Super Bowl LVI: Die beiden Mannschaften im Vergleich

08. Feb. 2022 · Lesedauer 8 min

In der 56. Ausgabe der Super Bowl treffen die Los Angeles Rams auf die Cincinnati Bengals. PULS 24 wirft einen genauen Blick auf die Kader beider Mannschaften und vergleicht wer auf welcher Position die Nase vorn hat.

Eines der größten Sportereignisse der Welt steht vor der Tür: In der Nacht auf Montag (ab 00:30 Uhr MEZ) wird im SoFi-Stadium in Los Angeles der Sieger der 56. Super Bowl ermittelt. PULS 24 und PULS 4 übertragen am Sonntag ab 22:50 Uhr live und liefern eine ausführliche Vorberichterstattung.

In Super Bowl LVI kommt es zum Duell der Los Angeles Rams (NFC) und der Cincinnati Bengals (AFC). Während sich das starbesetzte Team der Rams bereits zu Saisonbeginn Hoffnungen auf eine Endspiel-Teilnahme vor heimischer Kulisse machte, gelten die Bengals als große Überraschung. Das Team um Quarterback Joe Burrow hatte vor der Saison die drittschlechtesten Wettquoten auf den Titel und konnte in seiner Geschichte noch nie eine Super Bowl gewinnen.

Doch wer hat auf welcher Position die besseren Spieler? Welche Matchups werden entscheidend sein? PULS 24 vergleicht die beiden Kader - vom Quarterback bis zu den Special Teams - und verrät, wer auf welcher Position Vorteile hat.

Quarterbacks: Stafford vs. Burrow

Erfahrener Veteran trifft auf hungrigen Jungstar: Ähnlich wie beim Duell Tom Brady vs. Patrick Mahomes in der letztjährigen Super Bowl, kommt es auf der QB-Position heuer wieder zu einem Generationenduell.

Auf der einen Seite der 34-jährige Matthew Stafford (L.A. Rams), der seit über einem Jahrzehnt in der Liga seinen Mann steht. Als Quarterback der Detroit Lions stand Stafford, trotz guter Leistungen, lange Zeit im Schatten anderer. In elf Jahren bei den Lions bestritt er nur drei Playoff-Partien, die allesamt verloren gingen. In seiner Debüt-Saison bei den Rams gelang es Stafford auf Anhieb sein Team in den Super Bowl zu führen.

Auf der anderen Seite der 25-jährige Joe Burrow, der als erster in Runde eins gedrafteter Quarterback der Geschichte bereits im zweiten NFL-Jahr in der Super Bowl steht. Burrow ist so etwas wie der Stellvertreter einer neuen Generation in der besten Football-Liga der Welt und besticht durch sein dynamisches Spiel.

Joe Burrow im Interview vor Super Bowl LVI

Statistisch gesehen gehören beide zu den besten Signal Callern der Liga. Schwächen sucht man vergebens. Für Stafford könnte die Erfahrung sprechen, doch Burrow hat beim sensationellen Playoff-Run seiner Mannschaft bewiesen, dass er mit Druck umgehen kann, wie kaum ein Zweiter.

Fazit: Unentschieden. 1:1.

Running Backs: Akers vs. Mixon

Die Position des Running Backs ist im starbesetzen Roster der L.A. Rams wohl das größte Fragezeichen. Mit Cam Akers verfügt man prinzipiell über eine der heißesten Zukunfts-Aktien für diese Position, doch der 22-Jährige verpasste die komplette Regular Season seiner erst zweiten NFL-Saison wegen eines Achillessehnenrisses.

Dank einer Wunderheilung ist Akers zwar rechtzeitig für die Playoffs fit geworden. Aufgrund der langen Pause konnte er jedoch noch nicht an seine Top-Form aus der Vorsaison anschließen. Sein Backup, Sony Michel, macht seine Sache ordentlich, gehört jedoch nicht zu den Top-Running Backs der Liga.

Etwas das man von Cincinnatis Joe Mixon nicht behaupten kann. Der 25-Jährige ist in seiner fünften NFL-Saison so richtig angekommen und erlief in der Regular Season die drittmeisten Rushing Yards und scorte die viertmeisten Touchdowns. Mixon ist einer der Garanten für den Erfolgslauf der Bengals. Sein Backup, Samaje Perine, hingegen trat in der heurigen Saison eher selten in Erscheinung.

Fazit: Vorteil Bengals. 1:2.

Wide Receiver: Kupp/OBJ vs. Chase/Higgins

Cooper Kupp, Odell Beckham Jr., Ja'Marr Chase, Tee Higgins: Viel mehr Starpotential auf der Wide Receiver-Position geht nicht.

Fangen wir bei Cincinnati an. Dort lautet die Anspielstation Nummer 1 Ja'Marr Chase. Der 21-Jährige wurde erst vor kurzem als "Rookie of the Year" ausgezeichnet und spielt eine unglaubliche Debüt-Saison. Mit 1.455 Receiving Yards und 13 Touchdowns liegt er in den Statistiken der Regular Season unter den Top-4. Seine Performances in den Playoffs waren nicht minder gut. Zusammen mit Burrow und Mixon verkörpert er die junge, wilde Generation, die den ersten Super-Bowl-Titel Cincinnatis klar machen möchte.

Zu jener Gruppe gehört auch Tee Higgins (23), der statistisch gesehen ebenfalls zu den 20 besten Wide Receivern der NFL gehört. Als dritten Starter hat man noch Tyler Boyd (28) in der Hinterhand.

Dennoch sind die Rams auf der Receiver-Position klar im Vorteil und das liegt vor allem an einem Mann: Cooper Kupp. Der Wide Receiver sicherte sich als vierter Spieler der NFL-Geschichte die prestigeträchtige "Triple Crown", was bedeutet, dass er die Statistiken der Regular Season in Sachen Receptions (145), Touchdown Receptions (16) und Receiving Yards (1.947) anführt. Kupp ist mit Abstand der beste Receiver der Liga und präsentierte sich auch in den Playoffs in Bestform.

Hinter seiner Nummer eins hat Offensive Coordinator Kevin O´Connell mit Odell Beckham Jr. einen weiteren Superstar in der Hinterhand. Der ehemalige Giants- und Browns-Akteur kam während der Saison als Free Agent zum Team und fügte sich – nach holpriger Startphase – perfekt in die Mannschaft ein. "OBJ" brachte es im NFC Championship Game gegen die 49ers auf 100+ Receiving Yards und ist hinter Kupp eine wichtige Waffe im Offensivspiel der Rams. Als dritter Starter agiert Van Jefferson (25).

Fazit: Vorteil Rams. 2:2.

Tight Ends: Higbee vs. Uzomah

Im Vergleich zu anderen Positionen fehlt auf jener des Tight Ends das ganz große Star-Potential: Weder Tyler Higbee (Rams) noch C.J. Uzomah (Bengals) gehören zu den absoluten Top-TEs der NFL. Beide gelten jedoch seit Jahren als verlässliche Starter ihrer Teams.

Higbees Liga-Karriere startete 2016, als er in Runde vier von L.A. im Draft gewählt wurde. Seitdem hat der Tight End kaum ein Spiel verpasst und ist seit 2017 auch Starter.

Uzomah wurde bereits ein Jahr früher von den Bengals in Runde fünf gedraftet. Nach Anlaufschwierigkeiten ist er seit 2018 fester Bestandstandteil der Cincinnati-Offense. Die Saison 2020 verpasste er wegen eines Achillessehnenrisses. Auch im AFC Championship Game gegen die Chiefs musste der Tight End das Spielfeld verletzt verlassen. Hinter seinem Einsatz steht daher noch ein kleines Fragezeichen, allerdings sollte er bis zum Spiel am Sonntag fit werden.

Die Backups Kendall Blanton (LAR) bzw. Drew Sample (CIN) spielten heuer kaum eine Rolle.

Fazit: Unentschieden. 3:3.

O-Line vs. D-Line / D-Line vs. O-Line

Es könnte eines der Key Matchups der diesjährigen Super Bowl werden: Wie gut gelingt es der Offensive Line der Bengals Freiheiten für Joe Burrow zu kreieren bzw. wie viel Druck kann die Defensive Line der Rams auf Burrow ausüben? Im Spiel der Divisional Round gegen die Tennessee Titans wurde Burrow unglaubliche neunmal gesackt.

Im NFC Championship Game gelang es der O-Line etwas besser ihren Quarterback zu schützen. Doch die D-Line der Rams rund um Superstar Von Miller gilt als einer der gefährlichsten der Liga.

Fazit: Vorteil Rams. 4:3

Special Teams: McPherson vs. Gay

Es würde zu einer verrückten NFL-Saison 2021 passen, wenn die Super Bowl schlussendlich durch die Special Teams entschieden wird. Für Evan McPherson und die Bengals wäre dies zumindest kein Novum. Sowohl in der Divisional Round als auch im AFC Championship Game sorgte der 22-jährige Rookie mit einem Field Goal für den Sieg seiner Mannschaft. In beiden Spielen verwertete er vier von vier Versuchen und war auch bei den Extrapunkten sicher.

Ähnlich verlässlich ist sein Gegenüber Matt Gay. Der 27-Jährige hat in der Regular Season 94,1 Prozent seiner Versuche verwertet und weist damit die zweitbesten Werte nach Ravens-Star Justin Tucker auf.

Bei den Puntern weist Cincinnatis Kevin Huber um einen Hauch bessere Statistiken als Rams Johnny Hekker auf. Letzterer hält jedoch zahlreiche Punt-Rekorde aus dem Super Bowl LIII. Unter anderem jenen für den längsten Punt in einem Endspiel (65 Yards). 

Fazit: Unentschieden. 5:4 Rams

Coaches: McVay vs. Taylor

Nachdem vergangenes Jahr Chiefs-Coach Andy Reid und Bucs-Coach Bruce Arians einen Rekord für das älteste Coaching-Duo in einer Super Bowl (131 Jahre) aufgestellt haben, kommt es heuer zum genauen Gegensatz: Sean McVay (36, Rams) und Zac Taylor (38, Bengals) sind zusammen das jüngste Duo, das je in einer Super Bowl an der Seitenlinie stand.

Doch das Alter ist nicht die einzige Parallele zwischen den beiden Head Coaches. Sowohl McVay als auch Taylor strebten zunächst eine Profi-Karriere in der NFL an, für beide reichte es schlussendlich nicht. McVay stieg früher ins Trainergeschäft ein und wurde bereits 2017 zum jüngsten Head Coach in der Geschichte der Los Angeles Rams ernannt.

In der Saison 2018 führte er sein Team in die Super Bowl. An seiner Seite: Zac Taylor, der zu dieser Zeit als Assistenztrainer für L.A. arbeitete. Die beiden scheiterten jedoch an Tom Bradys New England Patriots. Wenig später wurden die Bengals auf Taylor aufmerksam und verpflichteten ihn als neuen Head Coach. In wenigen Tagen stehen sich die ehemaligen Weggefährten nun als Kontrahenten in Super Bowl LVI gegenüber.

Fazit: Unentschieden. 6:5 Rams.

Vorteil Rams

Nimmt man alle Mannschaftsteile zusammen und berücksichtigt man vor allem die Kadertiefe bzw. Routine, geht L.A. als Favorit in die Super Bowl. All-Stars wie Stafford, Kupp, OBJ oder Von Miller bringen Klasse und Erfahrung mit. Zumindest ersteres kann man von Cincinnatis junger Garde auch behaupten. Burrow, Chase, Mixon und Co. sind heiß auf die nächste Überraschung und haben längst bewiesen, dass sie mehr als nur ein gefährlicher Außenseiter sind.

Die Rams können zusätzlich noch auf den Heimvorteil bauen, doch es würde zur Saison passen, wenn man am Ende der Außenseiter die Super Bowl LVI gewinnen sollte.

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Maximilian PatakQuelle: Redaktion