Verschwörungs-Experte: Politische Inanspruchnahme der Proteste macht alles gefährlicher

04. Dez 2021 · Lesedauer 2 min

Claus Oberhauser, Experte für Verschwörungstheorien, sieht eine Radikalisierung der zwar kleinen, aber lauten Szene der Verschwörungstheoretiker. Dass sie von Rechtsradikalen und der Politik "gekapert" werden, mache die Situation gefährlicher.

Verschwörungstheorien haben in Krisenzeiten Hochkonjunktur, weil Menschen sich fragen, wie es dazu kommen konnte und wer schuld daran sei, erklärt Oberhauser. Darauf antworte man mit Verschwörungstheorien. Weil die Pandemie schon fast zwei Jahre dauert, hätten sich diese Theorien verdichtet.

Rechtsextreme und Politik nehmen Einfluss

"Die Situation ist sicher gefährlicher geworden als sie noch vor eineinhalb Jahren war", ist sich der Experte sicher, "weil sich viele Sichtweisen verdichtet haben". Problematisch sei, das die rechtsextreme Seite eine Kaperung versuche - und weil man nicht dagegen angehe. Auch eine Radikalisierung beim Thema "Lügenpresse" sei bemerkbar. "Es gibt leider auch eine politische Inanspruchnahme dieser Proteste und auch das macht alles etwas gefährlicher."

Social Media werde bewusst dazu verwendet, um Desinformation in die Welt zu setzen. Das führe dazu, dass Menschen verstärkt das Vertrauen "in die sogenannte offizielle Erzählung verlieren".

Auch wirre Theorien "geben Halt"

"Menschen sind häufig auf der Suche nach dem, was die Welt im Innersten zusammenhält." Gerade wenn wir uns die Welt nicht mehr erklären könne, hätten Theorien von Eliten, die uns steuern, wie die Bill-Gates-Verschwörung oder der "Great Reset" eine besondere Anziehungskraft. "Verschwörungstheorien mögen machen Leuten wirr erscheinen, aber sie geben Halt."

Vertrauensschwund in Politik, Medien, Wissenschaft seit 2001

Das Vertrauen in Politik, Medien und die Wissenschaft "ist im Schwinden begriffen", analysiert Oberhauser. Das hätte schon lange vor der Pandemie begonnen. Wahrscheinlich seit 2001, nach 9/11, hätte das zu sickern begonnen. Die sogenannte Migrationskrise und die Weltwirtschaftskrise hätten das verstärkt. "Die Corona-Krise war dann ein großer Katalysator, die den Prozess beschleunigt hat."

Es sei allerdings nur ein kleiner Prozentsatz, der an Verschwörungstheorien glaube. "Es kommt uns mehr vor, weil die Präsenz da ist."

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam