Weißmann-Rücktritt
Betroffene über "Verdrehungen der Tatsachen schockiert"
Laut dem Artikel habe Weißmann mehr von ihr als eine Freundschaft gewollt und dies teils ungeduldig und wütend zum Ausdruck gebracht.
Die Frau legte der Wochenzeitung offenbar Nachrichten aus dem Jahr 2022 vor. Diese würden von herzlichen bis hin zu drängenden Mitteilungen reichen und vereinzelt auch explizite Fotos enthalten, die ohne Aufforderung von Weißmann an die ORF-Mitarbeiterin verschickt worden seien.
"Brauchte Zeit, meine Angst zu überwinden"
Sie sei laut "Falter" nicht auf die Forderung, mehr aus ihrer Freundschaft zu machen, eingegangen. Daraufhin habe Weißmann auch Worte verwendet, die von einem Chef ausgesprochen angsteinflößend und übergriffig wirken, so die Einschätzung des "Falter" nach Sichtung des Materials. Weißmann bestreitet die Vorwürfe rund um Fehlverhalten gegenüber der ORF-Mitarbeiterin entschieden.
"Ich brauchte Zeit, meine Angst zu überwinden", erklärt die Betroffene, warum sie die Vorwürfe erst vier Jahre später erhoben hat. Sie habe in den vergangenen Jahren zudem keine guten Beobachtungen dazu gemacht, was passiere, wenn sich Frauen beschweren.
Nun habe sie aber erreichen wollen, dass ein Mann, der unpassende Dinge getan haben soll, gehen müsse. Ihre Forderungen: der Rücktritt Weißmanns, 25.000 Euro Geldspende an ein Caritas-Frauenhaus, die Übernahme der Anwaltskosten und ein Stillschweigeabkommen.
Der Rücktritt Weißmann erfolgte vor ca. eineinhalb Wochen. Er sah sich jedoch von der ORF-Stiftungsratsspitze, an welche sich die Frau gewandt hatte, dazu gedrängt.
ORF-Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer betonte wiederum, nur eine Klärung der Fakten von Weißmann verlangt zu haben. Mittlerweile ist Ingrid Thurnher mit der vorläufigen Führung der Geschäfte des Generaldirektors betraut und kündigte an, sich um eine vollständige Aufklärung der Causa zu bemühen.
Video: Tóth über Machtstrukturen und den Hilferuf an den Stiftungsrat
Opferrechte "mit Füßen getreten"
"Ich wollte eine wirkungsvolle und diskrete Lösung", erklärt die Betroffene im "Falter". Mittlerweile seien ihre Opferrechte aber "mit den Füßen getreten" worden.
"Ich wurde diskreditiert, diffamiert, und es wurde mir sogar unterstellt, die von mir gewählte Vorgangsweise aus sachfremden Überlegungen, gar als Werkzeug einer Männerintrige gewählt zu haben", hält die ORF-Mitarbeiterin fest.
Weißmann sieht seine Rechte massiv verletzt
Weißmann bestreitet die Vorwürfe entschieden und sieht seine Rechte ebenfalls massiv verletzt. Es gilt für ihn die Unschuldsvermutung. Er ließ am Freitag über seinen Anwalt mitteilen, dass die Beziehung zu der Frau in beiderseitigem Interesse gewesen sei.
Der mittlerweile beurlaubte Medienmanager betonte zudem, dass die Beziehung bereits seit 2019 bestanden haben soll, als er weder Generaldirektor noch ihr Vorgesetzter gewesen sei. Es habe nie irgendeine Form der Druckausübung oder des Machtmissbrauchs gegeben.
Am Dienstag wurde bekannt, dass Weißmann seine Anwälte eine Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Wien gegen mehrere in die Causa involvierte Personen einbringen lässt. Details dazu sind noch nicht bekannt.
Zusammenfassung
- Nach dem Rücktritt von Roland Weißmann als ORF-Generaldirektor hat sich jene Frau, die die Vorwürfe gegen ihn erhoben hat, im "Falter" zu Wort gemeldet.
- Sie zeigt sich von "den Verdrehungen der Tatsachen schockiert" und bestreitet den von Weißmanns Anwalt am Freitag ins Treffen geführten "einvernehmlichen physischen Kontakt".