Hacker: "Werde Empfehlung der Frau Professor Puchhammer sicher nicht folgen"

12. Jan. 2022 · Lesedauer 4 min

Stadtrat Peter Hacker erteilt der Forderung nach Änderung der Teststrategie eine Absage und will an breiten Testungen in Wien festhalten. Zur SPÖ-Impfpflicht-Kritik sagt er: "Die SPÖ-Linie ist völlig klar. Die machen sich jetzt Sorgen, dass der Gesundheitsminister keinen guten Entwurf auf den Tisch legt."

Von 17.000 Covid-Fällen wurde ein Drittel in Wien gemeldet und damit der Rekord um 3.000 Fälle überschritten. "Omikron hat die Karten neu gemischt", erklärt Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) im Newsroom LIVE. Die Infektiosität sei höher, aber auch die Wahrscheinlichkeit nicht schwer zu erkranken, "vor allem dann, wenn man gut geimpft ist". "Unser großes Problem wird jetzt nicht die große Zahl der Kranken sein, sondern eher die große Zahl derer, die einige Tage mit Krankenstand ausfallen".

Hacker wird Wiener Teststrategie beibehalten

Hacker widerspricht der Virologin Elisabeth Puchhammer-Stöckl, die aufgrund der Omikron-Variante bei "Milborn" ein Umdenken bei der Teststrategie gefordert und sich gegen ein "kreuz und quer testen" ausgesprochen hat: "Ich werde dieser Empfehlung der Frau Professor Puchhammer sicher nicht folgen." Die breite Teststrategie würde Sicherheit geben und er denke nicht im Traum daran, das den Menschen zu nehmen.

Hacker weiter: "Ein Viertel der Wiener Bevölkerung hat an einem Tag Tests abgebeben, da fang' ich doch nicht an zu diskutieren, ob das sinnvoll ist, oder nicht." Screenings in der Bevölkerung seien ein wesentliches Element für die Gesundheitsbehörde, um Erkenntnisse zu gewinnen.

"Die Wissenschaft weiß in Österreich so viel über die Verbreitung von Omikron, weil wir in Wien so eine Teststrategie haben und das wird auch von der Bevölkerung mitgetragen." Im Gegenteil, diese Woche stelle Wien zusätzlich Testkapazitäten bereit. Hacker "werde dieser Empfehlung der Frau Professor Puchhammer sicher nicht folgen."

Impfpflicht-Kritik der SPÖ: "Die machen sich Sorgen"

"Die SPÖ-Linie ist völlig klar. Die machen sich jetzt Sorgen, dass der Gesundheitsminister keinen guten Entwurf auf den Tisch legt. Ich selbst erwarte mir, dass eben ein guter Entwurf kommt", zeigt sich Hacker optimistisch. "Wir kennen keinen aktuellen Entwurf. Der, den wir kennen, ist aus dem Dezember, war Gegenstand des Begutachtungsverfahrens." Jetzt müsse das Ministerium den Entwurf überarbeiten.

Über-60-Jährige brauchen Booster-Motivation

Dass die Wiener im Gegensatz zu anderen Bundesländern booster-faul seien, will Hacker so nicht gelten lassen. "Wir müssen schon sehen, dass das Boostern als Messzahl immer im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung nicht berücksichtigt wieviel junge Menschen und wieviel Alte in der Bevölkerung eines Bundeslandes sind", so Hacker. Wenn man bei den Unter-18-Jährigen nicht boostern könne, aber eine hohe Anzahl von Unter-18-Jährigen habe, schaue das für die Statistik natürlich schlecht aus.

Bei den Menschen bis 40 sei Wien das Bundesland mit den meisten Boosterungen, "aber es stimmt, bei den Über-60-Jährigen haben wir einen schlechteren Wert als andere Bundesländer und da ist es keine Frage, da braucht es noch eine Motivation für alle", so der Gesundheitsstadtrat.

Kein 2G-Plus für Gastro

Deutschland will für die Gastronomie eine 2G-Plus-Regel einführen. Davon hält der Stadtrat nichts. "Es ist eh schön, dass die Deutschen draufkommen, dass Testen wichtig ist. Wir machen in Wien mehr Tests als ganz Deutschland." Die Spielregel zu machen sei leicht, man müsse sie aber auch durchsetzen können. "Wenn ein Viertel der Wiener Bevölkerung sich gestern hat testen lassen, gibt es keinen Grund die Tests jetzt noch zwangsweise auf weitere Bereiche auszudehnen. Eine halbe Million Wiener:innen an einem Tag zum Testen zu bringen, das muss uns wer nachhupfen. Ich seh' keinen Grund, mir da jetzt noch weitere Spielregeln zu überlegen."

Das ganze Interview gibt es im Newsroom LIVE heute um 22:20 Uhr auf PULS 24 und in der ZAPPN-App.

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam