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Nehammer zum 8. Mai: "Es gab Opfer und es gab Täter"

08. Mai 2022 · Lesedauer 2 min

Die Regierung hat am 8. Mai, dem Tag des Kriegsendes in Österreich, der Befreiung vom Nationalsozialismus gedacht. Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) sprach über das NS-Regime, die Aggression Russlands in der Ukraine und das Erstarken des Antisemitismus in der Corona-Pandemie.

Viele Österreicher hätten das Kriegsende nicht als Befreiung empfunden: "Es gab Opfer und es gab Täter", betonte Nehammer. Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) ergänzte, dass die Beteiligung vieler an den NS-Verbrechen "fanatisch und perfide" gewesen sei. Zu danken sei den Befreiern, Alliierten wie Widerstandskämpfern.

Ukraine als Nazi-Opfer: Vergleiche Putins abzulehnen

Auch viele ukrainische Städte seien Opfer des Vernichtungsfeldzugs der Nazis gewesen. Dieser habe dort große Zerstörung und besonders viele Opfer gefordert. Heute, wie es seitens des russischen Präsidenten Wladimir Putin geschehe, diese Opfer für seine politischen Vorstellungen und verqueren Einordnungen herzuziehen, sei aufs Schärfste abzulehnen.

Russischer Botschafter nicht eingeladen

Auch Nehammer zeigte sich erschüttert, dass sich "der Wahnwitz des Krieges" heute in der Ukraine fortsetze. Dies diene als ständige Mahnung alles zu tun, um Kriege zu vermeiden bzw. wie im aktuellen Fall sie zu beenden. Der russische Botschafter war zu dem Festakt, bei dem neben Regierungsmitgliedern auch Vertreter der Religionsgemeinschaften geladen waren, explizit nicht eingeladen.

Nehammer warnt vor Holocaust-Verharmlosung auf Corona-Demos

Der Historiker Stefan Karner unterstrich, dass Reue und Buße vormaliger Nazis nach dem Krieg oft bloß formal blieben. Für viele sei das Kriegsende eine Demütigung gewesen. Das Österreich-Bewusstsein habe sich erst in den 1950er und 1960er-Jahren entwickelt. Nehammer warnte vor den Gefahren, die in Krisen wie der Pandemie entstehen könnten. Der Kanzler verwies auf die Verharmlosung des Holocaust bei Anti-Maßnahmen-Demonstrationen und antisemitische Töne: "Jeder hat das Recht zu demonstrieren, aber wir müssen wachsam sein." 

Quelle: Agenturen