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8. Mai - Zwischen Ignoranz, Nazi-Gedenken und klassischer Musik

08. Mai 2022 · Lesedauer 3 min

Am Sonntag jährt sich das Ende der Nazi-Herrschaft und des Zweiten Weltkriegs in Europa zum 77. Mal. Die Republik hat sich bis vor eine Dekade immer schwer damit getan.

Diesen Sonntag findet nach zwei Jahren Zwangs-Corona-Pause wieder das Fest der Freude am Wiener Heldenplatz statt. Mit Musik und Reden soll an die Kapitulation der deutschen Wehrmacht in der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945 gegenüber den alliierten Mächten (der Sowjetunion, den USA, dem Vereinigten Königreich und Frankreich) gedacht werden. Oder allgemeiner gesprochen: Der Befreiung vom Nationalsozialismus.

Das Fest findet seit 2013 statt und wird vom Mauthausen Komitee Österreich veranstaltet. Davor gab es zwar auch kleinere Gedenkveranstaltungen, allerdings tat man sich mit dem "Gedenktag" immer etwas schwer.

Die Niederlage

Sowohl für das offizielle Österreich als auch für die normale Bevölkerung hatte der Tag lange keinerlei Bedeutung. Direkt nach dem Krieg hat man sich  mit dem Wiederaufbau der Republik beschäftigt und die Ereignisse als Niederlage der eigenen Ideologie gesehen. Niederlagen werden selten festlich begannen.

Im Gegenzug ist der Tag der Befreiung in vielen ehemaligen Siegermächten ein gesetzlicher Feiertag. So in Frankreich oder - im Nachfolgestaat der Sowjetunion - Russland. Dort wird er allerdings wegen der Zeitverschiebung immer am 9. Mai gefeiert. (Im Zuge des russischen Angriffskriegs in der Ukraine hat dieses Datum eine zusätzliche Bedeutung gewonnen. Mehr dazu lesen Sie hier.)

Diskussionen darüber, ob auch der 8. Mai bei uns ein Feiertag werden soll, befinden sich erst am Anfang

Keine Schuld - keine Not

Nachdem die Zweite Republik ausgerufen worden ist, setzte sich langsam ein Nationalbewusstsein in Österreich durch. Damit einher kam auch die "Opferthese" - Österreich sei das erste Opfer des Nazi-Regimes gewesen und nicht ein williger Teil davon. Durch dieses Selbstverständnis, dass Österreich sämtliche Mitverantwortung an den Verbrechen im Krieg verdrängte, stockte die Aufarbeitung der Nazi-Zeit. Daran änderte auch die laxe Entnazifizierungskampagne der Alliierten wenig.  

Gedenken an gefallene "Helden"

In den 80ern und 90ern begannen unter anderem deutschnationale, rechtsextreme Burschenschaften damit, ein Totengedenken zu organisieren, bei welchem die Niederlage Hitlerdeutschlands bedauert wurde. Gefallene "Helden" der Wehrmacht und anderer NS-Organisationen sollte so Respekt gezollt werden. Dies fand vor allem vor der Krypta im rechten Flügel des Burgtores statt. Diese befindet sich am Wiener Heldenplatz - jenen Ort an dem 1938 der "Anschluss" an Hitler-Deutschland verkündet wurde.

Seit der Jahrtausendwende wurde gegen diese Aufmärsche der Burschenschafter demonstriert und es kam infolge immer wieder zu kleineren und größeren Ausschreitungen zwischen den Rechtsextremen und den Teilnehmenden von Gegendemonstrationen. Auch in der Gesamtbevölkerung begannen zu der Zeit erste größere Diskussionen über die wahre Rolle Österreichs im Zweiten Weltkrieg und die bisherige revisionistische Sichtweise der "Opferthese".

68 Jahre danach 

Im Zuge des 68. Jahrestages wurde  2013 erstmals eine Mahnwache des Österreichischen Bundesheeres eingerichtet, damit man die umstrittenen Totengedenken fernhalten konnte. Und hier hat auch das Fest der Freude seinen Anfang genommen. 

Am Sonntag beginnt die Veranstaltung um 19:30 Uhr. Neben einer Ansprache des Bundespräsidenten und mehreren klassischen Stücken von Sergei Rachmaninov spricht dieses Jahr auch die Zeitzeugin Erika Freeman. PULS 24 Info-Chefin Corinna Milborn hat mit Freeman ein Interview geführt:

Jan ForoboskoQuelle: Redaktion / foj