APA - Austria Presse Agentur

Grüne fordern Ende der Attacken auf Justiz - ÖVP legt nach

30. Mai 2021 · Lesedauer 3 min

Die Grünen forderten am Wochenende von der ÖVP, ihre Angriffe auf die Justiz zu beenden. Viel Erfolg hatten sie damit nicht. Fraktionschef Hanger legte nach und unterstellte der Korruptionsstaatsanwaltschaft am Sonntag, dass sie aus Revanchegelüsten ermittle.

"Dieses Verhalten ist einer bürgerlichen Partei unwürdig", kritisierte Klubchefin Sigrid Maurer die Angriffe der ÖVP und forderte, dass diese Aufhören. Auch Opposition stellte sich hinter die Justiz.

Damit stießen sie bei der ÖVP auf taube Ohren: Andreas Hanger unterstellte der WKStA gegen ÖVP-Justizsprecherin Michaela Steinacker aus Revanchegelüsten ermitteln zu wollen. Gegen sie und ehemalige Geschäftsführer der Raiffeisen evolution project development GmbH besteht ein Anfangsverdacht wegen Untreue und Vorteilsannahme, wie PULS 24 Anfang der Woche bestätigt wurde. Die Aufhebung der Immunität Steinackers im Nationalrat wurde beantragt.

Maurer: "Unsouveräne" Attacken einstellen

Maurer attestiert der ÖVP einen "unsouveränen Umgang" mit den Ermittlungen gegen ÖVP-Politiker. "Die permanente Unterstellung an die Justiz, sie würde politisch agieren, ist strikt zurückzuweisen. Die ÖVP versucht damit kontinuierlich, die Glaubwürdigkeit der Judikative und damit einer zentralen Säule unserer Demokratie zu beschädigen." Dies werde auch von ÖVP-Wählern nicht goutiert. Justizministerin Alma Zadic (Grüne) garantiere dafür, dass die Behörden in Ruhe arbeiten können. "Ich fordere die ÖVP auf, ihre unsouveränen Attacken einzustellen und zu einem seriösen und verantwortlichen Umgang mit der Justiz zurückzukehren", so Maurer.

ÖVP-Klubchef August Wöginger hatte zuvor eine weitere Attacke auf die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) geliefert und ihr Vorgehen gegen Steinacker als "politisch motiviert" bezeichnet. Der ÖVP-Wortführer im U-Ausschuss legte am Sonntag nach. Andreas Hanger unterstellte der WKStA die Ermittlungen gegen Steinacker voranzutreiben, weil die Abgeordnete parlamentarische Anfragen zu den "Verfehlungen" der Korruptionsermittler gestellt und damit unbequem geworden sei. Zum Beleg brachte Hanger vor, dass gegen andere Abgeordnete mit Nebeneinkünften nicht ermittelt wird.

Die Staatsanwältevereinigung (StAV) hat sich am Samstag zu Wort gemeldet und die Angriffe der ÖVP auf die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) ebenfalls kritisiert.

Anfangsverdacht durch Whistleblowerin

Die WKStA hat allerdings darauf hingewiesen, dass das Verfahren gegen Steinacker durch detaillierte Mitteilungen einer Whistleblowerin ins Rollen gekommen ist. Demnach soll Steinacker vom früheren Arbeitgeber Raiffeisen evolution zwar bezahlt worden sein, in der Praxis aber fast ausschließlich für die ÖVP gearbeitet haben. Auch Unterlagen wurden übermittelt und Zeugen namhaft gemacht. Um dem Verdacht nachgehen zu können, bei Gehalt, Dienstwagen und persönlicher Assistenz könnte es sich um eine verdeckte Parteispende gehandelt haben, hat die WKStA um Aufhebung der Immunität Steinackers ersucht.

SPÖ, FPÖ und NEOS stellten sich am Wochenende hinter die Ermittler und warnten vor den Folgen der Attacken der ÖVP für das Vertrauen in die Justiz. Außerdem erinnerte SP-Justizsprecherin Selma Yildirim daran, dass die WKStA jeder stichhaltigen Anzeige nachgehen müsse, weil sie sonst selbst einen Amtsmissbrauch begehen würde.

Kurz, Blümel, Doskozil, Waldhäusl 

Die Korruptionsstaatsanwaltschaft ermittelt gegen eine Reihe aktiver und ehemaliger ÖVP-Politiker, allen voran Kanzler Sebastian Kurz wegen falscher Zeugenaussage sowie Finanzminister Gernot Blümel wegen Bestechung bzw. Bestechlichkeit im Zusammenhang mit einem Spendenangebot des Glücksspielkonzerns Novomatic. Allerdings geht die WKStA bei weitem nicht ausschließlich gegen ÖVP-Politiker vor: Ermittlungen wegen falscher Zeugenaussage in einem Untersuchungsausschuss gibt es auch gegen den burgenländischen SPÖ-Landeshauptmann Hans-Peter Doskozil. Und erst am Freitag wurde eine Anklage wegen Amtsmissbrauchs gegen den niederösterreichischen Asyllandesrat Gottfried Waldhäusl (FPÖ) bekannt.

Quelle: Agenturen / Redaktion / lam