Nord Stream: Schweden meldet Explosionen - "Zufall schwer vorstellbar"

27. Sept. 2022 · Lesedauer 4 min

Der Betreiber der Ostsee-Gaspipelines Nord Stream hat nach eigenen Angaben mehrere Schäden entdeckt. Schweden und Dänemark haben nun Explosionen festgestellt.

Derzeit ist die Rede von zwei Lecks an Nord Stream 1 nordöstlich der Ostsee-Insel Bornholm sowie einem an Nord Stream 2 südöstlich der Insel, teilte die dänische Energiebehörde am Dienstag mit.

Auch aus Sicht deutscher Sicherheitskreise spricht vieles für Sabotage. Sollte es sich um einen Anschlag handeln, würde angesichts des Aufwands nur ein staatlicher Akteur infrage kommen, hieß es am Dienstag. Zwar wird aktuell durch keine der Pipelines Gas geliefert, der Gaspreis stieg angesichts der Verunsicherung aber. Am Montag war in den Leitungen von Russland nach Deutschland ein plötzlicher Druckabfall beobachtet worden.

Auch die dänische Ministerpräsidenten Mette Frederiksen erklärte, dass es bei dieser "außergewöhnlichen Situation schwer vorzustellen sein, dass es ein Zufall sein könnte".

Offenbar Explosionen nahe der Pipeline

Schweden und Dänemark meldeten am Dienstag Nachtmittag, dass Messstationen "starke Unterwasserexplosionen" nahe an der Pipeline registrierten - die erste wurde am Montag um 02.03 Uhr festgestellt, die zweite um 19.04 Uhr. Eine der Explosionen hatte die Stärke 2,3 und wurde von 30 Messstationen in Südschweden registriert.

"Es gibt keinen Zweifel, dass es sich um eine Sprengung oder Explosion handelte", sagt Seismologe Björn Lund vom Schwedischen Seismologischen Netzwerk (SNSN) gegenüber dem schwedischen Rundfunk SVT. Laut SVT befinden sich die Orte der Explosionen im selben Gebiet wie die des Gaslecks.

Eine ähnliches seismologisches Ereignis registrierte man 2016 - das Gebiet werde laut Lund gewöhnlicherweise für militärische Übungen verwendet.

Nach dem Druckabfall in den Nord-Stream-Gaspipelines unter der Ostsee suchen Behörden in Deutschland und Dänemark weiter nach der Ursache. Die dänische Marine und deutsche Spezialisten bemühten sich um Aufklärung, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen. Bisher sei die Ursache für die Vorfälle nicht geklärt. Jedoch spreche einiges für Sabotage. Sollte es sich um einen Anschlag handeln, würde angesichts des technischen Aufwands eigentlich nur ein staatlicher Akteur infrage kommen.

Polen glaubt an russische Provokation

"Wir kennen heute noch nicht die Details dessen, was da passiert ist, aber wir sehen deutlich, dass ein Sabotageakt vorliegt", sagte der polnische Regierungschef Mateusz Morawiecki im polnischen Goleniow bei Stettin. Aus Sicht der dänischen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen ist es schwer vorstellbar, dass es sich um Zufall handle.

In Moskau will die Regierung einem Sprecher zufolge keine Variante ausschließen. Auch der Betreiber von Nord Stream 2 ist skeptisch: Dem Sprecher Ulrich Lissek zufolge sind die Leitungen so verlegt, dass eine gleichzeitige Beschädigung mehrerer Leitungen etwa durch einen einzelnen Schiffsunfall höchst unwahrscheinlich ist.

Kreml sei "äußerst beunruhigt"

Russland kontert und schließt angesichts der Lecks an den Nord-Stream-Gaspipelines Sabotage oder andere Gründe nicht aus. "Jetzt kann keine Variante ausgeschlossen werden", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow auf die Frage, ob Sabotage der Grund sein könne für den Druckabfall. "Offensichtlich gibt es eine Zerstörung der Leitung. Und was der Grund dafür ist - da kann man bis zu dem Zeitpunkt, bis die Ergebnisse der Untersuchungen auftauchen, keine Variante ausschließen", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der russischen Nachrichtenagentur Interfax zufolge.

Der Kreml sei "äußerst beunruhigt" über den Druckabfall in den Ostseepipelines Nord Stream 1 und 2. Die Nachrichten seien alarmierend. Die Schäden an den Leitungen müssten untersucht werden. "Das ist eine absolut nie da gewesene Situation, die einer schnellen Aufklärung bedarf", sagte Peskow.

NATO untersucht Gas-Lecks

Das westliche Militärbündnis NATO untersucht die Gas-Lecks an den Nord-Stream-Pipelines. "Die NATO beobachtet die Situation in der Ostsee genau", sagte ein Vertreter des Bündnisses am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. Die Bündnispartner seien dabei auch im engen Austausch mit den Ostseeanrainern Finnland und Schweden, die zwar einen Mitgliedsantrag gestellt haben, aber noch keine NATO-Mitglieder sind.

Quelle: Agenturen / Redaktion / pea