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Chrupalla und Weidel: AfD hat Doppelspitze

18. Juni 2022 · Lesedauer 3 min

Tino Chrupalla und Alice Weidel stehen künftig gemeinsam an der Spitze der rechtspopulistischen deutschen AfD.

Beim Bundesparteitag im sächsischen Riesa votierte eine relativ knappe Mehrheit (53,4 Prozent) am Samstag dafür, Chrupalla für weitere zwei Jahre im Amt zu belassen. Weidel rückt von der stellvertretenden Parteichefin in die Position der gleichberechtigten Co-Sprecherin auf. Sie erhielt 67,3 Prozent der Stimmen.

Zusammen führt das Duo damit nun sowohl die Bundestagsfraktion als auch die Bundespartei an. Vielleicht auch um zu zeigen, dass sie reibungslos zusammenarbeiten können, hatten sich Weidel und Chrupalla gegenseitig als Kandidaten für den Chefposten vorgeschlagen.

Verluste bei Landtagswahlen

Chrupalla bekam 287 von 538 abgegebenen Stimmen. Sein Gegenkandidat Norbert Kleinwächter kam auf 195 Stimmen (36,3 Prozent) - ein Achtungserfolg für den Vertreter des eher gemäßigten Lagers. 55 Delegierte stimmten gegen beide Kandidaten. Es gab eine Enthaltung.

Für Weidel votierten 360 von 538 Delegierten. 111 Delegierte (20,8 Prozent) stimmten für ihren Gegenkandidaten, den Europaabgeordneten Nicolaus Fest. 64 Stimmberechtigte votierten gegen beide Kandidaten, drei enthielten sich.

Parteivize Stephan Brandner, der dem Thüringer Landesverband angehört, wurde am Samstag mit 72,4 Prozent im Amt bestätigt. Neben ihm wurden der Bundestagsabgeordnete Peter Boehringer (55,4 Prozent) und seine Fraktionskollegin Mariana Harder-Kühnel (74,6 Prozent) in den engeren Führungszirkel der AfD gewählt.

Boehringer und Brandner warben mit Blick auf den parteiinternen Streit der Vergangenheit in ihren Bewerbungsreden für einen "homogenen Bundesvorstand". Harder-Kühnel, die ohne Gegenkandidaten antrat, wetterte gegen "Deutschlandhasser". Sie forderte eine Parteiführung, die geschlossen "wie eine Mannschaft" zusammenarbeite.

Nach Verlusten bei den letzten Landtagswahlen hatten einige Delegierte, die sich selbst dem sogenannten gemäßigten Lager zurechnen, Chrupalla angegriffen und ihn für das Schwächeln mitverantwortlich gemacht. Die von ihnen unterstützten Kandidaten konnten sich in Riesa jedoch nicht durchsetzen.

Die Vorsitzende der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung, Erika Steinbach, unterlag gegen Boehringer. Die frühere CDU-Politikerin war erst im März in die AfD eingetreten, zählt allerdings bereits seit Jahren zu den Unterstützern der Partei. Für sie stimmten rund 42 Prozent der Delegierten.

Die Delegierten hatten am Freitag zwar die Satzung der AfD geändert, so dass künftig theoretisch auch eine Einzelspitze möglich ist. Der Thüringer Landesschef und Partei-Rechtsaußen Björn Höcke hatte sich dafür stark gemacht. Der Parteitag stimmte aber am Samstag dafür, es dieses Mal noch bei einer Doppelspitze zu belassen.

Künftiger Kurs der AfD wird bestimmt

Auf dem Delegiertentreffen, das noch bis Sonntag dauert, wird der gesamte, zuletzt 13-köpfige Bundesvorstand neu besetzt. Damit wird auch über den künftigen Kurs der AfD entschieden - je nachdem, wie viele Vertreter der jeweiligen Parteiströmung sich einen Posten in dem Gremium sichern können.

Chrupalla steht seit November 2019 an der Spitze. Bei seiner ersten Wahl auf dem damaligen Parteitag in Braunschweig hatte er 54,5 Prozent der Stimmen geholt. Der Handwerksmeister aus Sachsen führte die AfD nach dem Weggang von Ex-Co-Chef Jörg Meuthen zuletzt alleine. Meuthen hatte der AfD einen zunehmend radikalen Kurs bescheinigt. Der Verfassungsschutz hat die Partei als rechtsextremistischen Verdachtsfall eingestuft.

Parteiinterne Kritiker, die sich selbst dem gemäßigten Lager zurechnen, hatten nach den jüngsten Stimmenverlusten bei mehreren Landtagswahlen den Parteichef offen angegriffen und ihm unter anderem vorgeworfen, im Westen nicht punkten zu können. Man müsse "weg von der Wutbürgerpartei". Sie kritisieren Chrupallas Kurs auch als zu russlandfreundlich und bringen Parteiaustritte damit in Verbindung.

Quelle: Agenturen / Redaktion / koa