APA/ROLAND SCHLAGER

Länder-Vergleich: Die Strategien gegen Omikron

24. Jan. 2022 · Lesedauer 6 min

Die Omikron-Variante breitet sich weiter aus und ist in Europa bereits dominant. Angesichts steigender Neuinfektionen werden unterschiedliche Strategien bestritten, um der Omikron-Welle Herr zu werden. PULS 24 hat sich angesehen, wie die einstigen Vorreiter der Pandemie oder Sonderweg-Bestreiter nun mit Omikron umgehen.

Test-Daten-Chaos, Impfpflicht und Lockdown für Ungeimpfte: In Österreich führen diese Schlagwörter derzeit zu Diskussionen. Recht früh entschied man sich hier, auf den Ausbau der Teststrategie zu setzen. Dennoch schlitterte Österreich von Lockdown zu Lockdown. Auch die Teststruktur scheint angesichts der enorm hohen Infektionszahlen – mit Ausnahme von Wien – am Kapazitätslimit zu sein.

Dennoch mehren sich die Rufe nach Lockerungen. Die Wirtschaft aber auch die Opposition drängen angesichts der mit Februar startenden Impfpflicht auf ein Ende des Lockdowns für Ungeimpfte. Zudem gerät die Sperrstunde um 22 Uhr in Diskussion.

Sendungshinweis: PULS 24 widmet den Forderungen nach einem Ende des Lockdowns für Ungeimpfte eine Schwerpunktsendung, morgen, Dienstag, ab 10 Uhr.

Doch auch in anderen Ländern sind die Neuinfektionen durch Omikron auf einem Rekordhoch. PULS 24 hat sich angesehen, wie es jenen Ländern ergangen ist, die durch ihre auffälligen Strategien die Pandemie hindurch in den Schlagzeilen waren.

Mit Sonderweg zur Maßnahmen-Verschärfung

Schweden, das in der Corona-Krise einen vielbeachteten Sonderweg mit relativ milden Beschränkungen gewählt hatte, hatte in der zweiten Jahreshälfte 2021 lange Zeit vergleichsweise niedrige Corona-Zahlen verzeichnet. Seit dem Jahreswechsel ist die Zahl der Neuinfektionen jedoch in die Höhe geschossen. Laut WHO wurden mit Stand Montag (24. Jänner.2022) 39.928 Neuinfektionen gemeldet. Das entsprach dem mit Abstand höchsten Tageswert seit Pandemiebeginn. Im Vergleich dazu: In Schweden leben rund 10,3 Millionen Menschen.

Seit Pandemiebeginn 2020 setzte die schwedische Regierung auf freiwillige Maßnahmen und Eigenverantwortung. Während Österreich von Lockdown zu Lockdown ging, wurde in Schweden darauf verzichtet. Schweden stand dadurch oftmals in der Kritik, zu nachlässig zu sein. Tatsächlich war die Zahl der mit dem Virus in Verbindung gebrachten Toten höher als in den nordischen Nachbarländern, aber niedriger als in den meisten europäischen Ländern, die sich für Lockdowns entschieden, hatten.

Mittlerweile gelten aber auch in Schweden einige Corona-Maßnahmen. Diese sind auch auf die rasche Ausbreitung der Omikron-Variante zurückzuführen. Gasthäuser und Restaurants mit Ausschankgenehmigung müssen von nun an spätestens um 23.00 Uhr schließen. Gruppen dürfen dort jetzt maximal acht Personen groß sein, sie dürfen zudem nur am Tisch bedient werden. Erwachsene sind ausdrücklich dazu aufgerufen, ihre nahen Kontakte in Innenräumen zu begrenzen - das bedeutet, dass man größere Zusammenkünfte und Feiern vermeiden soll. Das Gesundheitsministerium hofft, damit die gestiegene Belastung des Gesundheitswesens wieder zu verringern.

Impfvorreiter will Grünen Pass abschaffen

Während in Österreich über die dritte Impfung diskutiert wird, wird in Israel bereits der vierte Stich verabreicht. Doch auch im Land, das als Vorreiter beim Impfen gilt, steigen die Corona-Fälle. Durch die Omikron-Welle ist die Zahl der Neuinfektionen auch hier so hoch wie noch nie. Laut WHO wurden hier bereits 26.110 Fälle registriert (Stand: 24. Jänner).

Derzeit gilt vielerorts auch in Israel eine 2G-Pflicht. Der Grüne Pass ist nur gültig mit Booster oder einem zweiten Stich, der nicht älter als sechs Monate ist. Angesichts der hohen Ansteckungsrate der Geimpften mit Omikron wird aktuell über eine Abschaffung dieser Regelung diskutiert. Der Grüne Pass sei "irrelevant" geworden und würde falsche Sicherheit vermitteln, heißt es in der "The Times of Israel".

Stattdessen fordert ein Experten-Gremium des israelischen Gesundheitsministeriums, auf einen Ausbau der Corona-Teststruktur sowie eine 2G-Plus Richtlinie beim Eintritt in Hochrisiko-Institutionen wie etwa Pflegeheime zu setzen.

Die Entscheidung über den Grünen Pass soll in den kommenden Tagen gefällt werden. Im vergangenen Sommer wurde das Zertifikat bereits vorübergehend abgesetzt.

Trotz hoher Neuinfektionszahl: Keine Maßnahmen mehr

In Großbritannien wird trotz hoher Zahl an Neuinfektionen ein anderer Weg eingeschlagen. Premierminister Boris Johnson verkündete die Aufhebung der meisten Corona-Maßnahmen in England. Ab dem 27. Jänner werde das Tragen von Masken nicht mehr gesetzlich vorgeschrieben sein, sagte Johnson am Mittwoch im britischen Parlament. "Da Corona endemisch wird, müssen wir die gesetzlichen Verpflichtungen durch Ratschläge und Empfehlungen ersetzen", begründete der Premier den Schritt.

Trotz rascher Ausbreitung der Omikron-Variante sollen in Großbritannien demnächst alle Maßnahmen aufgehoben werden.

Auch die Arbeit im Homeoffice werde nicht mehr offiziell empfohlen und die Vorlage des Gesundheitspasses in Clubs und bei bestimmten großen Versammlungen nicht mehr vorgeschrieben. Für März plane die Regierung das Ende der Isolation für positiv getestete Menschen. "Wir zwingen die Menschen nicht gesetzlich dazu, sich zu isolieren, wenn sie die Grippe haben", erklärte Johnson. Aufgrund der außerordentlichen Booster-Kampagne könnten die Maßnahmen auslaufen. Aktuell werden laut WHO in Großbritannien 106.533 positive Corona-Fälle verzeichnet.

Der Weg zurück zu Corona-Maßnahmen

Auch Dänemark verzeichnet aktuell Rekordwerte bei den Corona-Neuinfektionen. Am Montag wurden hier 40.626 Corona-Fälle verzeichnet. Zum Vergleich: Ende November hatte die tägliche Neuinfektionszahl bei etwa 5.000 gelegen. Gesundheitsminister Magnus Heunicke wies auf Twitter darauf hin, dass sich die hohe Infektionszahl nicht in der Zahl der Krankenhauseinlieferungen widerspiegele. Gründe dafür seien die Omikron-Variante und die erneuten Infektionen von Personen, die sich bereits zuvor mit dem Coronavirus angesteckt hätten. Deshalb gebe es Grund für Optimismus für die kommende Zeit, schrieb Heunicke.

Dänemark sorgte in der Vergangenheit für Schlagzeilen, als das erste europäische Land, dass angesichts hoher Impf- und niedriger Infektionszahlen im September alle Corona-Beschränkungen aufgehoben hat. Nur zwei Monate danach musste Dänemark allerdings erneut die Maßnahmen verschärfen.

Es wurde u.a. der sogenannte Corona-Pass – eine Variante des Grünen Passes, der anzeigt, ob jemand geimpft, genesen oder negativ getestet ist – eingeführt. Auch die Maskenpflicht wurde 2021 wieder eingeführt.

Deutschland diskutiert über Impfregister

Die Zahl der Corona-Intensivpatienten stieg auch im Nachbarland Deutschland erneut leicht an. Laut Tagesreport des Divi-Registers waren am Montag 2.438 Menschen in intensivmedizinischer Behandlung - zwölf mehr als am Vortag. Zum Höhepunkt der vierten Welle im Dezember waren es rund 5.000 gewesen. Dann sank die Zahl lange Zeit kontinuierlich. "Eine Trendumkehr sehen wir im Moment auf den Normalstationen, aber noch nicht auf Intensivstation", teilte der Leiter des Registers, Christian Karagiannidis, auf dpa-Anfrage mit.

Angesichts immer höherer Infektionszahlen sind vorerst keine generellen Lockerungen von Corona-Auflagen in Deutschland in Sicht. Bei Beratungen von Bund und Ländern am Montag zeichnete sich vielmehr ab, dass die seit Monaten geltenden Zugangsbeschränkungen unter anderem am Arbeitsplatz, in Bussen, Bahnen, Gaststätten und Geschäften bleiben sollen.

Zum Umgang mit noch deutlich mehr Infizierten mit der ansteckenderen Virusvariante Omikron sollten zudem praktische Fragen geklärt werden - ein Vorrang bei genaueren PCR-Tests und beim Nachverfolgen von Infektionsketten für sensible Bereiche. Die Union im Bundestag forderte die zügige Einführung eines Impfregisters.

Quelle: Agenturen / Redaktion / pea