Hohe Öl- und Gaspreise: OMV verdoppelt Gewinn

28. Juli 2022 · Lesedauer 7 min

Die OMV hat ihren Umsatz und Gewinn im 1. Halbjahr verdoppelt, obwohl die Gazprom die vertraglich vereinbarten Mengen nicht liefert. Gas im Wert von 1,5 Millionen wurden eingespeichert.

Obwohl der russische Gazprom-Konzern derzeit nicht die vertraglich vereinbarten Gasmengen liefert, "sind wir in der jetzigen Situation vollständig in der Lage, unsere Kunden zu versorgen und weiterhin einzuspeichern", betont OMV-Chef Alfred Stern. Für das nächste Gasjahr habe man sich nicht nur Leitungskapazitäten gesichert, sondern auch Gas, um diese Leitungen zu füllen, sagte Stern. Derzeit habe man bereits Gas im Wert von 1,5 Mrd. Euro eingespeichert.

Russland bricht Vertrag, Schweigen zu Konsequenzen

"In Deutschland sind die Lieferungen über die Nord Stream 1 auf 20 Prozent der Normalmengen reduziert. In Österreich kommen 40 Prozent der Normallieferungen an", sagte Stern. "Das ist mehr, als während dieser Generalüberholung der Nord-Stream-1-Pipeline geflossen ist, aber weniger als das, was eigentlich im Regelfall geliefert wurde", erklärte der OMV-Chef. "Vertraglich stehen uns größere Liefermengen zu."

Es gebe zwar vertragliche Mechanismen, um tageweise oder periodenweise Schwankungen auszugleichen, "allerdings sind jetzt diese Regelungen mehr als ausgeschöpft". Ob für diesen Fall vertraglich Strafzahlungen vorgesehen sind, oder ob die OMV von Gazprom Schadenersatz fordern will, wollte Stern nicht sagen.   

omv Kennzahlen 1. Halbjahr 2021 und 2022, Aktienkurs

Die Gasversorgung in Österreich sei aber gesichert, betonte Stern. Die OMV-Gasspeicher, dabei handle es sich um etwa ein Viertel der Speicherkapazität in Österreich, seien bereits zu über 80 Prozent gefüllt. Derzeit habe die OMV Erdgas im Wert von 1,5 Mrd. Euro eingespeichert.

Diese Speichermengen würden von unterschiedlichen österreichischen und internationalen Unternehmen genutzt, etwa von Industriebetrieben oder Gashändlern. Die OMV habe auch eigene Speichermengen eingelagert, weil sie auch als Gashändler auf dem Markt agiere. Diese Gasmengen würden nach den vertraglich vereinbarten Bedingungen geliefert. "Wenn ein wirklicher Notfall eintritt, dann werden natürlich anderes Mechanismen wirksam, die aber auch nicht mehr im Entscheidungsraum der OMV sind."

Alternativen zu russischem Gas

Die OMV produziert selbst auch in Österreich Erdgas, "das macht ungefähr sieben Prozent des Gasbedarfs in Österreich aus", erklärte Stern. Darüber hinaus habe man sich nicht nur Transportkapazitäten aus Deutschland und Italien nach Österreich im Ausmaß von 40 Terawattstunden (TWh) für das nächste Gasjahr (Oktober bis September) gesichert, sondern auch die Gasmengen, um diese Kapazitäten auszunützen. Einerseits fördere die OMV selbst Gas in Norwegen, wo sie an Gasfeldern beteiligt sei. Darüber hinaus habe man Lieferverträge mit der norwegischen Gasfirma Equinor, langfristige Kapazitäten am LNG-Terminal in Rotterdam und einen längerfristigen Vertrag mit Katar, um verflüssigtes Gas nach Rotterdam zu bringen. "Diese 40 TWh sind deswegen wichtig, weil wir damit alle OMV-Lieferverpflichtungen abdecken können, die wir heute eigentlich aus Gazprom-Verträgen beliefern."

Gewinne verdoppelt

In der ersten Jahreshälfte hat die OMV von der Unsicherheit und den hohen Öl- und Gaspreisen stark profitiert und ihren Umsatz und Gewinn ungefähr verdoppelt. Im zweiten Quartal stieg das (um Lagerhaltungseffekte bereinigte) CCS Operative Ergebnis vor Sondereffekten auf ein Rekordergebnis von 2,9 Mrd. Euro, im Halbjahr waren es 5,6 Mrd. Euro. Das Ergebnis je Aktie (EPS) wurde im ersten Halbjahr von 3,90 auf 7,63 Euro ebenfalls verdoppelt. Zu dieser guten Gewinnsituation hätten alle drei Segmente beigetragen, am stärksten der Öl- und Gasbereich, aber auch das Raffineriegeschäft sowie der Chemie- und Materialbereich.

3,7 Milliarden Investition nötig

Die OMV agiere in einem zyklischen Marktumfeld, so Stern. Im Coronajahr 2020 seien Brent-Ölpreise unter 25 Dollar normal gewesen und die Gaspreise unter 10 und sogar 5 Euro pro MWh. "Wir werden dieses Jahr ungefähr 3,7 Mrd. Euro investieren müssen, um auch weiterhin die Versorgung mit unseren Produkten aufrechtzuerhalten."

Für heuer erwartet die OMV einen durchschnittlichen Brent-Rohölpreis von über 100 US-Dollar pro Fass, bisher war man von einem Ölpreis von 95 Dollar ausgegangen, im vergangenen Jahr war er bei durchschnittlich 71 Dollar je Barrel (zu 159 Liter) gelegen. Der durchschnittliche Gaspreis für heuer wird bei rund 45 Euro je Megawattstunde (MWh) erwartet, nach 16,5 Euro je MWh im vergangenen Jahr. "Das sind die von der OMV realisierten Gaspreise", man sei ja nicht nur in Europa, sondern international tätig, wo Gas zu den lokalen Preisen gehandelt werde.

Die gesamte Öl- und Gasproduktion der OMV sank heuer um 19 Prozent auf 400.000 Barrel pro Tag. Das lag einerseits am Verkauf des E&P-Geschäfts in Kasachstan und der Öl-Assets in Malaysia sowie geringeren Fördermengen in einzelnen Ländern wie Rumänien, Neuseeland oder Libyen. Vor allem aber rechnet die OMV seit März ihre Geschäftstätigkeit in Russland nicht mehr in die operativen Kennzahlen des Konzerns ein. Stern rechnet damit, dass die OMV im Gesamtjahr ungefähr 390.000 Barrel Öl und Gas pro Tag produzieren wird. In Libyen sei die Produktion durch Unruhen gedämpft gewesen, dort könne man die Produktion jetzt wieder hochfahren.

Bei den Raffinerien sehe man eine sehr hohe Nachfrage, die Raffineriemarge für heuer werde auf 15 Dollar pro Barrel geschätzt. Die Reparatur der Raffinerie in Schwechat soll bis Ende September oder Oktober abgeschlossen werden. Derzeit laufe die Raffinerie noch mit rund 20 Prozent, außerdem habe man am Markt Treibstoff eingekauft, den man jetzt über Bahn, Straße und Wasser nach Österreich bringe. Außerdem habe die Regierung kurzfristig Treibstoffreserven freigemacht. "Mit dem sehen wir jetzt eine stabile Versorgungssituation." Weitere Reserve-Freigaben würden derzeit nicht diskutiert.   

AK bis Greenpeace fordern Sondersteuer für OMV

Die Arbeiterkammer Wien, das gewerkschaftsnahe Momentum-Institut und die Umweltschutzorganisation Greenpeace werfen der OMV vor, "Übergewinne" zu erzielen und fordern die Einführung einer Sondersteuer, um diese Gewinne abzuschöpfen. Ähnliche Vorwürfe werden auch gegen den Verbundkonzern gerichtet. Die beiden teilstaatlichen Unternehmen liefern schon jetzt einen großen Teil ihrer Gewinne in Form von Dividenden an die öffentliche Hand ab. So gehört die OMV zu 31,5 Prozent der Republik Österreich, beim Verbund werden sogar über 80 Prozent der Aktien von der öffentlichen Hand bzw. Unternehmen in mehrheitlich öffentlichem Eigentum gehalten.

Auch eine mögliche Sonderdividende wie beim Verbund wird deshalb diskutiert, doch dieses Thema "steht derzeit nicht aktiv im Raum", sagte OMV-Finanzvorstand Reinhard Florey. Die OMV habe viel der Mittel dafür verwendet, um zur Versorgungssicherheit in Österreich beizutragen. "Im zweiten Quartal haben wir unser Net Working Capital in der Größenordnung von 1,9 Milliarden erhöhen müssen, und das ist im Wesentlichen die Einspeicherung von Gas." Man habe deshalb im Bezug auf eine Sonderdividende keine konkreten Vorstellungen veröffentlicht, "wir haben aber auch gesagt, wir schließen hier nichts aus".

Verbund-Chef: Geringere Strompreise nicht möglich

Angesprochen auf die Rekordgewinne meint Verbund-Chef Strugl im "Ö1-Journal um acht", dass man natürlich von "den gestiegenen Marktpreisen" profitiere. Außerdem bewege man sich als Unternehmen auf dem Energiemarkt und musste Preisanpassungen vornehmen. Ein Gewinnverzicht, um höhere Strompreise zu verhindern, sei nicht möglich. Zumal die "Preisbildung an den Börsen" stattfinde. Man habe aber nicht alles an die Kund:innen weitergegeben. Wie viel man beim Preis hinaufgehe, "ist in den Lieferverträgen geregelt".

Entkoppelung der Gas- und Strompreise "sinnvoll"

Gas- von Strompreisen zu entkoppeln hält Strugl für "grundsätzlich sinnvoll". Immerhin sei es ein "Gaspreis-Schock", der den Strompreis in die Höhe treibe. Das Problem verschärfe sich "bei schlechter Wasserführung, so wie jetzt" - fehlende Strommengen müssten da zugekauft werden. Eine Entkoppelung müsse aber "in allen europäischen Strommärkten erfolgen" - würde das Österreich alleine machen, "dann würde dieser Effekt sofort verpuffen". Der günstige Strom würde sofort in die anderen Märkte abfließen, so der Verbund-Chef weiter.

Maximilian SperaQuelle: Agenturen / Redaktion / msp