke auf die 42-Jährige fuhr der Iraker zur Arbeitsstätte der Rumänin und bedrohte dort einen vermeintlichen Nebenbuhler mit zwei Messern. Anschließend raste er mit einem Leihwagen durch Linz und fuhr bei einer Straßensperre direkt in eine 21-jährige Polizistin und einen 26-jährigen Polizisten. Dem schwer verletzten Beamten entriss er das Sturmgewehr und erzwang so von einem Lenker ein Auto.

Fahrer von Transporter wohlauf

Kurze Zeit später baute er mit diesem wieder einen Unfall. Erneut ging er mit dem Sturmgewehr auf ein Fahrzeug zu, um vom Fahrer die Herausgabe des Transporters zu erzwingen. Dabei dürfte der Verdächtige auch bis zu zweimal geschossen haben, wie ein Video nahelegt. Die Polizei geht vorerst davon aus, dass es nur ein Schuss war. Die Person hinter dem Steuer des weißen Kastenwagens konnte entkommen, als Polizisten mehrere Schüsse abgaben, um so den 41-jährigen zum Aufgeben zu zwingen. Dienstagabend berichtete die Polizei, dass sich der Kastenwagen-Lenker mittlerweile gemeldet habe. Er sei wohlauf und soll am Mittwoch einvernommen werden.

Die Einvernahme des mutmaßlichen Täters brachte indes nichts Neues. Er leugnete zunächst alles, dann schwieg er zu dem Fall. Schon öfters war er jedenfalls wegen Gewalt an Frauen aufgefallen. Dafür hatte der seit 2011 in Österreich lebende Iraker auch schon eine teilbedingte Haftstrafe ausgefasst. Wie das ORF Radio Oberösterreich am Dienstag berichtete, habe die Rumänin bereits früher mehrmals die Polizei geholt, mehrmals sei der Iraker aus der Wohnung weggewiesen und ein Betretungsverbot ausgesprochen worden.

Im Spätsommer des Vorjahres habe der Mann auch sechs Stunden verpflichtende Gewaltpräventionsberatung absolviert. Er sei dabei "gesprächsbereit gewesen", so Josef Landerl von Neustart Oberösterreich im ORF Radio OÖ. "Zum damaligen Zeitpunkt hatten wir keine Indikationen und konkreten Anlassfälle, um auf einen Hochrisikofall schließen zu können," so Landerl.

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Von Gewalt betroffenen Frauen steht zu jeder Tages- und Nachtzeit die Telefonnummer 0800 222 555 mit Expertinnen zur Seite. Eine Online-Beratung ist - parallel zur telefonischen Beratung - täglich in der Zeit von 15.00 bis 22.00 Uhr unter www.haltdergewalt.at erreichbar. Weitere Informationen unter www.frauenhelpline.at

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Quelle: Agenturen / Redaktion / mbe