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Alice Weidel und Tino Chrupalla im Porträt: Die Ökonomin und ihr Malermeister

Die AfD geht mit gleich zwei Spitzenkandidaten in die Bundestagswahl: die Fraktionsführerin Alice Weidel und der Vorsitzende Tino Chrupalla. Auf den ersten Blick könnten sie nicht unterschiedlicher sein.

Das Duo an der Spitze der rechtspopulistischen AfD, Alice Weidel und Tino Chrupalla, tritt in Doppelkandidatur bei der Bundestagswahl an. Beide Spitzenkandidaten eint, dass sie die Extreme der AfD in sich verbinden und dabei kaum unterschiedlicher sein könnten.

Der 46-jährige Malermeister Chrupalla gibt sich gern bodenständig und ist im ostdeutschen AfD-Kernland Sachsen gut vernetzt. Die promovierte Ökonomin Weidel stammt aus dem westlichen Bundesland Rheinland-Westfalen und lebt offen homosexuell mit ihrer Partnerin und ihren zwei kleinen Söhnen in der Schweiz.

Weidel und Chrupalla vereint, dass sie sich zwar mit Scharfmacherei und bewusster Provokation profilieren, gleichzeitig aber die Partei nicht zu sehr dem offen rechtsextremen "Flügel" um Björn Höcke überlassen wollen.

Weidel, die weltgewandte Ökonomin

Ihre Biografie weist die in Nordrhein-Westfalen geboren und aufgewachsene Alice Weidel als weltgewandte Ökonomin aus. Nach ihrem Studium der Volks- und Betriebswirtschaftslehre war sie bei einer Investmentbank tätig, bevor sie einige Jahre nach China ging. Danach arbeitete sie im Vorstandsbüro eines weltweiten Vermögensverwalters, bis sie sich schließlich darauf spezialisierte, Startup-Unternehmen zu beraten.

In den AfD-Bundesvorstand rückte Weidel bereits 2015 - zwei Jahre nach ihrem Parteieintritt - auf, seit Ende 2019 ist sie stellvertretende Parteivorsitzende. Im Bundestagswahlkampf 2017 bildete Weidel mit Alexander Gauland das AfD-Spitzenkandidatenduo. "Die politische Korrektheit gehört auf den Müllhaufen der Geschichte", rief sie auf dem Wahlparteitag im April 2017.

Nachdem die AfD im Herbst 2017 mit 12,6 Prozent als drittstärkste Kraft in den Bundestag eingezogen war, übernahm Weidel an der Seite Gaulands die Spitze der Fraktion - und die Oppositionsführerschaft im Bundestag. Die neue Bühne nutzte sie nach Kräften. Im Mai 2018 erteilte ihr Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) einen Ordnungsruf, nachdem Weidel in einer Rede gegen "Burkas, Kopftuchmädchen, alimentierte Messermänner und sonstige Taugenichtse" gewettert hatte.

Eine Kehrtwende vollzog Weidel im Umgang mit dem rechten "Flügel". War sie Anfang 2017 noch eine der treibenden Kräfte im Ausschlussverfahren gegen den Thüringer Partei- und Fraktionschef Höcke, suchte sie anschließend den Schulterschluss, Trotzdem unterstützte sie den gemäßigteren Chrupalla als Co-Vorsitzenden.

Chrupalla, der sächsische Malermeister

Der 1975 noch in der DDR geborene Tino Chrupalla ist im Gegenzug zu Weidel sehr in seiner sächsischen Heimat verwurzelt. Auch sein Vater war bereits Malermeister in der Ortschafts Krauschwitz, wo Chrupalla aufwuchs. "Ich bin bürgernah und weiß auch, woher ich gekommen bin", sagt er gerne. Geboren im sächsischen Weißwasser machte er zunächst eine Ausbildung zum Maler und Lackierer, dann Zivildienst und später die Meisterprüfung im Freistaat.

Viel politische Erfahrung hat Chrupalla nicht. Als Jugendlicher war er für kurze Zeit in der Jungen Union, nach der Wende wählte er nach eigenen Angaben CDU und FDP. Doch habe ihn die "Arroganz" der etablierten Parteien gestört, die den Mittelstand zu wenig beachteten. Die Eurokrise habe ein "Umdenken" bei ihm ausgelöst: 2014 wählte er die gerade gegründete AfD, 2015 trat er in die Partei ein.

Zwei Jahre später landete Chrupalla als Kandidat für die Bundestagswahl 2017 seinen bislang größten Coup: Er holte für die AfD das Direktmandat im Wahlkreis Görlitz - und zwar gegen den damaligen Unionsfraktionsvize und heutigen sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU). Vor der Landtagswahl in Sachsen wurde Chrupalla kurzzeitig als möglicher Spitzenkandidat gehandelt.

Seit 2019 ist er gemeinsam mit Jörg Meuthen Bundesvorsitzender der AfD. Chrupalla ist kein "Flügel"-Mitglied, hat aber beste Kontakte zu dessen Vertretern, vor allem zum sächsischen AfD-Landeschef Jörg Urban. Von "Flügel"-Frontmann Björn Höcke sind ebenfalls keine Antipathien bekannt. Wohlwollend sieht ihn auch der Brandenburger Landeschef Andreas Kalbitz, der als eigentlicher "Flügel"-Stratege gilt.

Im deutsche Bundestag ist Chrupalla Fraktionsvize und Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Energie. Den menschengemachten Klimawandel bezeichnet er als "Hype", er wettert gegen die Windkraft und die Grünen. Um die AfD auf 30 Prozent zu bringen, müsse sich die Partei "stärker auf die soziale Frage konzentrieren", sagte er kürzlich dem rechten Magazin "Compact".

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  • Die AfD geht mit gleich zwei Spitzenkandidaten in die Bundestagswahl: die Fraktionsführerin Alice Weidel und der Vorsitzende Tino Chrupalla. Auf den ersten Blick könnten sie nicht unterschiedlicher sein.