APA/APA/AFP/BAKR ALKASEM

Tausende fliehen aus Umland von Aleppo

Heute, 15:47 · Lesedauer 2 min

Tausende Menschen sind nach syrischen Behördenangaben aus dem östlichen Umland der Millionenstadt Aleppo geflohen. Sie wollen weiteren Kämpfen zwischen Regierungstruppen und der überwiegend kurdisch geprägten Miliz SDF (Syrian Democratic Forces) ausweichen. Den Angaben zufolge sollen 4.000 Menschen aus den Ortschaften Dayr Hafir und Maskanah geflüchtet sein. In der vergangenen Woche war es zu schweren Kämpfen in kurdisch kontrollierten Stadtteilen Aleppos gekommen.

Hintergrund ist ein Streit über die geplante Eingliederung der bisher autonom geführten kurdischen Verwaltungen in die staatliche Ordnung. Die Übergangsregierung brachte die kurdischen Stadtviertel Aleppos schließlich militärisch unter ihre Kontrolle.

Nun sollen die SDF-Kämpfer weiter nach Osten gedrängt werden, wo sie weite Teile des Landes unter ihrer Kontrolle haben. Die Syrian Democratic Forces galten während des Bürgerkriegs in dem Land als wichtigster Verbündeter der USA im Kampf gegen die Terrormiliz IS und beendeten deren Herrschaft in Syrien. Ein Abkommen über ihre Eingliederung in die staatlichen Streitkräfte nach dem Sturz von Langzeitherrscher Bashar al-Assad wurde bisher aber nicht umgesetzt.

Die Regierungstruppen hatten einen "humanitären Korridor" für mehrere Ortschaften östlich von Aleppo ausgegeben, um Zivilisten die Flucht zu ermöglichen. Die Frist dafür lief am Freitagnachmittag ab. SDF-Kämpfer hinderten die Menschen teilweise am Verlassen der Gebiete, wie Augenzeugen einem dpa-Reporter vor Ort bestätigten.

Misstrauen gegenüber neuen Machthabern in Damaskus

Die Übergangsregierung von Präsident Ahmed al-Sharaa wirft der SDF vor, Assad-Anhänger und Mitglieder der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK in ihren Reihen zu dulden. Die Kurden wiederum misstrauen den Versprechen des früheren Anführers der Islamistengruppe HTS, al-Sharaa, ihre Rechte zu gewährleisten. Außerdem warnen sie vor einem Wiedererstarken des IS.

Seit dem Umbruch ist es mehrfach zu Gewaltwellen durch Kämpfer der neuen Machthaber und deren Unterstützer gegen Minderheiten gekommen. Dabei wurden Hunderte Menschen, darunter viele Zivilisten, getötet, etwa bei Auseinandersetzungen mit Drusen im Süden oder den Alawiten an der Küste.

Al-Sharaa wird am Montag in Berlin zu einem ersten Besuch in Deutschland erwartet. Dabei trifft er Bundeskanzler Friedrich Merz. Zu den Hauptthemen dürfte die Rückführung syrischer Flüchtlinge in ihre Heimat gehören.

Zusammenfassung
  • Nach Angaben syrischer Behörden sind 4.000 Menschen aus den Ortschaften Dayr Hafir und Maskanah im Osten von Aleppo geflohen, um Kämpfen zwischen Regierungstruppen und der kurdisch dominierten SDF zu entkommen.
  • Die syrische Übergangsregierung richtete einen humanitären Korridor ein, dessen Frist am Freitagnachmittag ablief, wobei Augenzeugen berichten, dass SDF-Kämpfer teilweise die Flucht der Zivilbevölkerung verhinderten.
  • Seit dem Machtwechsel kam es zu mehreren Gewaltwellen gegen Minderheiten mit Hunderten Toten, während Präsident Ahmed al-Sharaa kommende Woche in Berlin mit Bundeskanzler Friedrich Merz über die Rückführung syrischer Flüchtlinge sprechen wird.